Zum neuen Altar der Hedwiskathedrale in Berlin können die Gläubigen des Bistums kleine Steinchen beisteuern

Die Hedwigskatedrale in der Berliner City. Foto: Eleda 2020 / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Der Künstler Leo Zogmayer will daraus ein massives Halbrund schaffen und symbolisch die Gemeinschaft in ihrer Vielfalt zusammenbinden

Auf ungewöhnliche Art und Weise kommen Steine bei der Umgestaltung der Berliner Kathedrale Sankt Hedwig zum Einsatz: Gläubige aus dem Erzbistum Berlin sind eingeladen, zu einem Gottesdienst an Fronleichnam (16. Juni 2022) ein Steinchen von zuhause mitzubringen und auf den Stufen vor der Kirche abzulegen. Laut einer Idee des Künstlers Leo Zogmayer werden die Bröckchen mit Harz umgossen und so als Konglomerat den neuen Hauptaltar für die Kirche und das Lesepult (Ambo) daneben formen.

Heiner Koch ist der Erzbischof des katholischen Bistums, das sich über Vorpommern, Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt erstreckt. Er umreißt in einem pdf das Konzept mit dem Titel „Lebendige Steine“: die Steinchen sollen die Vielfalt der Menschen widerspiegeln, das Konglomerat ist ein Zeichen dafür, dass die Gläubigen zusammengehören, auch wenn sie an vielen Orten leben. In einem Video sagt er zu der Aktion: „Ihrer Phantasie und Motivation sind fast keine Grenzen gesetzt.“

Der Altar soll nach den Plänen der Architekten Sichau + Walter die Form einer Halbkugel haben und damit die Kuppel der Kathedrale umgedreht auf den Boden holen. Der Ambo daneben wird als Gegensatz dazu kantig ausfallen.

Derzeit wird die Hedwiskathedrale neu gestaltet, und, natürlich gab es heftigen Streit darum. Denn das Gotteshaus ist ein besonderes Schmuckstück in der Berliner City direkt am Bebelplatz und gegenüber der Humboldt Universität und hat besondere Bezüge zur DDR-Geschichte.

Sie ist ein unauffälliger Rundbau, der sich nicht über die Umgebung heraushebt. Das aber lädt die Passanten ein, nachzuschauen, wie sich die Architektur im Inneren fortsetzt.

Dort konnte man bisher nicht nur die großartige Wirkung der Kuppel erleben, sondern als Highlight auch noch eine Unterkirche, die ihrerseits durch eine breite Treppe mitten im Raum zu erreichen war.

Der bisherige Innenraum der St.-Hedwigs-Kathedrale. Foto: Thamer Tamas / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Zwangsläufig wirkte der Altar deshalb immer wie an den Rand gedrängt, und zwischen dem Priester und den Gläubigen gab es infolge des 8 m breiten Lochs im Boden eine große Distanz.

Nun wird nach den Plänen der Architekten die Unterkirche gedeckelt und wird der Altar in die Mitte des Raumes gestellt.

Jedoch wird sie wird weiterhin zugänglich sein.

Die Kathedrale steht auf einem Grundstück, das der Preußenkönig Friedrich der Große der katholischen Gemeinde in Berlin zur Verfügung gestellt hatte. Architekt war Georg Wenzeslauf von Knobelsdorff. In Skizzen des Königs ist unverkennbar das Pantheon in Rom das Vorbild. 1773 wurde das Gotteshaus eingeweiht, 1887 wurde die Außengestaltung vollendet. Im 2. Weltkrieg wurde es stark zerstört, jedoch 1952 wieder aufgebraut.

Hans Schwippert gestaltete von 1960 bis 1963 den Innenraum komplett neu und schuf die offene Unterkirche anstelle einer Krypta. Der Fußboden ist schwarzem Kapfenberger Marmor belegt.

43 Millionen € sind als Kosten veranschlagt. Der Umbau soll 2023 abgeschlossen sein.

Lebendige Steine

(03.06.2022)