Dereli Art: aus mittelgroßen Marmor-Reststücken werden kleine Kunstwerke, die die Firma dem Ziel „Produktion ohne Abfall“ nahebringen

Dereli Art: Arbeit von Nurdan Taş.

Das Familienunternehmen gewinnt und verarbeitet den weißen Stein von der Insel Marmara

Der Gedanke der Nachhaltigkeit bringt die Welt durcheinander: ob man einen Millionen Jahre alten Marmorblock zerstückeln darf, um daraus ein Kunstwerk und – quasi nebenbei – eine ganze Menge an Stein-Abfall zu erzeugen, hat nie jemand gefragt und, so meinen wir, man muss auch nicht fragen. Das türkische Familienunternehmen Dereli Mermer aber zieht mit seiner Tochterfirma Dereli Art dasselbe Thema von einer anderen Seite auf: kann man vielleicht die vielen mittelgroßen Reststücke, die irgendwo in der Verarbeitung von Naturstein anfallen, als Material für Bildhauerarbeiten nutzen?

Der Künstler also als Verwerter von dem, was bei der Gewinnung von Naturstein übrig bleibt, sozusagen?

Auf den Webseiten mit ihrem Firmenprofil nennt Dereli Art als seine „Vision“ eine „Produktion ohne Abfall“. Weitere Zielsetzungen drehen sich um den CO2-Fußabdruck des Unternehmens.

Dereli Art: Arbeit von Cenan Aktaş.Dereli Art: Arbeit von Banu Yildirim.

Das Material, von dem hier die Rede ist, ist der weiße Marmor mit Silberglanz von der Insel Marmara – seit einigen Jahren bemüht man sich auf dem Eiland vor Istanbul darum, dem einst weltberühmten , aber zuletzt in Vergessenheit geratenen Material zu neuer Bekanntheit zu verhelfen. Die örtliche Regierung unterstützt das.

Dereli Art will aber nicht nur eine Hilfe für des Marketing des Steins sein.

Ausdrücklich geht es der Firma auch um die Förderung von jungen Künstlerinnen und Künstlern aus der Region. „Unser Abenteuer begann, als wir im Sommer 2020 eine Gruppe von jungen Bildhauern in unseren Steinbruch auf der Insel einluden, und erst in den Händen der jungen Leute kam die ihre innere Schönheit der Steine hervor“, heißt es poetisch auf der Webpage.

Langfristig will man auf der Insel „ein Kunstkollektiv“ nicht nur für Bildhauer, sondern auch für andere Disziplinen einrichten.

Dereli Art: Arbeit von Nurdan Taş.Dereli Art: Arbeit von Cenan Aktaş.

Auf der Messe in Izmir 2021 wurden am Stand von Dereli Art einige der Arbeiten von 3 jungen Frauen präsentiert. Weitere findet man auf der Webpage.

Allesamt handelt es sich um gegenständliche Arbeiten. Die jungen Frauen waren beim Studium in Istanbul mit Gülce Dereli zusammengekommen, die nach einem Studium des Industriedesigns inzwischen als Schmuckdesignerin (unter anderem mit Stein) arbeitet, und hatten sich von ihr für das Firmenprojekt begeistern lassen. Vom Gülces Bruder Yalçın wiederum stammt die Idee zu Dereli Art, deren General Manager er nun ist.

Dereli Art: Arbeit von Cenan Aktaş.Dereli Art: Arbeit von Ezgi Lemur.

Die Familie Dereli ist seit den 1940ern in der Gewinnung von mineralischen Rohstoffen aktiv. Anfangs belieferte sie die Glasindustrie mit Dolomit-Kalkstein. 2019 kam der Abbau von Marmorblocken dazu, und nun gibt es auch die Kunst-Sparte.

Künftig will man auch Endprodukte für Architekten und Bauprojekte liefern.

Unübersehbar steht in großen Buchstaben auf einer Webpage die Leitline von Dereli Art: „In diesem unerbittlich konsumorientierten Technologiezeitalter glauben wir an die Magie der Kreativität und an die heilende Kraft der Kunst.“

Dereli Art

Dereli Maden

Gülce Dereli

Gülce Dereli (links) und 3 der Künstlerinnen von Dereli Art (v.l.n.r.): Ezgi Lemur, Nurdan Taş, Banu Yildirim.

21.10.2021)