Deutscher Naturstein-Preis 2022: Auszeichnungen für Bauwerke in Europa mit Naturstein aus Europa

Deutscher Naturstein-Preis 2022: Neubau für die Bibliothek des Klosters Loccum.

Der Hauptpreis ging an den eher unauffälligen Neubau für die Bibliothek des Kosters Loccum

Ganz und gar unauffällig ist das Gebäude, dessen Architektur mit dem Deutschen Naturstein-Preis 2022 ausgezeichnet wurde: es handelt sich um den Neubau für die Bibliothek des Klosters Loccum in der Stadt Rehburg-Loccum unweit von Hannover. Kennzeichen seiner Architektur von pape+pape architekten, Kassel, ist, dass die Ruhe und Stille beim Studium der Bücher nach außen getragen wird und das Bauwerk sich, wie die einzelnen Personen in einer Ordensgemeinschaft, in die Gemeinschaft der Gebäude einfügt.

Deutscher Naturstein-Preis 2022: Neubau für die Bibliothek des Klosters Loccum.

Die Gesamtanlage trägt spätromanischen Stil, die Kirche stammt aus der Zeit um 1250. Der Neubau greift ihre Silhouette auf, zumindest von der Seite gesehen. Nur deutsch Kloster Loccum ist eine Abtei der Zisterzienser, und mit Veranstaltungen wie Seminaren oder Diskussionen häufig in den Medien präsent.

Die Jury lobte besonders, wie „der Neubau die Strenge und Schlichtheit der Stiftskirche aufgreift und diese in einer modernen Architektursprache fortführt, ohne sich historisierender Elemente zu bedienen.“ Der verwendete lokale Bucher Sandstein prägt auch die angrenzenden alten Gebäude, jedoch wird der Neubau erkennbar abgesetzt, indem die Steine in einem sehr viel regelmäßigeren Muster versetzt sind. Verwendet wurden Steine mit 3 unterschiedlichen Höhen in Längen von 30 bis 50 cm.

Verleihung des Deutschen Naturstein-Preises 2022 durch DNV-Präsident Hermann Graser (2.v.re.) an pape+pape, vertreten durch Architekt Tore Pape (3.v.re.) und Ulrike Pape (verdeckt) sowie Vertreter des Klosters. Während man am regelmäßigen Fugenmuster den maschinellen Zuschnitt der Steine erkennen kann, ist ihre Vorderseite roh, wie bei dem alten Gebäude daneben.

Das Fenster des Neubaus hat eine moderne Gestaltung indem es die ganze Wand einnimmt und hinter senkrechte Holzlamellen zurückgesetzt ist.

Die Jury schrieb in ihrem Fazit zur Verwendung von Naturstein: „Die überlegte und überaus sensible Verwendung dieses ureigensten Baustoffs der Menschheit verleiht dem jetzt ergänzten Ensemble eine Selbstverständlichkeit, eine Leichtigkeit und nicht zuletzt eine Eleganz, die ihresgleichen sucht.“
 

Preisträger in der Kategorie Öffentliche Gebäude waren die Architekten Klaus Schuwerk / Kleihues + Schuwerk für den Neubau des Nationalmuseums für Kunst, Architektur und Design in Oslo. Preisträger in der Kategorie Öffentliche Gebäude waren die Architekten Klaus Schuwerk / Kleihues + Schuwerk für den Neubau des Nationalmuseums für Kunst, Architektur und Design in Oslo. Die Jury lobte, wie sich das Museum in die Umgebung mit 2 historischen Bahnhofsgebäuden eingliedert und wie die so entstandene Piazzetta die Besucher in das Museum hineinlenkt. Die Fassade des Gebäudes besteht aus heimischem Oppdal-Quarzit in einem wilden Verbund, was dem großen Volumen Ruhe und Leichtigkeit gibt. Obendrauf ist die so genannte Alabasterhalle aufgesetzt, die für Wechselausstellungen dient. Verwendet wurde hier durchscheinender Estremoz-Marmor aus Portugal mit Glas als Trägerschicht. Der Fußboden im Inneren ist mit Platten aus Crailsheimer Muschelkalk belegt.
 

