Die Pracht des Fußbodenmosaiks aus 5 Millionen Steinchen im Hisham’s Palace in Jericho ist jetzt von oben zu sehen

Das Fußbodenmosaik im Hisham’s Palace in Jericho.Das Fußbodenmosaik im Hisham’s Palace in Jericho.

Die Anlage aus der Frühzeit islamischer Kunst wurde überdacht und mit einem aufgeständerten Parcours für die Touristen versehen

Unweit von Jericho in der West Bank ist jetzt wieder das größte Mosaike aus alter Zeit im Nahen Osten zu sehen, das auch ein besonderes Beispiel für frühe islamische Kunst darstellt: Es liegt im Hisham‘s Palace und hat nun eine weit gespannte Überdachung bekommen, so dass es geschützt und für dennoch Touristen zugänglich ist.

Das Mosaik ziert den Fußboden in den zum ehemaligen Palast gehörenden Bädern und erstreckt sich zwischen 16 Säulen über eine Fläche von rund 830 m². Es zeigt eine Vielfalt an geometrischen Formen und auch pflanzlichen Motiven. Ein Highlight ist die Darstellung des „Baums des Lebens“: auf der einen Seite seines Stammes wird mit 2 Gazellen der Frieden dargestellt, auf der anderen Seite geht es um einen Löwen, der einen Hirsch reißt, und damit um den Krieg.

Das Fußbodenmosaik im Hisham’s Palace in Jericho.Das Fußbodenmosaik im Hisham’s Palace in Jericho.

Das Material des Mosaiks sind verschiedene Steinsorten mit 21 Farben, die alle aus der Region stammen. Es besteht aus rund 5 Millionen einzelnen Steinchen (tesserae).

Das Mosaik war bereits in den 1930ern entdeckt und ausgegraben worden. Später deckte der Wüstensand es wieder zu, jedoch brachten die Reiseführer die Besucher gerne an den Ort. Dabei machten sich immer wieder Touristen selbstständig und entfernten den Sand über dem Mosaik, was dem Kunstwerken Schaden zufügte.

Später konnten die palästinensischen Behörden die Japan International Cooperation Agency (JICA) für den Schutz des Mosaiks gewinnen. Nach Vorarbeiten von 2016 an wurden rund 12 Millionen US-$ bereitgestellt, um die Anlage zu überdachen und für die Erwartungen der Touristen von heute aufzurüsten.

Im Kern der Maßnahmen steht die frei tragende Kuppel, die einerseits eine Belüftung zulässt, aber andererseits auch für ein konstantes Mikroklima sorgt. Zahleiche Detailfragen waren zu klären, etwa wie die Vögel vom Nisten zwischen den Dachstreben abzuhalten sind.

Für die Besucher gibt es einen Parcours, der sie über Treppen und Rampen zu markanten Punkten über dem Mosaik bringt. Rollstuhlfahrer haben Zugang zumindest zu den Stellen.

Zu den weiteren Maßnahmen gehören Beleuchtung oder Brandschutz, um nur einige zu nennen.

Besondere Aufwendungen wurden für die Sicherung der 16 massiven Säulen aus alter Zeit unternommen. Ihr Material wurde gesichert, zudem bekamen sie im Inneren einen Stahlstab – der reicht bis tief ins Fundament und zollt der Tatsache Rechnung, dass das Jordantal mit der Stadt Jericho sehr stark von Erdbeben gefährdet ist. Hier verläuft der Große Afrikanische Grabenbruch.

Dass sich die japanische Organisation an dem Projekt beteiligte, hängt mit dem Konzept des palästinensischen Tourismus- und Antikenministeriums zusammen. Dessen Ansatz ist, die zahlreichen historischen Stätten in der Region für Besucher zugänglich zu machen, ohne sie dabei gleich wieder zu zerstören. Palästina hat nicht die Finanzmittel für eine solche nachhaltige Entwicklung.

Die japanische Organisation hat neben den Baumaßnahmen umfangreiche Voruntersuchungen ermöglicht, etwa welche Art von Dach den Anforderungen am besten genügen würde und wie man auch die Wünsche der Touristen am besten erfüllen könnte.

So gibt es zum Beispiel entlang des Parcours‘ Schautafeln, die über die Besonderheiten des Mosaiks und der gesamten Anlage informieren.

Das Fußbodenmosaik im Hisham’s Palace in Jericho.Der „Baum des Lebens“. Foto: The Yorck Project / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Der Hisham‘s Palace wurde wahrscheinlich zwischen 724 und 744 n. Chr. erbaut. Der Name stammt von einer Marmorscherbe, die dort gefunden worden war. Zusammen mit anderen Hinweisen vermuten die Archäologen deshalb, dass der Kalif Hisham ibn Abd al-Malik, vielleicht auch sein Neffe und Nachfolger Walid ibn Yazid der Bauherren war. Beide stammten aus der Umayyad-Dynastie.

Die Anlage ist nur noch in Ruinen vorhanden. Sie liegt 3 km von der Innenstadt von Jericho entfernt und umfasst das Palastgebäude, das Badehaus mit dem Mosaik, eine Moschee, eine Halle und neuerdings errichtete Servicegebäude mit Verwaltungs- oder Sanitäranlagen.

Zahlreiche ähnliche Anlagen, mit mehr oder weniger starkem Wehrcharakter sind von der Umayyad Dynastie im heutigen Nahen Osten erhalten geblieben. Sie werden als Wüstenschlösser bezeichnet.

Im Mai 2021 haben die palästinensischen Behörden den Hisham’s Palace zum Unesco Welterbe eingereicht.

Die Umayyad-Dynastie war das 2. Kalifat in einer Folge von insgesamt fünf, die sich nach dem Tod des Propheten Mohammed bildeten. Es hatte um 750 n. Chr. seine größte Ausdehnung und reichte von Indiens Grenze über die arabische Halbinsel und Nordafrika bis nach Spanien. Es war ein Reich mit vielen Völkern, Kulturen und Religionen, geprägt von tolerantem Umgang miteinander. Manche Historiker sehen die Periode als Entstehungszeit der islamischen Kunst.

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Unesco World Heritage

Fotos: Tarek Al-Khawaja / Ministry of Tourism & Antiquities, Palestine

Verstärkung der alten Säulen. Quelle: JICADie Überdachung im Entwurf. Quelle: JICA

(26.11.2021)