Peter’s Corner: wann, wenn nicht jetzt, will die Natursteinbranche extra Anstrengungen im Marketing unternehmen?

Peter Becker, Chefredakteur von Stone-Ideas.com.

Verschiedene Gründe gibt es: Billigländer wie China haben Lieferprobleme, die Kunden schätzen heimische Materialien und den Konkurrenten laufen die Kosten davon

Nie waren die Umstände so günstig für die Natursteinbranche. Und vermutlich war die Gelegenheit nie besser, Marketing zu machen. Zumindest für die Firmen und Verbände im westlichen Teil der Welt.

Zählen wir die wichtigsten Gründe auf:

* die Warenströme aus den Billigländern in Asien, vor allem China, sind immer noch gestört. Bei Bestellungen dort muss der Kunde sich auf monatelange Wartezeiten einstellen. Das entzieht dem Geschäftsmodell der dortigen Steinfirmen den Boden: denn wenn der Kunde am Ende eine Ware nicht bekommen kann, ist auch das billigste Angebot nicht mehr interessant. In China sind zudem die Aussichten für die nahe Zukunft nicht wirklich gut, denn die Regierung scheint mit ihrer Corona-[Covid-19]Strategie das Problem nicht wirklich in den Griff zu bekommen: zuletzt wurden im Mai 2022 Teile der Hauptstadt Beijing einem harten Lockdown von 4 Wochen unterworfen, ähnlich war es wenige Wochen zuvor Shanghai ergangen.

* das Interesse der Kunden im Westen an heimischen Natursteinen ist stark gewachsen, und zumindest bei Investitionen in das Zuhause scheint ein ökologisches Bewusstsein Fuß zu fassen. Hier schlägt sich die Arbeit der Verbände positiv nieder, die mit Ökobilanzen gute Fakten-Argumente pro Naturstein geliefert haben.
Wobei dazuzusagen ist, dass in Europa der Begriff „heimisch“ eher unscharf verstanden wird: in der EU mit ihren 27 Mitgliedsstaaten von Portugal bis Polen und von Finnland bis Zypern werden alle Produkte von dort als irgendwie heimisch verstanden. Übrigens wird auch die Türkei in dieser Hinsicht als Teil der EU betrachtet.

* außerdem: den großen Konkurrenten der Steinbranche, den Herstellern von Keramik und Kunststeinen, geht es aktuell richtig schlecht – sie leiden unter galoppierenden Kosten: Sie sind Großverbraucher an Energie, da sie ihre Materialien brennen beziehungsweise in aufwändigen Schritten unter Wärme und Druck fertigen müssen. Durch den Ukraine-Krieg ist der Keramikbranche zudem eine Bezugsquelle für ihr Rohmaterial Ton verloren gegangen.

Wann also, wenn nicht jetzt, ist der richtige Zeitpunkt für verstärkte Marketinganstrengungen für Naturstein?

Diese Beobachtung stammt übrigens gar nicht von uns. Wir hatten kürzlich an einer Steinbruchtour des belgischen Verbands Pierres et Marbres de la Wallonie teilgenommen, zu der Architekten, Innenarchitekten und Steinmetze eingeladen waren, und mit der Aktion wollte der Landesverband die günstigen Bedingungen nutzen und an die Vergangenheit anknüpfen, als das Land einmal Sorten wie den belgischen Blaustein (Petit Granit), den Kalkstein Vinalmont oder seine roten und schwarzen Marmore in die ganze Welt exportierte.

Pierres et Marbres de la Wallonie ist übrigens auch auf dem heimischen Markt bekanntlich sehr aktiv und erfolgreich: laut der jährlichen Statistik von Dr. Carlo Montani („XXXII Rapporto marmo e pietre nel mundo 2021 / XXXII Report marble and stones in the world 2021“) liegt das Land in der Rangfolge des Pro-Kopf-Verbrauchs an Werksteinen [ornamental stones] weltweit auf dem 4. Platz. Im Jahr 2020 hatten die Belgier pro Person 986 rechnerische Einheiten (Quadratmeter mit 2 cm Dicke) verbraucht, hinter den Schweizern (1585 Einheiten), den Saudis (1431 Einheiten) und den Südkoreanern (1097 Einheiten). Dabei war jenes Jahr für die Belgier vergleichsweise schlecht gewesen; normalerweise liegen sie im Durchschnitt zwischen 1400 und 1700 Einheiten.

Wir werden demnächst über die Steinbruchtour durch Belgien berichten.

(04.07.2022)