Peter’s Corner: wie wirken heutzutage Steinbruchfotos auf die Zielgruppe aus Architektur und Innenarchitektur – werden die Bilder als Nutzung der Natur interpretiert oder eher als Zerstörung?

Peter Becker, Chefredakteur von Stone-Ideas.com

Die italienische Firma Salvatori, bekannt für innovative Ideen für Alltagsprodukte aus Naturstein und immer am Ball bei Trends, hat in einer Mail vom März dieses Jahres die Rolle von 4 bekannten Frauen für das weltweite Design herausgestellt.

Das ist für uns Gelegenheit, mal wieder auf ein Thema zu schauen, mit dem wir uns schon häufiger beschäftigt hatten: Frauen und Naturstein. Dabei geht es diesmal nicht nur Chancengleichheit, also um ihren Zugang auch zu diesem Bereich der Wirtschaft, sondern um Marketing für die Branche: Bekannt ist, dass die Zahl der Frauen sowohl in der Architektur als auch in der Innenarchitektur sehr hoch ist.

Wie spricht die Steinbranche die (weibliche) Zielgruppe an?

Man kann konstatieren, dass sich in der Branche in den letzten Jahren hier viel getan hat. Nur 2 Beispiele: Beim Natural Stone Institute gibt es die Initiative „Women in Stone“, die den weiblichen Blick in die Vermarktung von Stein einbringt; in Italien hat die Gruppe „Donne del Marmo“ auf der Marmomac üblicherweise einen Preis vergeben.

Allerdings dominiert bei den Webpages mancher Firmen immer noch der Blick aus dem Sandkasten auf die Berge: man zeigt am liebsten große Maschinen, mit denen man als Kind gerne gespielt hätte, und gerne auch Szenen, wo zum Beispiel eine Felswand krachend mit Dynamit zerlegt wird.

Fraglich ist, ob solche Bilder den weiblichen Teil der Zielgruppe ansprechen, und auch: ob sie überhaupt bei den männlichen Architekten ankommen. Gleiches gilt für die Luftaufnahmen, die einen in Terrassen zerlegten Berg zeigen.

Ehemals wurden solche Bilder als Zeichen von Modernität und Herrschaft über die Natur verstanden – inzwischen aber hat sich die Welt weitergedreht und die Symbole haben sich gewandelt. Ein drastisches Beispiel sind rauchende Schlote: Sie haben kein positives Image mehr, sondern stehen für Umweltzerstörung und neuerdings auch für Klimakatastrophe. Übrigens spielt bei solchen Motiven überhaupt keine Rolle, ob aus den Schornsteinen wirklich Qualm von Verbrennung kommt oder ob es nur Wasserdampf ist.

Zurück zu den Steinbrüchen. Ganz sicher positiv ist der Eindruck hingegen, den die Gäste bei einem Live-Besuch im Bruch vom Naturstein und von der Branche bekommen. Wir zitieren einen Steinbruchbetreiber, der sagt: „Wenn ich die Leute im Bruch habe, verkaufe ich meine Steine.“

Live vor Ort ist der Steinbruch immer faszinierend, egal ob aufgelassen oder in Betrieb.

Für bloße Steinbruchbilder aber, die in den Medien oder im Internet veröffentlich werden, gilt:
* Fotos wirken nur dann, wenn sie den Steinbruch als eine außergewöhnliche Landschaftsgeometrie zeigen. Terrassen mit herumstehenden Blöcken oder geparkten Radladern bilden nur eine verschandelte Welt ab;
* statt eine ausgeräumte Landschaft zu präsentieren, sollte man man lieber das Leben in ihr zeigen, also die Lebenszonen sowohl in aufgelassenen als auch in aktiven Brüchen, wo sich bedrohte Tiere und Pflanzen angesiedelt haben;
* Rohblöcke sprechen niemand an als die Steinfirmen selbst. Viel besser wirkt Naturstein in der Anwendung, also an Fassaden, auf Böden, in Arbeitsplatten, in Skulpturen, wo er seine Ästhetik entfalten kann.

(11.04.2022)