Tripun-Bokanić-Preise für Naturstein 2023 in Kroatien vergeben

Studio Ante Murales / Ante Nikša Bilić für das Emotheo Heritage Hotel, Imotski, Kroatien.

Initiator ist die Steinmetzschule Klesarska Škola auf der Kalksteininsel Brač zusammen mit dem Oris House of Architecture in Zagreb

In Kroation wurden zum 3. Mal die Tripun-Bokanić-Preise vergeben. Sie zeichnen Projekte in den Kategorien Architektur, Design, Denkmalpflege und in weiteren Themenbereichen aus, bei denen Naturstein auf außergewöhnliche Art zum Einsatz kam. Initiatorin des Preises ist die Steinmetzschule auf der Kalksteininsel Brač zusammen mit dem Oris House of Architecture in Zagreb.

Fünf Kategorien gibt es, und die Jury nimmt sich gerne auch mal die Freiheit, in einer Kategorie keinen Preis zu vergeben. Sie bestand aus Nikola Bašić (dipl. ing. arh., F.C.A.), Dinko Kovačić (dipl. ing. arh., F.C.A.), Professor Nenad Fabijanić (dipl. ing. arh.) und Zdravko Matijašić (Steinmetzmeister).

Im Folgenden präsentieren wir die prämierten Projekte, geben die Laudatio der Jury wieder und zeigen Fotos von der Preisverleihung.

Die Steinmetzschule Klesarska Škola in der Ortschaft Pučišća in der Adria vor der Küste Kroatiens hat 2019 ihr 110. Jubiläum gefeiert. Damals gab es große Feierlichkeiten und unter anderem ein Steinmetzsymposium und die erstmalige Vergabe des Preises, der an den Renaissance-Steinmetz und Architekt Tripun Bokanić erinnert. Er schuf zahlreiche imposante Bauwerke in Dalmatien, etwa das Obergeschoss im Glockenturm der Kathedrale in Trogir, den Steinaltar in der Marienkirche in Zadar oder den Altar einer Kirche aus dem Jahr 1605 in der Stadt Hvar. Schulleiterin ist Tamara Plastić, die sich unermüdlich um die Pflege des Steinmetzhandwerks bemüht.

Steinmetzschule Klesarska Škola

Oris House Of Architecture

Fotos: Steinmetzschule Klesarska Škola

In der Kategorie Architektur gab es 14 Einreichungen und wurden 3 Preise vergeben:

(Foto oben) Studio Ante Murales / Ante Nikša Bilić für das Emotheo Heritage Hotel, Imotski, Kroatien: Der Eindruck von steinerner Voluminösität wird durch eine Technologie erreicht, die sich den Bedingungen des modernen Bauens unterordnet. Diese Realisierung trägt zu jenen Bemühungen bei, in denen die Verbindung von Altem und Neuem in unaufdringlicher Eleganz zum Ausdruck kommt.

Ira Rechner Šustar, Tatjana Baković Kukoč und Enija Kukoč: Renovierung des großen Innenhofs der Altstadt von Zrinski, Kraljevica, Kroatien.Ira Rechner Šustar, Tatjana Baković Kukoč und Enija Kukoč für die Renovierung des großen Innenhofs der Altstadt von Zrinski, Kraljevica, Kroatien. Mit dieser Auszeichnung hebt die Jury die Neugestaltung des historischen Umfelds hervor, die durch eine subtile Lektüre der architektonischen Stratigraphie erreicht wurde. Bei der Freilegung der historischen Schichten und der Sanierung des Raums tragen sowohl Stein als auch Beton harmonisch zum Gesamtdesign und zum semantischen Charakter des Projekts bei.

Neno Kezić, Nora Roje, Emil Šverko: Hotel Ambasador, Split, Kroatien.Neno Kezić, Nora Roje, Emil Šverko für das Hotel Ambasador, Split, Kroatien: Nach vielen Jahren mit schlimmen Befürchtungen ist das Hotel Ambasador zu einer angenehmen Überraschung geworden. Seine Leichtigkeit und zeitgemäße Eleganz gehen eine Verbindung mit der Umgebung ein und stellen einen harmonischen Beitrag zum Panorama von Split dar. Diese Harmonie, die durch die Gliederung des Volumens und seine Höhenabstufung erreicht wird, wird durch die geschickte Verwendung des Brač-Kalksteins in seiner ganzen Vielfalt an Texturen noch verstärkt. Der Stein in Form von massiven Gitterverkleidungen kontrastiert mit den glatten Oberflächen der Steinfüllungen.
 

