Justin Bateman: Malen mit Steinchen

Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.

Der britische Künstler schafft vergängliche Land-Art, hinter der viel Arbeit steckt und die er dennoch einfach am Strand oder auf einem Weg liegen lässt

Justin Batemans Kunst könnte man als „Malen mit Steinchen“ bezeichnen. Denn in seiner Art der Darstellung übernehmen Steinchen alle Rollen: sie geben die Farbe, sind der Pinselstrich und sogar Leinwand und Rahmen.

Bateman kreiert seine Kunstwerke gerne an Stränden, auf Wegen im Wald oder sogar auf Parkplätzen.

Die Motive sind oft Kopien weltbekannter Kunstwerke, mitunter auch Fotos von Unbekannten. So hat er mal die Mona Lisa auf einen Strand gelegt. An einer Eisenbahnlinie in Thailand, „wo es eine Unmasse von Steinen gab“, wie er schreibt, schuf er das Abbild von George Washington. Zur Materialwahl dafür heißt es auf seiner Webpage: „Ich musste die Steine waschen, da ich sie am Bahndamm gesammelt hatte.“

Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.

Das ist erwähnenswert, denn generell rührt er die Steinchen jenseits des puren Einsammelns nicht an. Er schneidet sie nicht zurecht, malt sie nicht mit Farben an, und verstreut sie im Regelfall wieder dort, von wo er sie mitgebracht hat.

Als Land-Art bezeichnet er seine Kunst. Wie in dieser Kunstrichtung üblich, macht er, wenn eine Arbeit abgeschlossen ist, ein Foto und lässt das Original hinter sich. „Meine Arbeit ist vergänglich, so wie die Jahreszeiten.“

Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.

Spätestens an dieser Stelle muss man hinzufügen, dass es immer sehr konkrete Planungen für ein Kunstwerk gibt. Zum Beispiel bekommt er beim Spazierengehen in seiner Wahlheimat Thailand oder beim Meditieren eine Idee; dann sucht er sich ein reales Bild dazu als Vorlage. Er analysiert dessen Farbtöne („my stonal values“, wie er es formuliert) und anhand derer findet er die passenden Steinchen.

Auf Videos kann man das abschließende Ausbringen der Steinchen im Zeitraffer erleben.

Wir haben ihm gemailt, dass uns das sehr an die Arbeit eines Sämanns erinnert habe. Der Vergleich gefiel ihm und er griff den Gedanken auf: „Weizen ist eine schlaue Frucht: er wurde nicht vom Menschen kultiviert, vielmehr hat er umgekehrt den Menschen kultiviert, damit der das Korn verbreitet.

Ihm gehe es ähnlich: „Nicht ich habe die Ideen – die Ideen haben mich.

Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.

„Manchmal ist es wie eine Meditation, manchmal kann es stressig sein“, heißt es weiter auf seiner Webpage. Dann folgt noch ein Satz, in dem sein Humor aufscheint: „Es kommt darauf an, wie die Steine gelaunt sind, haha.“

Die Größe seiner Bodenbilder liegt zwischen 1 m² und 6 m². Entsprechend misst sich der Zeitaufwand in Tagen oder in Wochen. „Es kann eine einsame Sache sein … und es verlangt absolute Konzentration.“

Auch wenn die Nachfrage inzwischen sehr groß ist, erstellt er nur ganz selten dauerhafte Arbeiten. In einer Mail entschuldigt er sich beinahe dafür, aber es sei nicht sein Ding. „Zukünftig wird es eine limitierte Zahl von Drucken geben,“ fügt er hinzu

Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.

Bateman stammt aus Southsea, einem Stadtteil der Hafenstadt Portsmouth an der englischen Kanalküste. Er ist ausgebildeter Lehrer für Kunst und kreatives Marketing und bekam für einen Kurs sogar den Titel „Outstanding Lecturer of the Year 2017“ (Herausragender Dozent des Jahres 2017).

Am Strand von Portsmouth machte er mit einer Gruppe von Studenten die erste Arbeit aus Strandkieseln.

Er hat ein Faible für die Kulturen in Asien und die Menschen dort. In einem Interview verweist er auf tibetische Mönche, die stundenlang Mandalas in Sand formen, um sie nach Fertigstellung einfach nur wegzublasen.

„In einer Welt mit einem unersättlichen Appetit auf ,mehr‘ ziehe ich es vor, weniger zu verwenden.“

Justin Bateman (1, 2)

Video

Fotos: Jacqueline McCullough

Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.Kunst mit Steinchen von Justin Bateman.Justin Bateman.

(13.09.2021)