Die Architekten des holländischen Büros MVRDV geben 2 Wohn- und Geschäftstürmen im chinesischen Nanjing die Form von begrünten „Felswänden mit Gesteinsschichtungen“

„Stratified Cliffs“.

„Felswände mit Gesteinsschichtungen“ (Stratified Cliffs) ist der Spitzname, den die Architekten des niederländischen Büros MVRD ihrem Entwurf für die geplanten 40-stöckigen Oasis Towers in der chinesischen Millionenstadt Nanjing gegeben haben. Die beiden Türme für Wohnen sowie Büros und Geschäfts erinnern Klippen, wie man sie von den sturmumtosten Klippen auf der ganzen Welt kennt.

Eine weitere Besonderheit ist, dass nach außen fast nichts davon zu sehen ist. Denn die Türme stehen in zwei Ecken eines dreieckigen Grundstücks und zeigen nach außen eine eher langweilige Lochfassade. Nur im Inneren des Grundstücks besteht ihre Fassade an beiden Türmen aus den Klippen.

Der dazwischen liegende Raum wird von den Architekten als „Oase“ tituliert.

Diese Oase ist jedoch nicht nur gestalterisch, sondern auch stadtplanerisch von der Umgebung im Jiangbei New Area’s Financial District abgehoben: in einiger Höhe gibt es eine neue Ebene mit verschiedenen Funktionen, die bepflanzt ist: „Sie sorgt für Kühlung und Biodiversität, bietet Privatsphäre, indem sie die Bewohner der oberen Stockwerke von dem tiefer liegenden Bereich der Geschäfte abschirmt, und sie schafft ein begehbares Umfeld, das die beiden Grundstücke über die zentrale Straße hinweg miteinander verbindet“, wie es in der Pressemitteilung heißt.

So entstehen zwischen den Türmen „fließende Kurven von Balkonen, Terrassen, Dächer und kleine Pavillons, die mit recyceltem Bambus verkleidet sind“.

„Stratified Cliffs“.

„Die zeitgenössische Architektur in Nanjing ist in Form und Aussehen von der Natur inspiriert“, sagt MVRDV-Gründungspartner Winy Maas. „Mit den Oasis Towers wollten wir diesen Trend auf die Spitze treiben – nicht nur die Natur mit geschwungenen, geschichteten ,Klippen‘ nachahmen, sondern auch die Natur buchstäblich in das Design mit der Begrünung und durch das Einbeziehen natürlicher Prozesse einbeziehen.“

Dazu einige Details:
* Teile der nicht zugänglichen Dächer sind zwei 500 Quadratmeter große Schilfbeete, die als Teil des Grauwasserrecyclingsystems des Gebäudes Wasser auf natürliche Weise filtern und reinigen.
* Die Positionierung der Türme nutzt die vorherrschenden Westwinde, um die natürliche Belüftung zu maximieren.
* Die tief liegenden Balkone sind versetzt angeordnet, um viel natürliches Licht zu erhalten und gleichzeitig die Sonneneinstrahlung im Sommer zu reduzieren,
* ebenso die sorgfältig platzierten Bäume, die in den wärmeren Monaten zusätzlichen Schatten spenden.
* Eine Wärmepumpe nutzt den angrenzenden Fluss, um den Energieverbrauch zu senken.

„Stratified Cliffs“.

Schließlich: „Die Türme erscheinen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich, da sich jedes Stockwerk in der Form von dem darüber und darunter unterscheidet. Tatsächlich ist der Entwurf jedoch sehr effizient und gleichmäßig; die Grundrisse großer Teile der Türme sind fast identisch, lediglich die Formen der geschwungenen Balkone variieren. Pflanzkübel trennen die benachbarten Balkone voneinander und sorgen dafür, dass sich die grüne Oase bis in die Spitze des Entwurfs erstrecken kann.“

MVRDV

Fotos: MVRDV