Rückblick auf die Corona-Krise: in Deutschland stieg 2020 der Inlandsverbrauch an Naturstein um +7,9% auf 612 Millionen €

Quelle: Deutscher Naturwerkstein-Verband (DNV).

Vor allem die heimischen Produzenten profitierten und legten um +7,5% (nach Wert) zu

Inzwischen kann man ein erstes Fazit zum Corona-Jahr 2020 ziehen: zwar gingen die Exporte und der internationale Handel mit Naturstein bei vielen Ländern um (-)16% zurück. Jedoch erlebte der Inlandsverbrauch sogar eine Steigerung. Das lässt sich im Bezug auf Deutschland aus den Zahlen des Verbands DNV herauslesen: 2020 stieg der Inlandsverbrauch gegenüber dem Vorjahr um kräftige +7,9% (nach Wert) und +9,4% (nach Tonnage). Das waren gut 612 Millionen € beziehungsweise rund 2,054 Millionen t.

Und mehr noch: die Produktion der heimischen Firmen an bearbeiteten Steinen stieg ähnlich stark um +7,5% (nach Wert) und +6,7% (nach Tonnage).

Zwei Geschehnisse finden in diesen Zahlen ihren Wiederhall: zum einen gab es wegen des Lockdowns in Deutschland wie auch weltweit eine gestiegenes Interesse von Privatleuten an der Verschönerung ihrer Eigenheime mit Naturstein – es war Geld da, das die Bürger sonst zum Beispiel für Urlaubsreisen ausgegeben hätten.

Zudem hatte die Pandamie (und anschließend die Verstopfung des Suez-Kanals) die weltweite Transportwirtschaft durcheinander gebracht, so dass die Natursteinhändler in Lieferschwierigkeiten gerieten und den Kunden als Alternativen zu Importen heimische Materialien anboten.

Selbst große Baustoffhändler vollzogen diesen Schwenk, zumindest in Deutschland.

Bekannt ist außerdem, dass zahlreiche Hotels den Lockdown nutzten, um zum Beispiel ihre Badezimmer zu modernisieren.

Quelle: Deutscher Naturwerkstein-Verband (DNV).

Alles in allem ist Deutschland in Sachen Naturstein beinahe ein Riese unter einer Tarnkappe: Seit Jahrzehnten verzeichnet der Verband einen relativ stabilen Verbrauch von um die 600 Millionen € pro Jahr. Nach Tonnen kommt das Land der Marke von 2 Millionen nah, die es im letzten Jahr erstmals überspringen konnte.

Ausgesprochen unauffällig steht Deutschland bei den Exporten von Naturstein da. Sie fielen 2020 wegen Corona nach Wert um (-)9% und nach Tonnage um (-)4,3%. Allerdings sind inzwischen einige Firmen im Export unterwegs, die mit Zuverlässigkeit und Genauigkeit bei größeren Bauprojekten sich ein gutes Image erarbeitet haben.

In Anbetracht der aktuellen politischen Gegebenheiten sieht Reiner Krug, Geschäftsführer beim Verband, die Exportschwäche mit Gelassenheit: „Es wäre wünschenswert, wenn die Branche mehr exportieren würde“, konstatiert er lapidar, fügt aber gleich hinzu, dass Stimuli von Seiten der Regierung nicht zu erwarten seien.

Denn Deutschland steht unter dem Druck der anderen EU-Länder, seine Exportüberschüsse abzubauen.

Übrigens gab es schon mal Zeiten, in denen Deutschland ein großer Naturstein-Exporteur war. Viele seiner heimischen Steine findet man anderswo an Bauwerken, zum Beispiel an den Fassaden in New York City.

Zu den Einfuhren und den Herkunftsländern:
* Rohblöcke bezog Deutschland vor allem aus der Türkei (1,9 Millionen €, 50.645 t), hier vor allem Marmor und Travertin. Aus Österreich kamen Granitblöcke in nennenswerter Menge (0,6 Millionen €; 17,979 t). Andere Sorten lieferte Polen.
* Bei Endprodukten aus Marmor und Travertin lag die Türkei als Lieferant an 1. Stelle (12.7 Millionen €; 41.047 t), gefolgt von Italien (6,8 Millionen €, 6351 t), wobei Italien, wie erkennbar, einen deutlich besseren Preis pro Tonne erzielte.
* Bei Endprodukten aus Granit lag China vorn (88,2 Millionen €; 339.851 t), gefolgt von Italien (43,9 Millionen €; 65.651 t). China hat vor allem den Markt für billige Waren besetzt.
* Indien war der wichtigste Lieferant von Grabmalen (43 Millionen €; 55.474 t). Auch Vietnam (4,8 Millionen €; 21.018 t) spielt hier inzwischen eine Rolle.

Deutscher Naturwerkstein-Verband DNV (deutsch)

(27.09.2021)