Die saudische Architektin Sumaya Dabbagh hat mit der Gargash-Moschee in Dubai ein Gotteshaus geschaffen, das es mit vielen Traditionen bricht

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Nicht Pracht und Reichtum prägen die Räumlichkeiten für das Gespräch mit Gott, sondern das Licht mit seiner Spiritualität

Der Auftrag der Unternehmerfamilie Gargash aus Dubai an die Architektin aus Saudi-Arabien war sehr anspruchsvoll: sie sollte in Erinnerung an das verstorbene Familienoberhaupt ein „zeitgemäßes“ Gotteshaus bauen, das einen „minimalen“ Stil verwirklichte und den Menschen im Industriegebiet von Al Quoz „einen ruhigen und spirituellen Raum für das Gebet“ bringen würde.

Sumaya Dabbagh nahm die Herausforderung an, denn sie hat sich inzwischen einen Namen als erfolgreiche Architektin und als selbstbewusste Frau mit genauen Vorstellungen auch über Geschlechterrollen gemacht.

Anders aber als Gotteshäuser nicht nur im Islam, die sich üblicherweise der Pracht verschrieben haben, um damit Gott zu preisen, stellte die Architektin den Geist des Gebets in den Vordergrund: Sie versteht das Gespräch mit Gott als einen Akt der Versenkung in die spirituelle Welt, möglich gemacht durch eine gezielte Loslösung vom Alltag und von den Dingen.

Der Weg der Annäherung an das Spirituelle ist im Islam genau definiert: er umfasst verschiedene Stationen der Vorbereitung und Waschung, und diesen folgt auch den Weg der Gläubigen durch die Gargash Moschee (ausgeschrieben: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash).

Die Rolle des Wegbegleiters und Führers dabei hat Sumaya Dabbagt dem natürlichen Licht übertragen. Sie will damit „das Gefühl von Spiritualität stärken, die Verbindung zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen“, wie sie es in ihren Presseunterlagen formuliert.

Von Raum zu Raum gibt es dabei Variationen im Licht. Erreicht wird das durch die vielfältigen Öffnungen, durch die es in die Räume hineinfällt: zum Beispiel gibt es überall die markanten Dreiecke als Durchlässe in den Wänden; die Bethalle hat schmale Öffnungen an den Seiten; der Mihrab, der Gebetsnische in Richtung Mekka, empfängt eine strahlende Helligkeit durch einen Lichtschacht von der Decke; schließlich die perforierte Kuppel.

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Wer den Islam kennt, merkt, wie sehr diese Architektur es mit den Traditionen gebrochen hat. Zum Beispiel ist der Mihrab normalerweise der Ort für den Imam.

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Auch ein separat platziertes Minarett ist nicht das, was man von einer Moschee kennt.

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Und auch die Dreiecke, die die Außenseiten der Wände auch gestalten, haben nicht mehr viel mit der bekannten Begeisterung der islamischen Kunst für die Vielfalt der Geometrie zu tun. Sie sind einfach nur einzelne Dreiecke und ergänzen sich nicht zu anderen, neuen Strukturen.

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Einzig die Kalligraphie als Umsetzung der Schrift in Linien darf sich ausleben. Dies in den vergoldeten Schriftzeichen rund um den Mihrab und in einer hohen Zeile an den Außenwänden rund um den Betsaal. Es handelt sich um die Sure „Der Barmherzige“.

Herauszuheben ist, dass inmitten des umtriebigen Industriegebiets und direkt an einer viel befahrenen Hauptstraße gelegen, es im Inneren der Mosche zwar ruhig ist, aber dennoch so etwas wie Bewegung herrscht: das Sonnenlicht wandert über die Wände. Das wiederum soll die Gläubigen in den Rhythmus der Zeit integrieren, die im Islam durch vorgeschriebene Gebete zur Morgendämmerung, zu Mittag, am Nachmittag, zum Sonnenuntergang und am Abend strukturiert ist.

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Die Gebäude der Moschee sind in 2 Teile geteilt: einen mit der Bethalle für insgesamt 1000 Männer beziehungsweise Frauen, und einen kleineren mit den Stationen der Reinigung sowie den Wohnräumen für den Imam und für den Moazen, der die Gebetszeiten ausruft.

Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.Sumaya Dabbagh: Mosque of the Late Mohamed Abdulkhaliq Gargash.

Ein offener Korridor unter einem perforierten Dach verbindet die beiden Teile.

Die Moschee war von den Auftraggebern auch gedacht als Geschenk an die Einwohner [community] von Al Quoz. Sumaya Dabbagh versucht generell, Bezüge zum Standort in ihren Bauten zu verwirklichen. Hier sind es die Materialien: für die Verkleidung der Außenfassaden wählte sie hellen Kalkstein aus Oman. Die Keramiken kamen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen auch Dubai gehört, ebenso das weitere Material wie Beton und Metall oder wie Holz.

Sumaya Dabbagh absolvierte ein Architekturstudium an der Universität von Bath in England und arbeitete danach in London und Paris. „Ihre Rückkehr in die Golfregion im Jahr 1993 war Teil einer Suche nach einem tieferen Verständnis ihrer eigenen Identität, einer einzigartigen Mischung aus Einflüssen und Sensibilität gegenüber westlichen und nahöstlichen Kulturen“, wie sie über sich selbst schreibt.

„Durch ihre Arbeit im Bereich Architektur und Design in der Golfregion will Sumaya kulturelle und geschlechtsspezifische Unterschiede überbrücken und Stereotypen und einschränkende Vorstellungen über Saudi-Arabien, die Golfregion und arabische Frauen durchbrechen,“ heißt es weiter. Und: „Sumaya ist eine der wenigen saudischen Architektinnen ihrer Generation und gehört zu einer Handvoll Architektinnen, die ihr eigenes Büro in der Golfregion führen.“

Eines ihrer aktuellen Großprojekte ist das Al Ain Museum in Saudi-Arabien, dessen Fertigstellung für 2023 geplant ist. Ihr Entwurf für das Mleiha Archaeological Centre im Emirat Sharjah war 2018 für einen der Aga Khan Preise für Architektur nominiert worden und hatte 2020 einen der Architecture Master Prizes gewonnen.

Dabbagh Architects

Fotos: Gerry O’Leary

Mehr Fotos: The National News UAE

Video by Intelier

(14.01.2022)