Eine Umfrage der Stone+tec in Nürnberg (22. bis 25. Juni 2022) zeigt ein optimistisches Geschäftsklima in der deutschen Natursteinbranche

Wie in den Vorjahren wird auch die Stone+tec 2022 die Trends und Innovation der Branche zeigen.

Die große Branchenschau in Nürnberg zeigt Trends und Innovationen in den Bereichen Bau/Innenausbau, Ausrüstung für Profis, Grabmal sowie Denkmal

Von Richard Watzke

Erfreulich für alle in der Natursteinbranche aktiven Unternehmen ist das gute Geschäftsklima. Der Trend zum nachhaltigen Bauen begünstigt die Nachfrage nach umweltfreundlichen Baustoffen wie Naturstein. Hermann Graser, DNV-Präsident und Geschäftsführer der Bamberger Natursteinwerk Hermann Graser GmbH, bestätigt diese Entwicklung: „Nachdem die Themen Nachhaltigkeit, Regionalität sowie Umwelt- und Klimaschutz so aktuell wie noch nie sind und der Bedarf an nachhaltigen Baustoffen immer mehr das deutsche sowie das europäische Bauwesen prägt, sind aus meiner Sicht für das Bauen mit Naturstein keine Grenzen gesetzt.“

Entscheidend für eine vorteilhafte Energiebilanz ist eine Fokussierung auf Naturstein aus regionalem Abbau. Denn für alle Baustoffe gilt: je kürzer der Transportweg, desto geringer die CO2-Emisson.

Besonders der Privatsektor sorgt für einen hohen Auftragsstand. Entsprechend stark ist auch der Bedarf an Klebern und Verlegemörteln, schildern die Hersteller von bauchemischen Produkten in der Stone+tec-Umfrage: „Aus dem bestehenden Produktsortiment fällt die Wahl vorwiegend auf schnell erhärtende und schnell trocknende Natursteinmörtel, die eine Verlegung von gering verfärbungs- und verformungssensiblen Naturwerksteinen ermöglicht,“ erklärt Marcus Winkler, Leiter der Anwendungstechnik der Mapei GmbH. Bei der Lithofin AG wurden im letzten Jahr Reinigungsprodukte für den Außenbereich stark nachgefragt, was den Trend zum „Wohnzimmer im Grünen“ unterstreicht. Auch im Bereich der Pflegeprodukte, wie zum Beispiel Lithofin MN Easy-Clean, wurden Zuwächse erzielt, erklärt Geschäftsführer Garvin Stingel.

Dr. Dirk Hamann, Geschäftsführer der Akemi chemisch technische Spezialfabrik GmbH, beurteilt die Baubranche als stabilisierenden Faktor der deutschen Volkswirtschaft: „Viele Menschen haben in den Neu- oder Umbau von Immobilien investiert. Wir konnten ein Mengenwachstum von ca. 15% im Steinbereich verzeichnen. Im Trend liegen auch Investitionen im Garten, wie Schwimmbäder und Außenküchen, bei denen Naturstein verwendet wird.“

Steinmetze: Investitionen in Maschinen und Werkzeuge

Um den hohen Auftragsbestand sicher und wirtschaftlich bewältigen zu können, nutzen immer mehr Steinmetzbetriebe modernste Produktionstechnik. Innovative Bearbeitungs-maschinen, Werkzeuge, Geräte und Hilfsmittel für unterschiedliche Unternehmensgrößen werden daher ein vielbeachteter Schwerpunkt der Messe sein. Besonders der Trend zur Automatisierung sorgt für eine hohe Investitionsbereitschaft, erklärt Sven Wappler, Geschäftsführer der CMS-Steintechnik GmbH: „In meiner 26-jährigen Erfahrung im Maschinenvertrieb wurde noch nie mehr investiert als in den letzten beiden Jahren. Ein Ende oder eine Veränderung sind derzeit nicht in Sicht. So dynamisch, wie das Jahr 2021 geendet hat, hat auch 2022 begonnen.“

Wie in den Vorjahren wird auch die Stone+tec 2022 die Trends und Innovation der Branche zeigen.

Anwender legen laut Sven Wappler besonderen Wert auf Qualität und Service. Kunden sind hierbei besonders sensibel und wollen bei einer Investition alles richtig machen. Erfreulich für die Maschinenhersteller ist, dass Kunden bereit sind, hohe Qualität auch entsprechend zu honorieren.

Bei der GMM Steinbearbeitungsmaschinen GmbH führen volle Auftragsbücher der Kunden, der Fachkräftemangel und gestiegene Anforderungen an die Qualität des Endprodukts zu einer hohen Investitionsbereitschaft, erklärt Geschäftsführer René Houdelet. Drehkopfsägen, Wasserstrahlanlagen und Kanten-schleifmaschinen sind die derzeit gefragtesten Maschinen bei GMM. In geringeren Stückzahlen werden auch Drehtisch-Brückensägen und Flächenbearbeitungsmaschinen angefragt.

