Mit der Kampagne „It’s Natural – Brazilian Natural Stone“ sollen neue Märkte vor allem für die Quarzite Brasiliens erschlossen werden

Deckblatt des Konzeptpapiers zu „It’s Natural – Brazilian Natural Stone“.

Ein Weg dorthin ist, die Mittel der staatlichen Exportförderung auch für mehr Professionalität in den Firmen einzusetzen

Jetzt aber mit Entschlossenheit: die Brasilianer wollen mit ihren Natursteinen Märkte auf der ganzen Welt erobern. So kann man die neue Kampagne „It’s Natural – Brazilian Natural Stone“ auf den Punkt bringen, die der Verband Centrorochas im Mai 2021 gestartet hat.

Unterstützt von der Außenhandelsorganisation Apex will man wegkommen von der bisherigen Monokultur bei den Exporten – Ausfuhren von Platten nur in die USA, Blöcke (fast) nur nach China – und ebenso von der fatalen Monokultur bei den Steinsorten. Denn nicht wirklich ist es weltweit bekannt, dass Brasilien neben Graniten auch über außergewöhnliche Quarzite, sogar Marmorsorten und mehr verfügt.

Zum Hintergrund der Kampagne: bisher hatte Apex mit dem Verband Abirochas zusammengearbeitet. In den letzten Jahren waren zwar Exportzahlen von jährlich nahe 1 Milliarde US-$ erreicht worden. Zuletzt hatten die Lieferungen ins Ausland jedoch auf diesem Niveau verharrt und vor allem hatte das Land es nicht geschafft, sich von der Monokultur zu befreien.

Wir haben mit Fabio Cruz, Vizepräsident bei Centrorochas und federführend bei „It’s Natural – Brazilian Natural Stone“, über die neue Kampagne gesprochen. Und der Anfang-Vierziger hängt sich gleich mit einem Statement aus dem Fenster: „Eines unserer Ziele ist, bei den Exportfirmen eine Weiterentwicklung und Stärkung zu erreichen.“

Will heißen: es geht nicht nur darum, das Geld von Apex ins Marketing auf neuen Märkten zu pumpen, sondern zunächst einmal darum, die Firmen fitter fürs Geschäft dort zu machen.

Das bezieht sich auf die Denke in den Unternehmen. Cruz nennt als Beispiel: „Viele Firmen haben nicht wirklich Daten über ihre Märkte.“

Bildlich ausgedrückt: die Brasilianer schicken ihre Verkäufer los, damit diese in den USA Muster ihrer Natursteine verteilen. Wenn sie mit Bestellungen von Händlern oder Verarbeitern zurückkommen, sind alle zufrieden.

Nun will die Kampagne mehr über ein Zielland selbst und die Verbraucher dort wissen. Also: statt nur Muster zu verteilen, will man in Erfahrung bringen, was einen Kunden in Sachen Service, Logistik oder Produkten zusätzlich interessieren könnte.

So hat Centrorochas als einen der 1. Schritte der Kampagne den Markt im Mittleren Osten analysieren lassen und wird in Kürze an einer Handelsdelegation nach Dubai teilnehmen. Dort werden Architekten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten über Quarzite informiert.

Natürlich geschieht das nicht im Rahmen trockener Workshops, sondern kleiner Empfänge.

Um Samba geht es dabei aber nicht. „Wir wollen lernen, welche Sprache unsere neuen Zielgruppen sprechen“, nennt Cruz eines der Ziele.

Acht vorrangige Zielländer wurden identifiziert, darunter neben den genannten in alphabetischer Reihenfolge Indien, Italien, Mexiko, das Vereinigte Königreich und Russland.

Cruz‘ Credo dreht sich auch um Ziele nicht-geographischer Art. Gemeint ist damit zum Beispiel die heimische Designszene, speziell die Messen der Innenarchitekten und der Möbelbranche. So hat Centrorochas gerade eine Kooperation mit Abimovel geschlossen. Das ist der Verband der Möbelindustrie.

Aber auch hier denkt man komplex: vorrangig geht es bei dieser Kooperation gar nicht darum, dass mehr Naturstein in Tischen oder Wohnaccessoires Verwendung findet. „In erster Linie wollen wir näher an die Kreativen ran“, so Cruz.

In einem Resümee kommentiert er die Anstrengungen von Brasiliens Steinfirmen in den vergangenen 10 Jahren: „Es reicht nicht aus, in neue Maschinen zu investieren.“ Tatsächlich hat die Branche seit damals eine beispiellose technische Modernisierung vollzogen. Die hat sich jedoch eher darin gezeigt, dass die Firmen sich nun gegenseitig noch mehr Konkurrenz machen, als dass sie neue Märkte gefunden haben.

Da müssen wir zum Schluss natürlich eine Frage stellen: wie kann es eigentlich sein, dass Brasiliens Steinbranche ihre schiere Kraft nie weltweit auf die Märkte bringen konnte?

Cruz zögert nicht: „Der US-Markt hat es uns zu leicht gemacht und uns verdorben.“

Centrorochas (Portugiesisch)

(10.09.2021)