Die weißen „Fassungen“ der Sandsteinfiguren im Dessau-Wörlitzer Gartenreich werden untersucht, um so die Kunstwerke besser gegen Wetter und Witterung schützen

Dornauszieher im Dessau-Wörlitzer Gartenreich © Foto: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Bildarchiv Peter Dafinger

Die Sandsteinskulpturen im Dessau-Wörlitzer Gartenreich sind an ihren Standorten unterschiedlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt. Eine Untersuchung soll nun klären, wie man ihre weißen „Fassungen“ beständiger gegen Wind und Wetter machen kann. Dafür stellt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) 12.500 € zur Verfügung.

Der Begriff „Fassung“ bedeutet hier, dass der Sandstein mit einem weißen Anstrich überzogen wird. Dieser beseitigt zum Beispiel Unebenheiten in der Oberfläche und schließt ihre Poren.

Der Schutz ist bekannt von Steinskulpturen und genauso von Möbeln etwa vom Jahr 900 n. Chr. an: die Fassung macht zum Beispiel einen gleichmäßigen Auftrag einer Vergoldung möglich.

Umgekehrt bieten sich auch dem so genannten Fassmaler große Gestaltungsmöglichkeiten. So kann es ein, dass er die Details etwa im Gesicht einer Figur festlegt, nicht schon der Bildhauer durch die Oberfläche.

Herme im Dessau-Wörlitzer Gartenreich © Foto: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Bildarchiv Peter DafingerIn einem Versuchsaufbau im Rahmen der Untersuchung soll mit beschichteten Laborprüfkörpern und Probeplatten der Einfluss der Witterung auf die Objekte je nach Standort untersucht werden. Geplant ist dabei auch „eine Kennwertermittlung zur vergleichenden Untersuchung verschiedener Anstrichsysteme“, wie es in einer Pressemitteilung der DSD heißt.

Die Standorte liegen wischen Baumgruppen oder am Rand von Heckenpflanzungen und sind der Sonne sowie Wind und Regen zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich ausgesetzt. „Insbesondere der Einfluss durch mikrobiellen Bewuchs wirkt sich stark auf das Alterungsverhalten ihrer Fassungsoberflächen aus“, heißt es weiter.

Ziel ist ist auch, „eine kontinuierliche regelmäßige Pflege der Oberflächen zu ermöglichen“. Neben den Referenzflächen an den Skulpturen erlauben die Probeplatten und Prüfkörper Untersuchungen, die sich an den Originalen verbieten.

Rousseau-Urne im Dessau-Wörlitzer Gartenreich © Foto: Kulturstiftung Dessau-Wörlitz, Bildarchiv Peter Dafinger

Das Dessau-Wörlitzer Gartenreich zählt zum Weltkulturerbe. Es wurde zwischen 1764 und 1800 unter der Regierung des aufgeklärten Fürsten Franz von Anhalt-Dessau als ausgedehnter Landschaftspark mit Schloss, zahlreichen Gebäuden, Wasserläufen und Seen angelegt.

Die noch heute in großen Teilen erhaltene einzigartig „gestaltete Naturlandschaft“ wurde in die reiche Auenlandschaft der mittleren Elbe und unteren Mulde eingepasst. Dabei verband der Fürst seine Begeisterung für den englischen Landschaftsgarten mit den aufklärerischen Ideen der Volkserziehung und Agrarreformen.

Deutsche Stiftung Denkmalschutz

Dessau-Wörlitzer Gartenreich

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(26.01.2023)