Eine hohe Produktivität und Qualität gilt auch bei den Werkzeugen als Grundvoraussetzung für die Anwender. Gemäß Dirk Büttner, Geschäftsführer der Diabü Diamantwerkzeuge Heinz Büttner GmbH, liegt in allen Werkzeugbereichen der Schwerpunkt auf optimaler Produktivität: „Unsere Kunden fahren eine hohe Auslastung und benötigen bestmögliche Zerspanungsraten in hoher Präzision. Dies müssen wir kontinuierlich gewährleisten.“
Der persönliche Austausch mit Kunden und Anwendern ist für Dirk Büttner sehr wichtig: „Anwendungsempfehlungen gehen fast nur vor Ort. Unsere Techniker und Ingenieure müssen ein Gefühl für den spezifischen Prozess beim Kunden entwickeln, damit sie gezielt Einsatzempfehlungen aussprechen können.“

Grabmale: Der Trend geht zur heimischer Fertigung

Im Bereich der Grabmalproduzenten wird sich auf der Stone+tec ein klarer Trend zu verstärkter Eigenfertigung widerspiegeln, schildert Jörg Knell, Geschäftsführer der Steinwerk Tringenstein GmbH: „Bedingt durch unkalkulierbare Lieferzeiten und extrem gestiegene Transportkosten kommt es zu einer Wiederbelebung der deutschen Fertigung. Zudem ist die Lücke zwischen Import- und Eigenproduktionskosten kleiner geworden, was uns als heimischer Produzent in die Karten spielt.“ Als Gestaltungstrends für die Stone+tec 2022 nennt Jörg Knell neuartige Materialkombinationen und Oberflächenbearbeitungen, aber auch eine Weiterentwicklung der erfolgreichen Memento-Serie.

Wie in den Vorjahren wird auch die Stone+tec 2022 die Trends und Innovation der Branche zeigen.

Susanne Böse von der Natursteinwerk Max Böse GmbH betont ebenfalls den Trend zur Eigenproduktion: „Insbesondere seit 2020 ist die weltweite Logistik durch Lieferverzögerungen und immense Preissteigerungen in der Krise. Die Produktionsstätten im Ausland liefern – ausgelöst durch die Corona-Pandemie – nur mit Verzögerungen. Wir sind aber sehr froh darüber, dass wir unseren Kunden den Service einer eigenen deutschen Produktion bieten können.“ Für Susanne Böse besitzt das persönliche Kundengespräch große Bedeutung: Nur so lassen sich die Bedürfnisse der Kunden richtig ermitteln und nur im persönlichen Kontakt sind gute Beratung und guter Service möglich.

Heinz Plein, Geschäftsführer der Kunstgießerei Plein GmbH, stellt seitens der Kunden den Wunsch nach immer individuellerem Grabschmuck fest: „Uns als produzierendem Unternehmen kommt das natürlich sehr entgegen. Ein wichtiger Trend ist die steigende Nachfrage nach Grabschmuck aus Edelstahl. Das Unternehmen hat als Reaktion darauf 2022 erstmals einen Katalog mit einem erweiterten Edelstahl-Sortiment aufgelegt. Wie die übrigen Aussteller freut sich auch Heinz Plein darauf, im Rahmen der Stone+tec Kunden endlich wieder persönlich zu treffen: „Telefonate und E-Mails können das direkte Gespräch zum Glück nie ganz ersetzen.“

Günter Czasny, stellvertretender Geschäftsführer der Kunstgießerei Ernst Strassacker GmbH & Co. KG, beobachtet einen stabilen, sogar leicht wachsenden Markt für Grabschmuck und Zubehör: „Das Grabschmuck-Design ist klar, ehrlich und schnörkellos. Materialechtheit und Authentizität stehen in der Gunst der Kunden ganz oben. Die Werkstoff-Charakteristik von Bronze oder Edelstahl wird daher sichtbar und spürbar belassen.“

In der Messe sieht Günter Czasny die wichtigste Inspirationsplattform, um nicht nur die Unternehmen, sondern auch die Branche und ihre Märkte weiterzuentwickeln: „Eine Messe dient nicht mehr primär dem Verkauf, sondern der Inspiration. Wo sonst als auf einer Messe findet man eine solche Vielzahl von Anregungen. Ich bezeichne eine Messe als Inspirations- und Innovations-Feuerwerk. Ob Bau, Innenausbau oder Friedhof – die Messe dient der gemeinschaftlichen Weiterentwicklung unserer gesamten Branche. Daher sind eine Teilnahme und ein Besuch ein absolutes Muss.“

Die Stone+tec findet vom 22. bis 25. Juni 2022 auf dem Gelände der Messe Nürnberg statt und gliedert sich in die drei Angebotsbereiche „Bauen mit Naturstein“, „Ausrüstung für Profis“ und „Ort der Erinnerung“. Sie richtet sich an alle Stein-Bearbeiter aus Bau, Friedhof, Denkmal und Gestaltung sowie an Bauträger, Planer und Architekten. Zusätzlich wird sie von einem Congress begleitet, der die Möglichkeit zur fachlichen Weiterbildung bietet.

Neuheiten der Branche sind in der Innovation Area zu sehen.

Veranstalter ist die AFAG Messen und Ausstellungen GmbH, die zu den erfolgreichsten privaten Messeveranstaltern Deutschlands zählt. Seit 1947 operiert sie von Nürnberg und seit 1991 auch von Augsburg aus. Das Portfolio umfasst derzeit 20 Veranstaltungen. Dazu gehören sowohl internationale Fachmessen als auch überregionale Publikumsmessen sowie Special-Interest-Messen, Kongresse, Events und Showveranstaltungen.

Stone+tec

AFAG Messen und Ausstellungen GmbH

Fotos: Stone+tec

(17.02.2022)