Peter‘s Corner: die Aussichten für die Natursteinbranche für 2022 sind gut, jedoch sollte sie in Sachen „grün“ eigene Leistungen erbringen, nicht nur von ihrem Material profitieren

Peter Becker, Chefredakteur von Stone-Ideas.com.

2021 war wie schon 2020 gut für die Natursteinbranche, und das unter anderem wegen der Corona-Pandemie: Da die Bürger nicht in Urlaub fahren oder ins Restaurant gehen konnten und auch keine Gelegenheiten hatten, ihre neuen Kleider herumzuzeigen, steckten sie ihr Geld in die Verschönerung ihres Zuhauses, vielfach mit Naturstein.

An diesem Konsum-Fokus wird sich auch 2022 vermutlich nicht viel ändern. Die Möbelindustrie und Einrichtungsbranche jedenfalls erwarten ein gutes Jahr, manche Stimmen sagen größere Ausgaben der Kunden nun für die Gärten mit den dazugehörigen Terrassen, Pools, Grillecken usw voraus.

Jedoch wird für die Natursteinbranche das Wachstum nicht grenzenlos sein, weil: es zeichnet sich mehr und mehr der Mangel an Fachkräften als Problem ab. Das wird eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre sein.

Für 2022 gilt, dass auch das Thema „grün“ weiter eine Herausforderung für die Natursteinbranche bleibt. Zu loben ist hier, dass Verbände und Firmen schon die Stärken ihres Materials wissenschaftlich in Studien herausgearbeitet haben und propagieren.

Aber das ist nicht genug.

Denn: durch die Industrieländer zieht sich ein Wind of Change – es ist das ernst gemeinte Bemühen der Firmen, zu weniger Energie- und Ressourcenverbrauch zu kommen.

Es ist ein gewaltiger Prozess in Gang gekommen, und er wird eine Zeitenwende bringen, ähnlich jenem Übergang nach 1830 von der Agrarwirtschaft zu der auf fossilen Brennstoffen basierenden Industriegesellschaft. Dampfmaschine und Eisenbahn waren damals die Stichworte.

Die Steinbranche darf den neuen Zero-Carbon Trend nicht verschlafen, sonst steht sie in 10 Jahren, wenn alle anderen Branchen ihre Materialien mit neuen „grünen“ Qualitäten anpreisen, wieder da mit einem Material, das dann als unmodern gilt.

Im Moment liegt hierbei das wichtigste Aktionsfeld für die Steinbranche im Recycling:
* sie muss Verwertungen für die Reststücke aus der Gewinnung und Verarbeitung finden. Das können schöne Kleinigkeiten sein, mit denen auch noch Geld zu verdienen, aber vor allem Marketing zu machen ist;
* sie muss Ketten der Wiederverwertung schaffen, so dass Steine, die schon einmal in Verwendung waren, nicht bloß in den Schotter wandern, sondern aufgearbeitet und wiederverwendet werden. Das wird nicht für alle Bereiche machbar sein.

Weitere Aspekte:
* das Thema „Umwelt/Klima“ muss auf den Webseiten der Firmen an prominenter Stelle erscheinen, sprich: als eigener Punkt in der Navigation. Dort sollte der Firmenchef etwas dazu sagen, denn „Grün-Sein“ ist Chefsache.
* schließlich: Die Steinbranche hat bisher zu wenig Ideen entwickelt, wie mit der Hilfe ihrer Materialien der Energieverbrauch auch beim Wohnen reduziert werden kann, nicht nur beim Bau. Ein Thema ist hier die hohe Speicherkapazität, die Stein sowohl für Wärme als auch für Kälte hat.
* zuletzt: Stein steht für Luxus, für hohe Wertigkeit – wie kann Überfluss beziehungsweise Verschwendung davon getrennt werden?

(10.01.2022)