Die Steinbranche als „grüner“ Wirtschaftszweig und als Branche mit viel Computerarbeit

Die Euroroc-Mitglieder und Gäste bei der Generalversamlung 2023 auf der Marmomac: Präsident Hermann Graser (7. v.li.), Generalsekretär Gerd Merke (ganz re).

Die Euroroc-Generalversammlung diskutierte auf der Marmomac 2023 über aktuelle Problemfelder und Möglichkeiten

Am Ende waren es die guten Perspektiven, die die Mitglieder von Euroroc in guter Stimmung auseinander gehen ließen. Euroroc ist der Dachverband der EU-Natursteinverbände – mit Erweiterung um die Schweiz, die Türkei, Norwegen und – und auf der Marmomac 2023 kamen die Verbandsvertreter wie üblich zu ihrer jährlichen Generalversammlung zusammen.

Zum Programm gehört, dass zum Beginn des Treffens die einzelnen Länder von der Situation zuhause berichten. Fast von überall gab es negative Meldungen, denn der private Wohnungsbau erlebt vielerorts eine reduzierte Nachfrage. Zwar werden in den meisten Ländern die begonnenen Projekte noch fortgeführt, aber spätestens für das kommende Jahr sind die Auftragsbücher leer.

Damit nicht genug: die Steinbranche sieht sich einem Mangel an Fachpersonal gegenüber.

Jedoch: solche Phasen mit reduzierter Nachfrage und mit Knappheiten in einzelnen Bereichen hat es schon immer gegeben, und so gehört das Jammern genauso zum Geschäft wie das Auf und Ab.

Insofern ließen sich die Verbandsvertreter beim Treffen auf der Marmomac gern vom Enthusiasmus anstecken, den Hermann Graser, derzeit Präsident von Euroroc und des deutschen Verbands DNV, verbreitete: Er plädierte für das Massive Bauen mit Naturstein, von dem er sich erhofft, dass Stein dadurch „das Baumaterial der Zukunft“ wird.

Im Kern sind es drei Aspekte, die ihn zu dieser Einschätzung bringen:
* erstens ist Stein unter Klimaaspekten neben Holz das Material mit den besten Werten;
* zweitens war die Verwendung von Stein als tragendem Baumaterial der Normalfall, bis von etwa 1860 an der Beton mit Armierung üblich wurde;
* drittens hat sich unter den Architekten in zahlreichen Ländern ein neu erwachtes Interesse an Stein etabliert, was wiederum dazu geführt hat, dass es an den Hochschulen Forschungsprojekte zum massiven Bauen gibt.

Außerdem, so fügte Euroroc-Generalsekretär Professor Gerd Merke hinzu, hat Stein hier eine Alleinstellung: „Mit Keramik und Engineered ist massives Bauen nicht machbar“, sagte er und ließ als Spaß gleich noch ein Filmzitat folgen: „Now we are on the bright side of life.“

Graser kündigte an, dass es auf der Messe Stone+tec (19. – 22. Juni 2024) in Nürnberg einen Architektenkongress in englischer Sprache über das Massive Bauen mit Stein geben wird.

Jedoch: wenn die Branche mit einer steigenden Nachfrage nach ihrem Material rechnen kann, kann sie auch entsprechend wachsen? Konkret gefragt: wie will sie das gravierende Problem des Fachkräftemangels lassen?

Einige Verbände haben das Problem schon in Arbeit, heiß es in den Erfahrungsberichten. Im UK ist eine Stone Academy in Planung, die sowohl die Ausbildung für den Nachwuchs als auch die Weiterbildung der Beschäftigten übernehmen soll. Für die Nachwuchsgewinnung gibt es dort seit Jahren ein erfolgreiches Mentoringprogramm.

Euroroc-Generalsekretär Gerd Merke mit einem T-Shirt aus der deutschen Steinmetz-Kampagne.

Als andere Möglichkeit hat sich der deutsche Steinmetzverband BIV eine Kampagne überlegt, die mit lockeren Sprüchen auf den Beruf aufmachen will. Die Idee scheint zu zünden: „Es hat in diesem Jahr 6% mehr Bewerber als in den Vorjahren gegeben“, berichtete Merke. Und vor allem: „Es haben sich deutlich mehr Frauen als üblich beworben.“ Allerdings: Um den Erfolg der Maßnahme endgültig zu beurteilen, bliebt abzuwarten, wie viele der Anfänger wirklich die ganze Lehrzeit von 3 Jahren durchhalten.

Bekannt ist aus vielen Ländern, dass die Branche und ihre Berufe die besten Chancen haben, sich ein neues Image zuzulegen:
* in der Verarbeitung von Stein sind Maschinen mit CNC-Steuerung allgegenwärtig;
* Ihre Berufe können sich durchaus als „grün“ präsentieren, hat Naturstein doch einen im Vergleich zu anderen Baustoffen minimalen CO2-Fußabdruck.

Bei dem Treffen waren von jenseits des Atlantiks Jim Hieb vom US-Natural Stone Institut und eine Vertreterin der kanadischen Firma Polycor anwesend, die in Frankreich eine große Rolle spielt. Hieb plädierte für eine Bündelung der gemeinsamen Stärken: „Wir sind glaubwürdiger, wenn wir alle dasselbe sagen“, regte er zu mehr Kooperation an und für mehr Austausch der Erfahrungen bei der Lösung von Branchenproblemen.

Euroroc

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(06.11.2023)