Die Ausrichtung der Kofun-Kaisergräber spiegelt das Selbstverständnis der japanischen Kaiser als Nachkommen der Sonnengöttin Amaterasu wider

Luftaufnahme der so genannten Mozu-Furuichi Kofuns  auf einem Plateau oberhalb von Osaka. Foto: Sakai City Government / Unesco World Heritage List

Wissenschaftler nutzten hochauflösende Satellitenbilder, um die Denkmale aus dem 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. besser zu verstehen

Ein Kofun ist ein Grab oder Grabhügel in Japan, manchmal geformt wie ein Schlüsselloch, manchmal von einem Wassergraben umgeben. Im Inneren haben manche eine große steinerne Grabkammer, Steinpflaster und Tonfiguren. Eine Forschungsgruppe am Politecnico di Milano hat anhand von Satellitenbildern diese beeindruckenden Überreste aus der Kofun-Zeit von etwa 300 bis 538 n. Chr untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gräber auf den Bogen der aufgehenden Sonne ausgerichtet sind, der Göttin Amaterasu, die die japanischen Kaiser mit dem mythischen Ursprung ihrer Dynastie in Verbindung bringen.

Die japanischen Inseln sind mit Tausenden dieser Grabhügel übersät. Die imposantesten werden den halblegendären ersten Kaisern zugeschrieben, während die kleineren wahrscheinlich Hofbeamten und Mitgliedern der königlichen Familie gehören. Das sogenannte Daisen Kofun eine der größten Grabstätten, das jemals auf der Erde gebaut wurden: Es misst 486 m Länge und etwa 36 m Höhe. Es wird traditionell Kaiser Nintoku, dem 16. Kaiser von Japan, zugeschrieben. Es gehört zu einer Gruppe von Gräbern, die kürzlich in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Es gibt keine schriftlichen Quellen zu den Kofun, und Ausgrabungen sind selten und auf die kleineren beschränkt, da die größten als Gräber der ersten legendären Kaiser gelten und als solche streng gesetzlich geschützt sind. Aus diesen Gründen ist es unmöglich, genaue Messungen von Größe, Höhe und Ausrichtung zu erhalten.

Ein kleineres Kofun. Foto: alisa_1988_08 / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Jetzt haben haben Norma Baratta, Arianna Picotti und Giulio Magli vom Politecnico di Milano hochauflösende Satellitenbilder für Untersuchungen eingesetzt. Solche Aufnahmen sind sehr leistungsfähige Werkzeuge der Fernerkundung. Ziel der Wissenschaftler war es, mehr zu erfahren über die Beziehung dieser faszinierenden Monumente zur Landschaft und insbesondere zum Himmel darüber. Das Team maß die Orientierung von mehr als 100 Kofuns und kam zu interessanten Schlussfolgerungen.

Die soeben in der Fachzeitschrift „Remote Sensing“ veröffentlichten Ergebnisse zeigen die Ausrichtung der größten Kofuns zum Bogen der aufgehende Sonne. Insbesondere ist der Daisen Kofun auf den Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende ausgerichtet.

Diese Ausrichtung ist kein Zufall, sondern steht in voller Übereinstimmung mit der japanischen imperialen Tradition. Tatsächlich sind die Kaiser laut der Mythologie direkte Nachkommen der Sonnengöttin Amaterasu.

Remote Sensing

Liste des Unesco-Weltkulturerbes

Quelle: Politecnico di Milano

(25.01.2022)