In Kategorie Restaurierung wurde der Preis nicht vergeben.
 

Kategorie Produktdesign oder individuelles architektonisches oder dekoratives Element: Preis für Srđan Lukšić für das Familiengrab der Lukšić und Rendić.In der Kategorie Produktdesign oder individuelles architektonisches oder dekoratives Element gab es 3 Einreichungen, und der Preis ging an Srđan Lukšić für das Projekt des Familiengrabs der Lukšić und Rendić: Eine überzeugende und angesichts des Standorts einzig mögliche Materialwahl führte zu geschickten und diskreten Botschaften und Symbolen, subtilen Leisten, gemessenen, aber nicht standardisierten Grabmalabmessungen und einer einheitlichen Behandlung der Oberflächen. Die Inspiration zeigt sich in den Steinschnitten und -aufrissen mit verschiedenen Techniken. Die grafische Gestaltung der Familieninschrift ist eine subtile Ergänzung und trägt die gesamte Komposition. Ein kontrolliertes Werk ohne das übliche Pathos der modernen Kunst.
 

Kategorie für pädagogische, kuratorische, nicht-fiktionale, kritische, wissenschaftliche und theoretische Arbeiten: Preis für Goran Nikšić.In der Kategorie für pädagogische, kuratorische, nicht-fiktionale, kritische, wissenschaftliche und theoretische Arbeiten gab es nur einen Beitrag, und der Preis wurde an Goran Nikšić verliehen für die Monografie „Marko Andrijić egregius et prudens magister” (herausgegeben von der Stadt Korčula und der Stadtbibliothek Ivan Vidali, Korčula): Nach mehr als 40 Jahren des Studiums der urbanistischen und architektonisch-skulpturalen Themen von Korčula hat er eine Monografie über den wichtigsten Künstler von Korčula, Marko Andrijić, verfasst. Der Autor interpretiert akribisch die berühmten Meisterwerke des Meisters, nämlich die Vollendung des Campanile und des Ziboriums des Markusdoms, stellt sie im Lichte zahlreicher neuer Archiv- und Feldfunde vor und kontextualisiert sie überzeugend im mediterranen Raum des Spätmittelalters.
 

In der Kategorie Gestaltung von Steinsouvenirs wurden 3 Arbeiten eingereicht. Die Jury vergab keine Preise.
 

Besondere Anerkennung für einen Beitrag zur kroatischen Steinarchitektur: Álvaro Siza für die Kapelle der Verklärung des Herrn in Miljana, Kroatien.Die besondere Anerkennung für einen Beitrag zur kroatischen Steinarchitektur ging an den portugiesischen Architekten und Pritzker-Preisträger Álvaro Siza für die Kapelle der Verklärung des Herrn in Miljana, Kroatien: Der monolithische, fast vollständig geschlossene, mit Sandsteinblöcken ausgekleidete Baukörper ist auf dem höchsten Teil des Anwesens der barocken Burg von Miljana in den Hang gebaut. Die Geschlossenheit gegenüber der Umgebung verweist auf die ästhetische Introvertiertheit der Kapelle selbst. Um jedoch einen Übergang zwischen der natürlichen und der gebauten, künstlichen Umgebung zu schaffen, entwarf der Architekt eine Terrasse, eine Piazzetta, mit Blick auf die hügelige Region Hrvatsko Zagorje und die Bergketten im Hintergrund. Die strenge Reinheit des Ansatzes erinnert an frühchristliche Kirchen, in denen die Vergangenheit in der Gegenwart verankert ist. Mit seiner abgerundeten persönlichen Poetik hat Álvaro Siza in Miljana einen sakralen Raum geschaffen, der ebenso individuell wie universell ist. Der Preis wurde von Rodrigo Lobo d’Ávila, dem Ersten Sekretär der portugiesischen Botschaft in Kroatien, entgegengenommen.

Texte von Vera Grimmer

Preisträger Emil Šverko (Hotel Ambasador, Split). Srđan Lukšić (Familiengrab der Lukšić und Rendić).Rodrigo Lobo d’Ávila (portugiesische Botschaft in Kroatien); im Hintergrund Jury-Mitglied Nenad Fabijanić.Die Jury bei der Arbeit.Tamara Plastić, Leiterin der Steinmetzschule Klesarska Škola in der Ortschaft Pučišća.

(30.07.2023)