Die Monolithen in Südäthiopien sind 1000 Jahre älter als bisher angenommen

Sakaro Sodo, aufgenommen im Jahr 2014. Foto von Ashenafi Zena

Die manchmal phallusförmigen mehr als 10.000 stehenden Steine stammen dennoch nicht aus der Steinzeit, sondern wurden im ersten Jahrhundert nach Christus errichtet

Die alten Steinmonolithen in Südäthiopien, die bis zu 6 m hoch sind, sind laut einer neuen Studie im Journal of African Archaeology 1.000 Jahre älter als Wissenschaftler bisher annahmen. Ein Forscherteam der Washington State University (WSU) nutzte fortschrittliche Radiokohlenstoffdatierung und stellte so fest, dass die oft phallusförmigen Stelen an der archäologischen Stätte Sakaro Sodo in der Gedeo-Zone wahrscheinlich irgendwann im ersten Jahrhundert n. Chr. entstanden sind.

Bisher hatte es nur einen Versuch von französischen Wissenschaftlern in den 1990ern gegeben, das Alter der Stelen zu bestimmen. Dabei wurde für die Monumente von Tuto Fela im nördlichen Teil von Gedeo ein Datum von etwa 1100 n. Chr. ermittelt.

Sakaro Sodo und andere archäologische Stätten in der Gedeo-Zone, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, weisen die größte Anzahl und die höchste Konzentration megalithischer Stelen in Afrika auf. Die stehenden Steine unterscheiden sich sehr in Größe, Funktion und Anordnung in der Landschaft. Während viele der Monolithen umgestürzt und/oder schmucklos sind, weisen einige wenige kunstvoll gearbeitete Gesichter und andere in den Stein gehauene anthropomorphe Motive auf, die heute noch zu sehen sind.

Jedoch ist bisher wenig darüber bekannt, warum und wie sie gebaut wurden.

„Dies ist eine der am wenigsten untersuchten archäologischen Stätten der Welt, und das wollen wir ändern“, sagt Ashenafi Zena, Hauptautor der Studie und ehemaliger Doktorand der WSU, der jetzt bei der State Historical Society of North Dakota arbeitet.

Sakaro Sodo. Foto: Andrew Duff

Anhand der neuen Untersuchungen konnten die Forscher auch die Ursprungsorte des Rohsteins bestimmen.

Während über die Hirten- und/oder Ackerbauern, die die Region Sakaro Sodo in Südäthiopien um die erste Jahrtausendwende bevölkerten, nur wenig bekannt ist, scheinen die neuen Daten zur Aufstellung der Stelen mit der Ankunft domestizierter Tiere in der Region und den Anfängen komplexerer sozialer und wirtschaftlicher Systeme zusammenzufallen.

„Einer der Gründe, warum diese Forschung so wichtig ist, liegt darin, dass sie ein neues Licht darauf werfen kann, womit die frühesten Menschen in diesem Gebiet ihren Lebensunterhalt verdienten und welche kulturellen und sozialen Praktiken sie anwandten“, so Andrew Duff, Professor für Anthropologie an der WSU.

Überlieferungen deuten darauf hin, dass die ältesten Stelen in Äthiopien in Sakaro Sodo und an anderen nahe gelegenen Orten wahrscheinlich zu zwei Zwecken errichtet wurden: zur Erinnerung an die Machtübertragung von einer Generation auf die nächste oder zur Aufzeichnung und Würdigung von Gruppenleistungen.

Quelle: Washington State University

(09.06.2022)