Kurioses aus der Welt der Steine: die Obelisken waren immer Herausforderungen für Steinmetze, Ingenieure und Geschichtenerzähler

Obelisken aus der „Ornamenti“-Kollektion von Lapicida.

Die britische Firma Lapicida hat nun in ihre Kollektionen verkleinerte Varianten aufgenommen

Obelisken sind ein Teil der „Ornamenti“-Kollektion der britischen Firma Lapicida. Andere Objekte aus der Reihe sind Brunnen, Gartenbänke, Pflanzgefäße, Sonnenuhren oder Dinge ganz nach Kundenwunsch. Die Obelisken gibt es in Vicenza Kalkstein mit 2 m Höhe und 39,5 cm Breite für die Aufstellung im Garten beziehungsweise mit 2,5 m Höhe und 49,5 cm Breite als Objekte für die Landschaft. Lapicida schreibt dazu: „Die klaren Linien des Obelisken machen ihn zu einer vielseitig einsetzbaren Struktur, die sich gleichermaßen gut als Herzstück in einem Garten eignet oder kühn die Seiten eines Portals flankiert.“

Lapicida: Elephant Obelisk.

Im Angebot hat die Firma auch eine Kopie des berühmten Elephant Obelisk auf der Piazza Della Minerva in Rom als Kalksteinkopie mit 3 m Höhe und 48 cm Breite. Kein geringerer als Gian Lorenzo Bernini hatte ihn entworfen und 1667 neben dem Pantheon und der Kirche Santa Maria sopra Minerva aufgestellt. Im Original ist er aus Rosengranit gefertigt und mit 5,47 m Höhe der kleinste unter den Obelisken in Rom. Da es Warnungen gab, dass der Elefant die Masse des Steinpfeilers obendrüber nicht würde tragen können, ließ der ausführende Bildhauer Ercola Ferrata unter dem Bauch des Tiers einen Sockel stehen und versteckte ihn unter einer Decke.

Lapicida Ornamenti
 

Die Neuheit bei Lapicida war für uns Anlass, mal weltweit nach solchen Objekten Ausschau zu halten.

Rom ist vermutlich die Stadt mit den meisten Exemplaren. Berühmt ist jener Obelisk auf dem Petersplatz, zu den schönsten zählt jener auf der Piazza del Popolo. Einige Webpages haben Zusammenstellungen, wir empfehlen Wikipedia.

Mussolini-Obelisk in faschistischem Monumentalstil auf der Piazza Lauro De Bosis in Rom. Quelle: Nicholas Gemini / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Dort wird in der deutschen Ausgabe am Ende der langen Aufzählung auch der Mussolini-Obelisk in faschistischem Monumentalstil aus rund 300 t Carraramarmor gezeigt.

 
Über alle Zeiten stellten die riesigen und hunderte von Tonnen schweren Nadeln besondere Herausforderungen dar.

Vermutlich wurden sie mit Doleritbrocken aus dem Fels herausgehauen. In den Brüchen in Ägypten wurden zahlreiche handgroße Stücke dieses extrem harten Materials gefunden.

Unvollendeter Obelisk, Assuan. Quelle: Glenn Ashton (20029) / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Wie die Gewinnung vor sich ging, ist bekannt, weil einige fehlgeschlagene Stücke erhalten blieben. Etwa jener berühmte Unvollendete Obelisk von Assuan: Aus dem Felsen gelöst wurde er, indem die Arbeiter zwei parallele Gräben senkrecht in den Untergrund trieben. Um ihn nun noch vom Untergrund zu trennen, trieben sie Holzkeile in vorbereitete Spalten. Diese wurden mit Wasser getränkt und dem nächtlichen Frost überlassen. Danach lüfteten die Ingenieure den Steinpfeiler Zentimeter um Zentimeter.

 
Der Transport der Stücke war immer eine besondere Herausforderung für die Pioniere des Militärs.

Das galt als genauso im 19. Jahrhundert, als die französische Marine zwei Obelisken aus Luxor nach Paris zu schaffen hatte. Jeder der Pfeiler ist 25 m hoch, aus einem Stück Granit gefertigt und wiegt 230 t. Muhammad Ali Pascha, der Vertreter des Osmanischen Reichs am Nil, hatte sie dem französischen König geschenkt.
Die Aufstellung des Obelisken auf der Place de la Concorde 1836, Gemälde von François Dubois. Quelle: Musée Carnavalet / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>
Die Story ist lesenswert, hier nur ein paar Stichworte:
* aus Toulon machte sich ein überlanger Dreimaster auf den Weg nach Luxor;
* dort wurde einer der riesigen Pfeiler mit Balken und Brettern stabilisiert und umgelegt. Der Transport über die nur 400 m zum Nil beanspruchte anderthalb Monate;
* es schloss sich eine monatelange Wartezeit an, weil der Fluss zu wenig Wasser hatte;
* nach einem Jahr begann die Abfahrt nach Frankreich. Von Alexandria aus zog ein Raddampfer den Konvoi bis nach Le Havre, von wo aus das Schiff Seine-aufwärts getreidelt wird. Endlose Debatten gab es in Paris um den Standort, bis der König sich für die Place de la Concorde entschied;
* dann ein Desaster: am Fuß des Obelisken gab es Darstellungen von Affen bei der Kopulation. Ein Sockel mit 8 m Höhe musste das Problem lösen;
* am 25. Oktober 1836 schauten der König und rund 200.000 Schaulustige zu, wie der Obelisk wieder in die Senkrechte kam.
 

Postsäule in Deutschland, mit Informationen über die Herrschaften und die nächsten Städte.Auch in kleinerem Format waren die spitzigen Pfeiler immer beliebt, etwa als Standardform für Postsäulen.

 
Washington Monument, das höchste Steinbauwerk weltweit. Foto: MIAEine berühmte Variante im Monumentalformat ist das Washington-Monument auf der Mall in der Hauptstadt der USA. Allerdings: es ist nicht massiv, sondern besteht aus Platten weißen Marmors auf einer Stahlkonstruktion.

 
Ach ja, und der 2. Obelisk aus Luxor? Er wurde nie verschifft. Im Jahr 1981 gab Frankreichs Präsident Mitterrand das Geschenk an Ägypten zurück, ohne dass Frankreich es je in Empfang genommen hatte.

See also:

(13.10.2023)