Als Absatzmarkt für Luxusprodukte liegt Indien weltweit auf Platz 11 und setzte 2021 hier rund 15 Milliarden US-$ um

Indiens Oberschicht kam mit Handel zu Reichtum. Havali (Geschäftshaus) im inneren des Forts von Jaisalmer. Foto: Dr. Toni Hütz

Die Marktforscher von World Wealth Report schätzen die Stärke der Wirtschaft eines Landes nach dem Potenzial für Reiche und Superreiche ein, nicht nach den üblichen Zahlen

Wenn man weltweit das private Vermögen betrachtet, das die Bürger in einem Land besitzen, liegt Indien in der Rangfolge der Länder auf Platz 6, nur hinter den USA, China, Japan, Deutschland und dem Vereinigten Königreich, aber noch vor Frankreich und Italien. Das ist eine der Kernaussagen des „India Wealth Report 2021“. Bei dieser Analysemethode wird der Besitz unter anderem der Reichen und Superreichen in einer Bevölkerung herangezogen, um die Stärke einer Wirtschaft zu ermitteln, nicht das übliche Datenmaterial wie das Bruttosozialprodukt.

Die Methode stammt von den Marktforschern von New World Wealth mit Sitz in Johannesburg. Ihrer Ansicht nach lässt sich am Verhalten der Reichen exakt ablesen, wo es die besten Investitionsmöglichkeiten und die größte wirtschaftliche Stabilität gibt.

Grundlage der Analyse ist die Summe an „Aktien, Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Bargeld und Anleihen, Sammlerstücke und mehr“, die die Bürger eines Landes angehäuft haben; nicht betrachtet wird, wie sich dieser Reichtum auf die Gesamtbevölkerung verteilt.

An diesen Erkenntnissen lässt sich auch ablesen, wie groß in einem Staat die Nachfrage nach Luxusgütern ist.

Danach beträgt das gesamte private Vermögen in Indien 3 Billionen US-$.

In dem Land leben rund 352.00 Superreiche, gemeint sind damit Millionäre und Milliardäre.

Für die kommenden 10 Jahre erwarten die Marktforscher einen Anstieg der Zahl der Reichen und Supereichen in Indien um circa 80% auf über 600.000. „Dies dürfte durch ein starkes Wachstum in den lokalen IT- und Finanzdienstleistungssektoren begünstigt werden“, heißt es in dem Bericht. Schon im vergangenen Jahrzehnt hatte Indien hier ein Wachstum um 63% hingelegt, übertroffen nur von Vietnam, China und Mauritius.

Was die Märkte für Luxusgüter angeht, kommt Indien auf Platz 11 weltweit und erreichte im vergangenen Jahr ein Volumen von 15 Milliarden US-$. Eingerechnet wurden hier Autos, Kleidung und Accessoires, Uhren, Privatjets, Yachten und Hotels.

In einer Reihenfolge von Indiens Städten mit dem meisten Reichtum steht Mumbai an 1.Stelle (weltweit in 10. Stelle). Es ist Sitz der Börse und zahlreicher Industrien wie Immobilien und Medien. Delhi folgt auf Platz 2 (mit New Delhi als Regierungssitz und Firmen aus den Bereichen Bau, Handel und Fertigung). Dahinter rangieren Bangalore (IT, Biotechnologie, Forschung), Kolkata (Zentrum für Ostindien), Hyderabad (Pharmazie, IT), Pune (Autos), Chennai (u.a. Tourismus) und Gurgaon (IT und Fertigung).

Ein Risikofaktor für das Wachsen von Indiens Wirtschaft ist für die Forscher, dass ein Großteil der Bevölkerung in Armut lebt (47% im Vergleich zu 35% im weltweiten Durchschnitt), dass mancherorts die Bevölkerungsdichte extrem hoch ist, dass Indien bisher nur wenige multinationale Konzerne anziehen konnte und dass mehr Reiche und Superreiche das Land verlassen, als zuziehen.

New World Wealth

(03.09.2021)