Der US-Bildhauer Michael Yeaman erzählt mit seiner Kunst von seiner Faszination an den Steinen und an der Wissenschaft, die dazugehört

„Erratic Fire“, Eastern WA Fire Obsidian.

Meist kreiert er nur einfache Formen, damit die Strukturen und Farben des Materials voll zur Geltung kommen

Seine Begeisterung für die Wissenschaft ist immer noch groß, und so findet man auf der Webpage von Bildhauer Michael Yeaman kurze Informationen zur Geologie oder Petrologie jener Steine, die er für seine Skulpturen ausgewählt hat. Diese Angaben, die für manche Besucher bloß Hintergrundinformationen sind, werden durch die Kunstwerke aber voll ins Bühnenlicht gerückt.

Dabei nimmt er sich als Künstler eigentlich eher zurück: die Formen, die er seinen Arbeiten gibt, sind im Regelfall einfach.

Es geht ihm vor allem um die Farben und Strukturen in den Steinen, die oft als Gemälde der Natur bezeichnet wurden.

Was wiederum bedeutet, dass Michael Yeamans Kunstwerke ihm harte körperliche Arbeit abverlangen. Solche Sorten sind nämlich im Regelfall hart bis sehr hart.

„Platonic Remnant #1“.

Entsprechend greift er auf Werkzeuge mit elektrischem oder hydraulischem Antrieb zurück, und setzt nur selten Hammer und Meißel ein.

Dennoch bleibt die Hand-Arbeit am Stein ein wichtiger Bestandteil seiner Kreationen, denn erst die aufgewendete Kraft erkläre ihm das Material, wie er es formuliert: „Wenn ich mit dem Polieren fertig bin, verstehe ich ein gutes Teil über die Entstehung dieses Steines und seinen Werdegang.“

„Hepworth Homage“, China, Chrysantemum Stone. Alter: Perm, ca 270 Millionen Jahre.

Geologen können stundenlang darüber reden, wie sich Kristallgitter, Minerale und insofern auch die Steine selbst ändern, wenn sich im Erdmantel in unterschiedlichen Tiefen Bedingungen wie Druck oder Hitze ändern.

„Ich war schon in frühen Jahren an der Wissenschaft interessiert“. Er stamme aus einfachen Verhältnissen und sei der erste in der Familie gewesen, der aufs College geschickt wurde.

„Paleozoic Facets #1“, Southern Manitoba. Muschelkalk. Alter: Mississippium, ca 340 Millionen Jahre.

Das war dann gleich die renommierte Standford University, wo er sich für Astrophysik interessierte, dann aber zur Geophysik wechselte, weil es dort „ein viel breiteres Spektrum an Themen (Physik, Geologie, Paläontologie, Chemie usw.) und gute Karrierechancen“ gab, wie er schreibt.

Die meiste Zeit seines Berufslebens war er als Wissenschaftler und Führungskraft in einem internationalen Unternehmen der Energiebranche tätig.

Links: „Platonic Column ‚1“, Columbia River Basalt. Rechts: „Silurain Form #2“, SE, Alaska, polymiktisches Konglomerat.

Was hat ihn in die Kunst verschlagen? mussten wir da fragen.

Da hat er widersprochen: „Ich bin nie von der Wissenschaft zur Kunst gewechselt, sondern habe mit zunehmendem Alter eine wachsende Wertschätzung für Kunst und Design entwickelt.“ Und er fügt hinzu: „Ich interessiere mich nach wie vor sehr für Geologie und biete geologische Exkursionen für lokale Wohltätigkeitsorganisationen an.“

„Space, Matter and Time“.

Er habe schon während der Berufsjahre sich viel mit Bildhauerei, Architektur und Design beschäftigt und dann 2005 angefangen, mit Stein und den Werkzeugen der Bildhauer zu arbeiten. Die Kurse und die Symposien der Northwest Stone Sculptors Association (NWSSA) hätten dabei eine wichtige Rolle gespielt.

Inzwischen hat er etwa 85 Arbeiten fertiggestellt und rund 2 Drittel davon verkauft.

Einige davon waren Ausflüge in die Welt des Produktdesign, etwa die Tischlampe aus Alabaster („Cored alabaster tube with LED“), die er zum Internationalen Jahr des Lichts der UN 2015 schuf.

Anfangs brachte er auch gerne mehrere Steinsorten zu einem Werk zusammen. Zum Beispiel in „Space, Matter and Time“ als sein Kommentar zur Science Fiction von Isaac Asimov.

„Alternate Design for Lenin’s Tomb“, verschiedene Fundorte, verschiedene Alter. Travertin, schwarzer Granit, Stahl und Labradorit.

Oder „Alternate Design for Lenin’s Tomb“ als Replik auf den russischen Konstruktivismus.

Heute belässt er es aber eher bei einer Sorte pro Werk, der dann aber, wie oben gesagt, die jeweilige Bühne ganz alleine gehört.

Und warum sieht man ihn auf einigen Fotos mit schottischem Kilt?

Yeaman sei tatsächlich ein schottischer Name, antwortet er, aber in seiner Familie habe nicht er, sondern seine Ehefrau diesen familiären Hintergrund. „Aber ich liebe Schottland, und ich kann immer noch den Kilt tragen,“ hören wir ihn an der Tastatur über sich selbst schmunzeln.

Michael E. Yeaman

Northwest Stone Sculptors Association (NWSSA)

Fotos: Michael E. Yeaman

Michael Yeaman, mit “Cretaceous Foms #1, #2“, British Colombia, polymiktisches Konglomerat aus der Eiszeit.

(18.01.2022)