Programm „Earth Water Sky“: die Stiftung Didier et Martine Primat lässt die Künstlerin Niamh Schmidtke in den Mineralogischen Sammlungen der TU Berlin den ganz großen Zeiträumen nachspüren

Präsentation des Projektes: (v.l.n.r.) . Johannes Giebel (Mineralogische Sammlungen der TU Berlin), Ariane Koek (Stiftung Didier et Martine Primat), Künstlerin Niamh Schmidtke.

Von Januar bis Ende Februar 2023 gehen die Mineralogischen Sammlungen der TU Berlin ungewöhnliche Wege: Sie haben die irische Künstlerin Niamh Schmidtke zu Gast, die sich auf ihre Art besonders mit den geologischen Zeiträumen auseinandersetzen wird. Ermöglicht wird das Programm mit dem Titel „Earth Water Sky“ durch die Schweizer Stiftung Didier et Martine Primat: diese hat 3 Forschungsaufenthalte für Künstler ausgerufen, bei denen diese sich mit einem der 3 Themen beschäftigen sollen. Niamh Schmidtkes Projektvorschlag wurde für den Bereich „Earth“ ausgewählt.

Sie wird mit Unterbrechungen mehrere Wochen in Berlin sein und dort mit dem Kustos der Mineralogischen Sammlungen, Dr. Johannes Giebel, den Gedankenaustausch pflegen. Die Sammlungen verfügen über 200.000 Stücke und zählen zu den größten in Deutschland.

Bei der Vorstellung des Projektes Mitte Januar 2023 gab es erste Hinweise, in welche Richtung die Künstlerin denkt: ausgehend von ihrem Projektvorschlag mit dem Titel „Pulling Blood from a Stone“ (Blut aus einem Stein ziehen), mit dem sie den Forschungsaufenthalt gewann, interessieren sie im Moment Fragen nach der Kommunikation der Mineralien ihrerseits über die großen Zeiträume: „Was würden sie uns sagen, wenn sie (über sich) reden könnten? Was würden sie sich gegenseitig erzählen?“ Unter dem Oberbegriff „Deep Time“ fasst sie diese Aspekte zusammen.

Aus dem Kreis der Anwesenden bei der Präsentation an der TU Berlin kamen gleich weiterführende Fragen: Wie würden zum Beispiel Seltene Erden über Handys kommunizieren, schließlich spielen sie in diesen Geräten eine wichtige Rolle?

Oder: Was würden sie den Handyproduzenten sagen? Schließlich sind die Halbwertzeiten dieser Geräte meist nur kurz und enden viele noch nicht mal im Recycling, sondern bleiben in irgendwelchen Schubladen liegen.

Niahm Schmidtke jedenfalls will auch Studenten der TU in ihr Projekt einbeziehen, wie es in der Ankündigung heißt.

Nach der Zeit in Berlin wird sie eine konkrete Idee bei der Stiftung einreichen, und daraus kann dann ein wirkliches Werk werden, Zustimmung der Geldgeber vorausgesetzt. Niahm Schmidtke hat in ihren bisherigen Arbeiten sehr viele Materialien und Formen der künstlerischen Darstellung benutzt.

Der Leiter der Sammlungen, Dr. Johannes Giebel drückte gespannte Erwartung aus: Er hält es für möglich, dass für ihn aus dem Projekt „ein neuer Blick auf die Minerale herauskommt.“

Einer der vorausgegangenen Forschungsaufenthalte im Rahmen von „Earth Water Sky“ war 2019 die Residency „Wasser“ der britischen Künstlerin Emma Critchley an der Universität Ca’ Foscari in Venedig. Sie schuf dort eine Filminstallation über 3 Bildschirme, auf denen durch Bewegung, Worte und Bilder eine Verbindung zwischen dem menschlichen Körper und dem Eiskörper eines Gletschers entsteht.

2021 hatte sich der in Belgien lebende US-Künstler Hasseb Ahmed der Station „Luft“ gewidmet, ebenfalls an der Universität Ca’ Foscari in Venedig. Er beschäftigte sich mit den Schirokko-Winden, die das Leben in der Lagunenstadt stark beeinflussen.

Mit „Deep Earth“ nimmt die TU Berlin erstmals an der weltweiten „The Science Gallery“ teil. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk, das, wie es auf der Webpage heißt, als Ziel hat: „Kreativität und Entdeckungen (zu) zünden, indem Wissenschaft und Kunst kollidieren“.

Niamh Schmidtke

Mineralogische Sammlung der TU Berlin

Foundation Didier et Martine Primat

The Science Gallery

(24.01.2023)