Forschungsprojekt zu Steinarchitektur und Städtewesen in Deutschland zur Zeit der Römer

Berühmt unter den erhalten gebliebenen Bauten aus römischer Zeit in Trier ist die Porta Nigra. Sie hieß ehemals Porta Martis und war als Stadttor dem Kriegsgott Mars geweiht. Ehemals war sie hell wie der Bundsandstein aus dem nahen Kylltal, aus dem sie gebaut ist. Foto: FrDr / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Selbst als Ruinen waren die Bauten ehemals unübersehbar und dienten oft als Steinbrüche für neue Gebäude

In dem Forschungsvorhaben „disiecta membra“ geht es um Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland. Der Name bedeutet „versprengte Teile“, taucht schon bei dem römischen Dichter Horaz auf und bezeichnet Einzelteile, die aus der Gesamtheit herausgerissen wurden.

Die römische Steinarchitektur stellt einen einmaligen Schatz des kulturellen Erbes dar, der frühe Formen des urbanen Lebens in Deutschland bezeugt. Die römischen Städte und Bauten prägten vielerorts als Ruinen bis ins Hochmittelalter die Landschaft und waren daher stärker als andere antike Hinterlassenschaften im Bewusstsein der Bevölkerung verankert. Die Bauten wurden kontinuierlich umgenutzt oder auch als Steinbruch für neue anstehende Bauaufgaben verwendet, beispielsweise beim Bau neuer Stadtmauern.

Die neuzeitlichen Schleifungen jener hochmittelalterlichen Stadtmauern wiederum führten zu einer Wiederentdeckung der antiken Architekturelemente. Diese und andere Überreste machen den Großteil der römischen Steinarchitektur in Deutschland aus, die bisher mehrheitlich noch nicht dokumentiert und ausgewertet wurden.

Bei dem Vorhaben sollen rund 25.000 Bauelemente und 5.000 Baubefunde in einer dynamischen und vernetzten digitalen Edition erschlossen werden: Die erarbeiteten Daten werden in engem Austausch mit NFDI4Objects und NFDI4Culture modelliert, erfasst und frei zugänglich, verlink- und nachnutzbar gemacht; u.a. in der iDAI.world und in Propylaeum-Vitae.

Sie liefern so einen niedrigschwelligen Zugang zu Steinarchitektur und Städtewesen im römischen Deutschland, die aufgrund ihrer Bedeutung für unsere heutigen Vorstellungen von Urbanität von übergeordnetem Interesse sind. Für die Architektur- und Sozialgeschichte, für die Bau- und Stadtforschung, für die Provenienz-und Netzwerkforschung wird weit verstreutes Quellenmaterial, ganz im Sinne des Titels des Vorhabens digital zusammengeführt und erschlossen.

Das Projekt unter Federführung der Akademie der Wissenschaft und der Literatur Mainz ist auf 24 Jahre angelegt, mit einem jährlichen Fördervolumen von rund 395.000 €. Die Arbeitsstellen haben ihren Sitz an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts Frankfurt am Main und der Philipps-Universität Marburg. Die Leitung des Projektes liegt bei Prof. Dr. Johannes Lipps, Dr. Kerstin P. Hofmann und Prof. Dr. Aline Deicke.

Akademie der Wissenschaft und der Literatur Mainz

Rom in Deutschland

(17.01.2023)