Die Ausstellung „Menschen. In Stein gemeisselt“ bis zum 16. Januar 2022 im Landesmuseum Zürich gibt einen Einblick in die Lebenswelt der Menschen vor rund 6000 Jahren

Blick in die Ausstellung.

Die Ausstellung „Menschen. In Stein gemeisselt“ bis zum 16. Januar 2022 im Landesmuseum Zürich gibt einen Einblick in die Lebenswelt der Menschen vor rund 6000 Jahren

In der Jungsteinzeit begannen die Menschen in Europa sesshaft zu werden, Ackerbau zu betreiben, Tiere zu halten und Metall zu nutzen. Diese Veränderungen verursachten gewaltige gesellschaftliche Umwälzungen. Davon zeugen die unter grossem Aufwand errichteten Steinstelen mit menschlicher Gestalt, die in fast ganz Europa zu finden sind. Sie gehören zu den frühesten Monumenten auf unserem Kontinent.

Einige der Steinfiguren haben Gesichter und Arme, Frisuren und sogar Tätowierungen. Andere tragen wertvolle oder nützliche Gegenstände, welche die Innovationen der Zeit aufzeigen: Beile zum Fällen von Bäumen oder zum Kampf, ein Pflug zur Bearbeitung der Felder, Schmuck aus Kupfer zur Repräsentation, Pfeil und Bogen für die Jagd und Waffen für den Nahkampf.

Menschendarstellungen gab es schon vor dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr., als die Statuen errichtet wurden. Neu aber ist die Größe der Steingestalten, die von halber bis zu doppelter Menschenhöhe reicht.

Menschenförmige Stele mit Unterarmen und Händen, Gürtel und Halsschmuck mit Doppelspiralanhängern. Marmor. 3000–2500 v. Chr. Schweiz, Kanton Wallis, Sitten. Office cantonal d’Archéologie VS

Die Stelen erzählen von der Lebensrealität in jener von Gewalt und Veränderung geprägten Epoche. Die zunehmende Bevölkerungszahl, der Kampf um Ressourcen und Neid führten zu Konflikten, die an den Steinskulpturen und ihren Fundstellen abgelesen werden können.

Auf den Steinstelen dargestellt sind Mitglieder der neuen Eliten, ranghohe Frauen und Männer an der Spitze einer zunehmend hierarchischen Gesellschaft. Mit ihren Machtsymbolen ließen sie sich in Stein verewigen und zeigten so ihren Status.

Blick in die Ausstellung.

Die Stelen dienten auch dem Ahnenkult, denn für die Nachfahren wurden die Dargestellten zu Heldinnen und Helden oder gar zu Göttern und gaben die kollektive Geschichte des Clans bildlich weiter.

Verloren die Mächtigen hingegen an sozialer Kontrolle und Ansehen, gerieten auch ihre Vorfahren in Vergessenheit. Nachfolgende Menschengruppen zerstörten ihre Bildnisse.

Die grosse Wechselausstellung im Erweiterungsbau des Landesmuseums vereint rund 40 Stelen aus Italien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz, darunter auch neue Funde aus den Kantonen Wallis und Zürich. Die Gelegenheit, so viele Original-Stelen aus mehreren Ländern in einer Ausstellung sehen zu können, ist einzigartig. Ergänzt wird die Präsentation zudem durch hochkarätige Originalfunde der auf den Skulpturen dargestellten Waffen, Werkzeuge und Schmuckstücke. Die Schau bietet so einen einmaligen Einblick in die Lebenswelt der Menschen der Jungsteinzeit.

Blick in die Ausstellung.

Aktuell ist der Besuch der Ausstellungen im Landesmuseum Zürich nur mit einem in der Schweiz anerkannten Covid-Zertifikat möglich. Ausgenommen sind Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre.

Quelle: Schweizerisches Nationalmuseum, Landesmuseum Zürich

(09.12.2021)