Eine Ausstellung im Met Museum in New York City rund um die Marmorbüste „Why Born Enslaved!“ (1868) des französischen Bildhauers Jean-Baptiste Carpeaux befasst sich mit der frühen amerikanischen Emanzipation

“Why Born Enslaved!“, Jean-Baptiste Carpeaux (1868). Fotoquelle: Met Museum / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Die Ausstellung „Fictions of Emancipation: Carpeaux Recast“ (Fiktionen der Emanzipation: Carpeaux in Neufassung) ist die erste Schau im Met Museum, die westliche Skulpturen im Zusammenhang mit der Geschichte der transatlantischen Sklaverei, des Kolonialismus und des Imperiums untersucht. Im Mittelpunkt der Schau steht die Büste „Why Born Enslaved!“ (Warum als Sklave geboren!) des französischen Bildhauers Jean-Baptiste Carpeaux aus dem Jahr 1868. Die weiße Marmorskulptur wurde im Zuge der amerikanischen Emanzipation und etwa 20 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in den französischen Atlantikkolonien geschaffen. Sie ist geprägt von der Antisklaverei-Symbolik und der Entwicklung der ethnografischen Theorien des 19. Jahrhunderts.

Die Ausstellung noch bis zum 05. März 2023 in der Met Fifth Avenue untersucht die Bedeutung von Carpeaux‘ Skulpturen in diesem Kontext. Mehr als 35 Werke aus den Beständen des Met und aus Sammlungen in Europa und den Vereinigten Staaten bieten einen eingehenden Blick auf die Darstellung der Versklavung, der Emanzipation und der Persönlichkeit der Schwarzen. Sie stellen die Frage, ob die Darstellungsweise nach der Abschaffung der Sklaverei eine eindeutige moralische oder politische Haltung hatte.

Für „Why Born Enslaved!“ griff Carpeaux auf klassische Archetypen der gefangenen Figur zurück. Während die widerständige Pose, der trotzige Gesichtsausdruck und die begleitende Inschrift seit langem als Ausdruck einer starken Anti-Sklaverei-Botschaft interpretiert werden, visualisiert Carpeaux‘ Büste auch seit langem bestehende europäische Fantasien über den Besitz und die Herrschaft über die Körper der Schwarzen. Eine Sektion der Ausstellung legt den kreativen Prozess des Künstlers offen und zeigt, wie er anhand einer Reihe seiner Ton- und Bleistiftskizzen von knienden und gefesselten Figuren zur endgültigen Komposition kam.

Die Ausstellung zeigt hauptsächlich Skulpturen, die um das 19. Jahrhundert herum entstanden sind, umfasst aber auch Gemälde, Keramiken, Arbeiten auf Papier und zwei zeitgenössische Werke.

Fictions of Emancipation: Carpeaux Recast“, im Met Fifth Avenue, Wrightsman Exhibition Gallery, Gallery 521, Floor 1, bis 05. März 2023

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(05.05.2022)