Der Preis in der Kategorie Einfamilienhäuser und Villen ging an das Das Kusser Haus in Auerbach im Bayerischen Wald.Der Preis in der Kategorie Einfamilienhäuser und Villen ging an das Das Kusser Haus in Auerbach im Bayerischen Wald, das den alten Typ der lokalen Waidlerhäuser modern interpretiert. Bauherr ist die Firma Kusser, die selber den Tittlinger Granit in der Region abbaut. Der Stein ist hier „in riesigen Einzelteilen“ verbaut, wie es in der Beschreibung heißt. Die Architekten kamen vom Büro Peter Haimerl, München.
 

Der Preis in der Kategorie Landschaftsarchitektur und Freiraumgestaltung ging an bbz Landschaftsarchitekten für die Gestaltung des Umfelds rund um das Humboldtforum (Stadtschloss) in Berlin.Der Preis in der Kategorie Landschaftsarchitektur und Freiraumgestaltung ging an bbz Landschaftsarchitekten für die Gestaltung des Umfelds rund um das Humboldtforum (Stadtschloss) in Berlin.Der Preis in der Kategorie Landschaftsarchitektur und Freiraumgestaltung ging an bbz Landschaftsarchitekten für die Gestaltung des Umfelds rund um das Humboldtforum (Stadtschloss) in Berlin. Die Jury lobte, wie die Architekten eine „unaufgeregte Einfachheit mit überzeugenden Details“ kombinierten. Gemeint ist damit das buntes Pflaster aus aufgearbeitetem Granit am Fuß der hohen Schlosswände, auf der einen Seite eine lange Steinbank mit Mulden als Sitzflächen und weitere Ideen, die der Betrachter erst auf den 2. Blick wahrnimmt. Die „feinsinnig entworfenen und umgesetzten Details“ machten den Stadtraum „weniger hart, weniger preußisch streng“, als zu befürchten war, schreibt die Jury.
 

Die Auszeichnung für studentische Arbeiten gewann Paul Stampa für sein Konzept für ein „Haus der Steine“ in Mörnsheim.Die Auszeichnung für studentische Arbeiten gewann Paul Stampa für sein Konzept für ein „Haus der Steine“ in Mörnsheim.Die Auszeichnung für studentische Arbeiten gewann Paul Stampa für sein Konzept für ein „Haus der Steine“ in Mörnsheim. In dem Bauwerk soll sich die Muschelkalkbranche aus der Region Solnhofen präsentieren. Das Museum ist an einem Hang über dem Ort platziert und greift das Bild einer alten Burg mit Bergfried auf. Verschiedene Aspekte des Materials gibt es am Gebäude und in den Präsentationen zu sehen.

Der Gewinner in der 5. Kategorie, Bauen im Bestand, war auch gleichzeitig der Gewinner des Hauptpreises.

Der Deutsche Naturstein-Preis wird alle 2. Jahre für außergewöhnliche Verwendungen von Naturstein aus Europa bei Projekten in Europa vergeben. In der Jury sitzen Vertreter des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten e.V. (BDA) und des Deutschen Naturwerkstein-Verbands (DNV). In diesem Jahr wurde der Preis zum 20. Mal vergeben.

Das Preisgeld pro Kategorie beträgt 2500 €. Der Gewinner des Naturstein-Preises, der aus den Kategoriesiegern ausgewählt wird, erhält 5000 €. Für Einreichungen ist eine Gebühr von 200 € (bei zwei oder mehr Projekten je 100 €) zu zahlen. Studenten zahlen nichts, erhalten jedoch das volle Preisgeld.

Die Qualität der eingereichten insgesamt 62 Arbeiten war so groß, dass es zahlreiche Anerkennungen gab. Sie werden in der Broschüre nach den Gewinnern gezeigt.

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Deutscher Naturstein-Preis

Fotos: DNV

(12.08.02022)