Projekt „Fusion“ der Fondazione Arkad in Seravezza: 5 Künstler aus dem Westen und 5 aus Hong Kong tauschen ihre Arbeiten in Marmor beziehungsweise in Holz aus, auf dass der Partner mit seinem Material etwas hinzufügen möge

Eine der fertigen „Fusion“-Arbeiten. Fotos: Fondazione ArkadEine der fertigen „Fusion“-Arbeiten.

„Fusion“ ist der unauffällige Titel eines Kunstprojektes zwischen 2 Kulturen, das ganz und gar sensationell ist: 5 internationale Steinbildhauer aus dem Westen mit Standort in Italien und 5 Holzbildhauer aus Hong Kong haben jeweils eine ihrer Arbeiten ausgetauscht, auf dass ein Gegenpart am anderen Ende der Welt das Werk mit seinem Material ergänzen möge. Organisatoren sind die Fondazione Arkad aus Seravezza unweit von Carrara und das Hong Kong Visual Arts Centre (vA!).

Die Ergebnisse sind noch bis zum 12. Februar in Seravezza und dauerhaft im Internet auf Videos zu sehen (siehe Links unten).

Initiatoren sind die Steinbildhauer Nicolas Bertoux und Cynthia Saw, er aus Frankreich stammend und inzwischen in einer ehemaligen Marmorfabrik in Seravezza aktiv, sie in Hong Kong geboren und mit ihm Gründerin der Fondazione Arkad.

Die Idee hinter „Fusion“ ist, zwei ganz unterschiedliche Materialien zusammen zu bringen, nämlich den weißen Marmor aus den Apuanischen Alpen mit dem Holz, für das die ehemals britische Kronkolonie bekannt war. Darüber hinaus geht es auch darum, „künstlerische Techniken und Standpunkte zu kombinieren“, wie es auf der Webpage der Fondazione heißt.

Hintergrund ist das Italien-China-Jahr für Kultur und Tourismus, das 2022 stattfindet. Dann sollen die fertigen Arbeiten an verschiedenen Orten gezeigt werden.

Eine der Herausforderungen bestand in der Organisation solch einer außergewöhnlichen Art moderner Kooperation. Nachdem im Juli 2021 die Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert worden waren, wurden sie zu den Gegenparts verschickt. Bis Anfang December hatten die Gegenparts Zeit, ihre jeweiligen Ideen hinzufügen.

Die Ausstellung in der Fondazione Arkad in Seravezza am Zugang zu den Marmorbergen ist noch bis zum 12. Februar 2022 zu sehen. Einen Eindruck von den anderen Arbeiten kann man auf den verlinkten Videos (siehe unten) bekommen.

Im folgenden Video fasst eine Künstlerin die vielen Aspekte des Projekts aus ihrer Sicht zusammen: „Ich bin nicht eifersüchtig auf meine Arbeit, also freue ich mich, wenn jemand sie verändert… Vielleicht habe ich nicht genug Spielraum gelassen, dass ein anderer Künstler etwas ändern kann… Ich habe Angst, dass ich ein gutes Werk, das bereits von einem anderen Künstler fertiggestellt wurde, ruinieren könnte… Es ist ein Spiel und ich mache da gerne mit.“

Kuratorin ist Silvia Vannacci. Die ausgewählten Künstler sind:
* von der italienischen Seite Francesca Bernardini, Lorenzo Vignoli, Flavia Robalo, Jacob Cartwright und Aurélien Boussin;
* aus Hong Kong Danny Lee Chin Fai, Yaman Chau, Ho Yuen Leung, Margaret Chu und Violet Shum.

Co-Organisatoren des Projekts sind die Gemeinde Seravezza und das Italienische Kulturinstitut von Hongkong und Macau. Unterstützung kam vom italienischen Generalkonsulat in Hongkong, der Region Toskana, der Stiftung Terre Medicee, den Provinzen Lucca und Massa Carrara sowie zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Einrichtungen.

Einige der fertigen „Fusion“-Arbeiten.Künstler bei der Arbeit an einem „Fusion“-Werk.

Arkad wurde 2002 als gemeinnützige Stiftung gegründet, die als interkulturelles Zentrum künstlerische Projekte fördern, Bildhauer bei der Realisierung von Kunstwerken unterstützen, die Kultur, insbesondere die bildende Kunst, fördern und verbreiten sowie die berufliche Ausbildung und Vermittlung von Künstlern organisieren will.

Das Hong Kong Visual Arts Centre versteht sich als offener, multidirektionaler Kunstraum, der sich auf künstlerisches Lernen, Forschung und Austausch konzentriert. Es hat seinen Sitz in einem historischen Gebäude im Hongkong-Park. Sein Kurztitel – vA!- drückt die Aufregung und Überraschung aus, die Kunst bringen kann.

Fondazione Arkad

Hong Kong Visual Arts Centre

Videos (1, 2, 3)

(25.12.2021)