Ausstellung mit Arbeiten des italienischen Künstlers Jago noch bis zum 03. Juli 2022 im Palazzo Bonaparte in Rom

„Look-Down“ von Jago. Foto mit freundlicher Erlaubnis von <a href=" https://www.marmomacchine.it/"target="_blank">Marmomacchine magazine</a>

Der Bildhauer arbeitet mit weißem Marmor und betrachtet seine Themen aus ungewöhnlicher Perspektive

Der Italiener Jago ist ein junger Star unter den Marmorbildhauern. Seine Arbeiten sind manchmal provozierend, manchmal feinsinnig, immer aber behandeln sie das jeweilige Thema aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Der Palazzo Bonaparte in Rom zeigt noch bis zum 03. Juli 2022 ein Dutzend von seinen aktuellen Arbeiten. Besonderheit dabei: der Künstler selbst wird im Museum an einer Großplastik arbeiten.

Im November 2020, mitten in der Corona-Pandemie, fanden die Bürger von Jagos Wahlheimat Neapel eines morgens auf dem Pflaster der Piazza del Plebiscito die Skulptur eines angeketteten Babys aus weißem Marmor. „Look Down“ war der Titel der Arbeit – eine Verballhornung des Begriffs „Lockdown“, gemeint als Vorhersage, das die Schwächsten der Gesellschaft am stärksten von der Pandemie betroffen sein würden. Die Arbeit ist inzwischen in der Wüste Al Haniya im Emirat Fujairah aufgestellt.

Zahlreiche von Jagos Arbeiten drehen sich um religiöse Themen, etwa die beiden Arbeiten zu Papst Benedikt XVI: das erste Werk zeigt eine Büste des Kirchenoberhaupts im Hermelinmantel und im Gebet, orientiert an Adolfo Wildts Porträt von Papst Pius XI. Gezeigt wurde die Arbeit 2011 in italienischen Pavillon auf der Biennale in Venedig und ein Jahr später mit der Pontifikatsmedaille ausgezeichnet. Nachdem Benedikt zurückgetreten war, nahm sich Jago das Werk noch einmal vor und schälte die Skulptur bis auf den nackten Oberkörper eines alten Mannes herunter. „Habeamus Hominem“ (Wir haben einen Menschen) nannte er nun die Arbeit: der Künstler zeigte den Stellvertreter Gottes, der wieder zu einem Menschen geworden war.

Jago: „Il Figlio Velato“ (Ausschnitt). Foto: Matteo Sacher / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

In der Ausstellung zu sehen ist auch „Il Figlio Velato“ (Der verschleierte Sohn). Vorbild war die Figur des Christus von Giuseppe Sanmartino als Sinnbild der Tragödie und des unendlichen Schmerzes. Jago schuf die Arbeit 2019 in New York und ließ sie in einer Kirche in Neapel als Kommentar zur den Grausamkeiten der Gegenwart aufstellen. Hier verwendete er einen Block Danby Marmor aus Vermont anstelle des üblichen Steins aus Carrara.

Das Knowhow für die Arbeit am Stein habe er sich selbst beigebracht, wird er zitiert. Das Studium an der Akademie der Künste in seiner Heimatstadt Frosinone brach er ohne Abschluss ab. Seit seiner 1. Einzelausstellung 2016 hat er in Italien, China, den USA und den Emiraten gelebt und gearbeitet. Auf der Marmomacc wurde er 2017 mit dem Preis „Master of Stone“ ausgezeichnet.

Mit bürgerlichem Namen heißt er Jacopo Cardillo. Ein Markenzeichen seiner Arbeitsweise ist, dass er die Entstehung eines Werkes dokumentiert und in filmischer Inszenierung Videos im Netz zugänglich macht.

Palazzo Bonaparte (italienisch)

Jago

(24.03.2022)