Veränderungen des Klimas und im Monsunregen verursachten das plötzliche Ende von „Chinas Venedig der Steinzeit“ nach 1000 Jahren mit einer blühenden Wirtschaft und Jadekunst

Jade Bi aus der Liangzhu-Kultur, gezeigt in der Ausstellung „Treasures of China“ 2007 im Canadian Museum of Civilization. Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Die Überschwemmungen müssen so extrem gewesen sein, dass sie das komplexe System von schiffbaren Kanälen, Dämmen und Wasserreservoirs zerstörten, auf dem der Reichtum beruhte

Die Ausgrabungsstätte Liangzhu im Osten Chinas wird als „Chinas Venedig der Steinzeit“ bezeichnet und gilt als eines der bedeutendsten Zeugnisse der frühen chinesischen Hochkultur. Bereits vor mehr als 5000 Jahren verfügte die Stadt über ein ausgeklügeltes Wasserwirtschaftssystem. Bis heute ist umstritten, was zum plötzlichen Zusammenbruch der Hochkultur führte. Massive Überschwemmungen, ausgelöst durch extreme Monsunregen, waren der Grund, wie ein internationales Team um den Innsbrucker Geologen und Klimaforscher Christoph Spötl nun nachgewiesen hat.

Viele der Überreste der Liangzhu-Kultur sind kunstvoll gearbeitete Jadeobjekte wie Congs (Gefäße) oder Bi (Scheiben). Diese steinernen Artefakte hatten einen starken Einfluss auf die Kultur anderer neolithischer Stätten in China.

Im Jangtse-Delta, etwa 160 km südwestlich von Shanghai, befinden sich die archäologischen Ruinen von Liangzhu City. Sie gehören zum Unesco-Welterbe.

Jade Cong aus der Liangzhu-Kultur. Quelle: <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Dort erblühte vor etwa 5300 Jahren eine Kultur, die als eines der frühesten Zeugnisse einer monumentalen Wasser-Kultur gilt. Die ummauerte Stadt verfügte über ein komplexes System von schiffbaren Kanälen, Dämmen und Wasserreservoirs.

Das System erlaubte, während des ganzen Jahres große landwirtschaftliche Flächen zu bewirtschaften. In der Geschichte der menschlichen Zivilisation ist dies eines der ersten Beispiele für hoch entwickelte Gemeinschaften, die sich auf eine Wasserinfrastruktur stützten.

Metalle waren in dieser Kultur noch unbekannt.

Die Hochkultur fand jedoch nach mehr als 1000 Jahren Blüte ein jähes Ende. „Auf den erhaltenen Ruinen wurde eine dünne Tonschicht gefunden, die auf einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Untergang der Liangzhu-Kultur und Überschwemmungen des Jangtse-Flusses oder des Ostchinesischen Meeres hinweist. Für menschliche Ursachen wie kriegerische Auseinandersetzungen konnten keine Hinweise gefunden werden“, erklärt der österreichische Wissenschaftler Christoph Spötl, Leiter der Forschungsgruppe Quartär am Institut für Geologie, Universität Innsbruck. „Anhand dieser Schlammschicht selbst waren jedoch keine eindeutigen Rückschlüsse auf die Ursache möglich.“

Deshalb konzentrierten sich die Forscher auf Höhlen und Ablagerungen dort, wie zum Beispiel Tropfsteine, die eine Rekonstruktion der klimatischen Bedingungen oberhalb der Höhlen bis zu mehreren 100.000 Jahren in die Vergangenheit ermöglichen.

Stalagmiten in Höhlen im Südwesten der Ausgrabungsstätte dokumentieren die klimatische Ursache für den Untergang der altchinesischen Liangzhu-Kultur. Foto: Haiwei Zhang

Geologen der Xi’an Jiaotong Universität in Xi’an, die ein Jahr an der Universität Innsbruck verbrachten, entnahmen Proben von Stalagmiten aus den beiden Höhlen Shennong und Jiulong. Die Höhlen liegen in einer Region, die wie das Liangzhu-Gebiert vom südostasiatischen Monsun betroffen ist.

Die Daten aus den Stalagmiten zeigen, dass es zwischen 4345 und 4324 Jahren dort eine Periode mit extrem hohen Niederschlägen gab. Den Beweis dafür lieferten die Isotopen des Kohlenstoffs, die an der Universität Innsbruck gemessen wurden. Die genaue Datierung erfolgte durch Uran-Thorium-Analysen an der Xi’an Jiaotong Universität, deren Messgenauigkeit bei ± 30 Jahren liegt.

„Die massiven Monsunregen führten wahrscheinlich zu so starken Überschwemmungen des Jangtse und seiner Nebenflüsse, dass selbst die ausgeklügelten Dämme und Kanäle den Wassermassen nicht mehr standhalten konnten, die die Stadt Liangzhu zerstörten und die Menschen zur Flucht zwangen“, folgert Haiwei Zhang.

Die sehr feuchten klimatischen Bedingungen hielten mit Unterbrechungen 300 Jahre an, wie die Geologen anhand der Höhlendaten zeigen konnten.

Die Geschichte und die Überreste der Kultur werden im Liangzhu-Museum aufbewahrt. Es wurde 2018 vom Architekturbüro David Chipperfield gebaut und ist mit einer Travertin-Fassade verkleidet.

Universität Innsbruck

World Heritage List

Luftaufnahme 1 der Stadt Liangzhu (von Südwesten nach Nordosten), 2017. Quelle: Hangzhou Liangzhu Archaeological - Site Administrative District Management Committee.

(21.12.2021, USA: 12.21.2021)