Gegen die Modetrends zur Zeit von Christi Geburt: Herodes badete in einer Wanne aus heimischem Alabaster, nicht aus Ägypten, obwohl das Land am Nil für Luxus und feine Lebensart stand

Die Badewanne des Herodes, gefunden in der Festung von Kypros. Quelle: Prof. Amos Frumkin, The Hebrew University of Jerusalem

Herodes der Große herrschte in Israel als König von den Gnaden Roms und taucht in der Bibel als Befehlsgeber für den Kindermord in Bethlehem auf. Er schätzte den Luxus und verwendete für seine Paläste und Bauten nur die feinsten Materialien, das berichtet der Geschichtsschreiber Flavius Josephus, der als verlässlich gilt. So kam es, dass sich bislang die Wissenschaftler einig waren, dass die beiden Alabaster-Badewannen aus Herodes‘ Palast in Herodium und aus der Festung Kyros aus ägyptischem Stein hergestellt sein mussten – das Land am Nil galt damals als exklusive Quelle für diesen harten Kalzit-Alabaster, und die dortigen Handwerker hatten den Ruf, die besten im ganzen römischen Reich zu sein.

Heute würde man formulieren: Design aus Ägypten galt als das Feinste, was zu bekommen war.

Neue Untersuchungen aber haben ein überraschendes Ergebnis gebracht: die Wannen sind aus Stein aus unterirdischen Brüchen in Israel gefertigt, und es waren Steinmetze von dort, die ihnen die Form gaben.

Eine Gruppe von Forschern von der Bar-Ilan University und der Hebrew University of Jerusalem untersuchte dafür den Stein mit vier neuen Analysemethoden, die zuvor für solche Zwecke nicht eingesetzt worden waren (ICP-Analyse (induktiv gekoppeltes Plasma), routinemäßige Infrarot-Spektroskopie (IR), 1H- und 31P-Festkörper-NMR-Experimente (ssNMR) und Analyse des C- und O-Stabilisotopenverhältnisses).

So erlaubten die neuen Methoden auch, die Herkunft des verwendeten Alabasters präzise festzustellen. Dabei geriet ein unterirdischer Steinbruch in der Höhle von Te’omim westlich von Jerusalem nahe der heutigen Stadt Beit Shemesh in den Blick der Forscher. Hier war der Kalzit-Alabaster für Herodes‘ Badewannen gewonnen worden.

Antiker Steinbruch in der Höhle von Te’omim westlich von Jerusalem nahe der heutigen Stadt Beit Shemesh. Quelle: Ayala Amir, Bar-Ilan University

„Der multidisziplinäre Ansatz dieser Studie liefert Informationen sowohl über die Zusammensetzung als auch über die kristalline Struktur von Kalzit-Alabaster und ist für die Interpretation archäologischer Funde von großer Bedeutung“, so Forscherin Ayala Amir, „die Kombination von Analysemethoden mit archäologischen Studien kann neue und faszinierende Informationen liefern, die mit traditionellen archäologischen Techniken nicht zu gewinnen wären.“

Schlussfolgerung: „Die Alabaster-Branche in Judäa war in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts v. Chr. ausreichend entwickelt und qualitativ hochwertig genug, um den luxuriösen Ansprüchen von Herodes, einem der besten Baumeister unter den Königen jener Zeit, zu genügen”, so Prof. Aren Maeir.

Die Forschungen wurden im Rahmen von Ayala Amirs Abschlussarbeit am Martin (Szusz) Department of Land of Israel Studies and Archaeology an der Bar-Ilan Universität in Israel unter der Leitung von Prof. Boaz Zissu und Prof. Aren M. Maeir von der Bar-Ilan Universität sowie Prof. Amos Frumkin von der Hebräischen Universität Jerusalem durchgeführt.

Veröffentlichung der Bar-Ilan University

Nature Scientific Reports

(24.05.2022)