Die Keramikbranche steht wegen der gestiegenen Energiepreise extrem unter Druck

Das Brennen der Keramik-Rohlinge kostet viel Energie. Foto: Confindustria Ceramica

Auch die Hersteller von Kunststeinen dürften betroffen sein, denn sie benutzen für die Herstellung Hitze und Druck

Die Keramikindustrie erlebt weltweit seit etwa einem Jahr extrem harte Zeiten, dies nicht wegen der Corona-Pandemie: die Energiekosten haben sich vervielfacht, auch sind die Kosten für CO2-Zertifikate in die Höhe geschnellt. Auch sind seit einer Weile manche Materialien knapp, etwa Karton, Paletten oder Folien für die Verpackung, was sich auch auf die Auslieferung von Fliesen auswirkt.

Eigentlich aber müsste die Lage sehr positiv sein, so dass die Vertreter der italienischen Verbände Confindustria Ceramica und Federchimica Ceramicolor bei einer Pressekonferenz im Dezember 2021 von einem „Paradox zum 1. Mal in unserer Geschichte“ sprachen: 2021 hatten sie gegenüber den Vorjahr eine (hochgerechnete) Umsatzsteigerung von satten 12% erreicht (Produktion: +25%), jedoch waren gleichzeitig die Erträge wegen der Kostensteigerungen extrem zurückgegangen.

In Spanien geht der Verband Ascer für 2021 von Umsatzsteigerungen von 20% gegenüber dem Vorjahr aus. Sein Präsident fügte aber in dramatischen Worten hinzu: „Wer die Preise nicht erhöht, ist tot.“ Auch er hat eine kuriose Situation festgestellt: „Die Branche hat es mit einer Krise nicht aufgrund von mangelnder Nachfrage, sondern von extrem gestiegenen Kosten zu tun.“

Das Problem liegt im Material: Keramikfliesen, egal welcher Sorte, müssen bei Temperaturen zwischen 900 und 1300 Grad teils mehrmals gebrannt werden, damit der Rohling aus Ton hart wird und seine Glasur bekommt. Das gibt dem Material seine unvergleichlichen Eigenschaften.

Der Präsident von Italiens Keramikverband sagte bei der Pressekonferenz, dass die Energiekosten 2021 gegenüber dem Vorjahr um 400% gestiegen seien, in Zahlen: von zuvor jährlich 250 Millionen € auf nun fast eine Milliarde €.

Die Gaspreise spielten dabei die zentrale Rolle. Jedoch gingen auch die Preise im Handel mit Emissionsrechten für CO2 hoch, und zwar von 20 bis 25 € pro Tonne auf mittlerweile 85 €.

Aus Spanien werden ähnliche Zahlen genannt.

Auch die Hersteller von Kunststeinen dürften betroffen sein. Bei der Herstellung von zum Beispiel Engineered Stone betragen die Temperaturen einige hundert Grad und das Rohmaterial muss unter Druck gesetzt werden.

Kürzlich meldete das deutschsprachige Fachmagazin 1200Grad, dass die Firma Fiandre, ein Großer unter den italienischen Keramikherstellern, wegen der Energiekosten seinen Produktionsstandort in Viano unweit von Modena geschlossen habe. Das Werk hatte eine jährliche Kapazität von 5 Millionen Quadratmetern.

Confindustria Ceramica (italienisch)

Ascer (spanisch)

1200Grad

(07.01.2022)