Geofone auf öffentlichem Gelände und in privaten Gärten in der Eifel

Ein dichtes Netz von Messgeräten rund um den Laacher See soll Strukturen und Prozesse des schlafenden Eifel-Vulkanismus im Untergrund aufspüren.

Das Deutsche GeoForschungsZentrums (GFZ) will mit den Messegeräten herausfinden, wie tief der Schlaf der Magmakammer jener Eruption vor 13.000 Jahren ist

Seit etwa 60 Millionen Jahren gibt es Vulkanismus in der Eifel. Seine Auswirkungen sind heute als Schlackenkegel, Maare oder Krater sichtbar. Die rund 800 Eifel-Vulkane bilden eine besondere Form des verteilten Vulkanismus, der der Wissenschaft immer noch Rätsel aufgibt. Da ist zum Beispiel der letzte große Vulkanausbruch vor rund 13.000 Jahren am Laacher See: In seiner Stärke vergleichbar dem Ausbruch des Pinatubo 1991, finden sich bis heute Spuren in den Sedimenten von Südschweden bis Norditalien. Obwohl das Ereignis so groß war, ist es aber bislang nicht gelungen, die Magmakammer des Vulkans mit seismischen Verfahren abzubilden und zu untersuchen. Das ist eines der konkreten Ziele des nun startenden Experiments.

Dazu werden gegenwärtig in der Eifel in den Landkreisen Mayen-Koblenz und Ahrweiler rund 350 Geofone aufgestellt. Sie zeichnen seismische Wellen im Untergrund auf – so wie Mikrofone Schallwellen der Luft registrieren.

Die Forschungsarbeiten gehen unter Federführung des Helmholtz-Zentrums Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) vor sich. Beteiligt sind die Universitäten Kiel, Mainz, Frankfurt und Köln sowie der Landeserdbebendienst Rheinland-Pfalz.

Das Experiment soll etwa ein Jahr dauern und sowohl die üblichen kleinen Erdbeben als auch Hintergrundrauschen registrieren. Das dichte Messnetz ermöglicht eine hohe Auflösung, die Gesteinsstrukturen lassen sich also genauer erkennen als bisher. Da die Geofone die Messdaten kontinuierlich über ein Jahr lang aufzeichnen, können die vulkanischen Prozesse im Untergrund auch besser lokalisiert und überwacht werden.

Ganz unspektakulär sieht ein Geofon aus (zum Größenvergleich ein Kaffeebecker, links).

„Wir wollen mit diesem in Deutschland einzigartigen Experiment tief unter die Erdoberfläche blicken und herausfinden, wie der Untergrund beschaffen ist und was dort passiert, also die Dynamik beobachten. Vor allem geht es um vulkanische Aktivitäten“, erläutert Torsten Dahm, Direktor der GFZ-Abteilung „Geophysik“ und Leiter des Projektes.

Neben Eruptionen gibt es eine Reihe von Phänomenen, die darauf schließen lassen, dass die Eifelvulkane noch nicht ganz erloschen sind. Hinweise auf eine drohende Eruption gibt es jedoch nicht.

Die 350 Messgeräte wurden möglichst auf Flächen aufgestellt, die der öffentlichen Hand gehören, Kommunen zum Beispiel. An manchen Orten sind auch Privatleute gefragt worden, ob für ein Jahr ein Geofon auf ihrem Grundstück stehen darf. Die Erfahrungen damit waren überaus positiv.

„Die Menschen sind sehr interessiert und stehen unseren Forschungsarbeiten sehr aufgeschlossen gegenüber“, berichtet Christoph Sens-Schönfelder, der von Seiten des GFZ ebenfalls am Projekt beteiligt ist. „Es ist uns daher sehr wichtig die Bürger vor Ort gut über unsere Forschungsaktivitäten zu informieren.“

Projektleiter Torsten Dahm betont: „Wenn wir ein besseres Verständnis von den Vorgängen und Gegebenheiten im Untergrund haben, können wir diese Daten mit denen von aktiven Vulkangebieten vergleichen. Dann können wir auch besser beurteilen, was das anhaltende Rumoren im Untergrund bedeutet – wie tief der Vulkan schläft, wenn man so will.“

Quelle: Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ

(20.09.2022)