EPDs für Anfänger: Sarah B. Gregg vom Natural Stone Institute (NSI) erklärt, was es damit auf sich hat und warum das Thema so wichtig für Steinunternehmen ist

EPDs geben Auskunft über die ökologische Bilanz eines Produktes.

Eine Environmental Product Declaration (EPD, Umweltdeklaration) ist ein Dokument, das transparente und vergleichbare Informationen über die Auswirkungen eines Produkts auf die Umwelt während seines gesamten Lebenszyklus’ liefert, von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. EPDs helfen Verbrauchern, Einkäufern und Planern, fundierte Produktentscheidungen auf der Grundlage der Umweltbelange zu treffen. Sarah B. Gregg, Marketingdirektorin des US-amerikanischen Natural Stone Instituts (NSI), ist Expertin für Nachhaltigkeit und damit für EPDs. Sie erklärt, was es damit auf sich hat und warum sie so wichtig sind.

Sarah B. Gregg (3. von links) und das NSI-Team. Foto: NSI
 

Eine EPD quantifiziert alle Umweltdaten zu einem Produkt

Sarah B. Gregg: In der Steinindustrie geht es um Wasser (das gegebenenfalls recycelt wird), um Strom und Brennstoffe, die zum Betrieb der Maschinen verwendet werden, und um Verbrauchsmaterialien wie Diamantseile, Reifen und Verpackungsmaterial. Außerdem werden der Output des Steinbruchs, der Input der Produktionsanlage und der endgültige Output an nutzbaren Baumaterialien gemessen. Einige EPDs messen cradle-to-gate (Steinbruch zum Fabriktor), was die Gewinnung, den Transport zur Verarbeitung und die Herstellung einschließt. Bei anderen wird cradle-to-grave (Wiege zur Bahre) gemessen, d. h. zusätzlich werden Transport zum Verbraucher, Installation, Reinigung und Wartung, Reparatur und Austausch sowie die Entsorgung am Ende der Lebensdauer einbezogen.
 

EPDs sind ein wichtiges Marketinginstrument

Sarah B. Gregg: Die meisten Architekturbüros bevorzugen Materialien, für die EPDs vorliegen. Viele fortschrittliche Firmen verlangen diese sogar, wenn sie Produkte in ihre Materialdatenbanken aufnehmen sollen. In den USA verlangen einige Bundesstaaten wie Kalifornien, Washington und Colorado bereits EPDs und Höchstwerte für das Erderwärmungspotenzial (embodied carbon) für besonders umweltbelastende Produkte wie Stahl und Beton. Weitere Gesetze sind in der Erarbeitung, so dass zusätzliche Vorschriften zu erwarten sind. Wenn jetzt EPDs erstellt werden, kann sich Naturstein als CO2-arme Lösung durchsetzen.
 

Alle EPDs müssen von Dritten verifiziert werden

Sarah B. Gregg: EPDs werden nach einer standardisierten Methodik erstellt und von einem unabhängigen Dritten verifiziert, um Genauigkeit und Glaubwürdigkeit zu gewährleisten. Dies gibt der Natursteinindustrie eine großartige Möglichkeit, ihr Portfolio um wissenschaftlich fundierte und umfassende Daten zu ergänzen. Das ermöglicht den Vergleich mit Materialien von Menschenhand. Leider macht das weit verbreitete Greenwashing es den Verbrauchern schwer, zwischen vagen oder irreführenden Behauptungen und echten Umweltinformationen zu unterscheiden.
 

Veränderungen in Gewinnung und Verarbeitung

Sarah B. Gregg: Wenn Unternehmen erst einmal anfangen, ihre Umweltauswirkungen zu erfassen, werden sie mit Sicherheit Effizienzsteigerungen realisieren, die ihre Prozesse verbessern. Um glaubwürdig und relevant zu bleiben, sollen EPDs deshalb alle fünf Jahre erneuert werden. So können die Hersteller ihren Kunden aktuelle und genaue Informationen zur Verfügung stellen und mit den sich entwickelnden Industriestandards und Vorschriften Schritt halten. Ein weiterer Vorteil dieses Prozesses besteht darin, dass Hersteller Verbesserungen in den Umweltbelangen ihrer Produkte nachweisen können.
 

Die Kosten

Sarah B. Gregg: Die Kosten für die Erstellung einer EPD können zwischen etwa 3.000 und über 15.000 US-Dollar liegen. Am wirtschaftlichsten ist es, wenn Sie sich mit anderen Steinbrüchen und Produzenten in Ihrer Region zusammenschließen und sich die Kosten für die Erstellung einer branchenweiten EPD teilen. Sie können sowohl Zeit als auch Geld sparen, wenn Sie die vom Natural Stone Institute entwickelten Vorlagen (PCRs and data collection templates) verwenden. Kontaktieren Sie mich, um sie anzufordern.
 

Gesundheit: es gibt auch Health Product Declarations

Sarah B. Gregg: In den Health Product Declarations (HPDs) werden die Inhaltsstoffe eines Produkts zusammen mit ihren Konzentrationen und möglichen gesundheitlichen Auswirkungen angegeben. Da Naturstein ein natürliches Material ist, das nur aus einem einzigen Bestandteil besteht und keine flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) freisetzt, sind diese Dokumente ein sehr einfaches und wirksames Instrument für unsere Branche. Das Natural Stone Institute hat eine Reihe von 13 HPDs für gängige Natursteinarten wie Granit, Kalkstein, Marmor, Travertin und andere erstellt. Diese können heruntergeladen und von der gesamten Branche verwendet werden.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Natural Stone Institute:
* Umweltproduktdeklarationen (EPDs)
* Health Product Declarations (HPDs)

Sarah B. Gregg, Mail

(10.04.2023, USA: 04.10.2023)