In Schweden zeigt der Natursteinverband den Namensfälschern aus der Keramikbranche die Zähne

Kai Marklin (rechts) auf dem Foto zusammen mit Gewinnern des Designpreises 2022 des schwedischen Natursteinverbands.

Fliesenfirmen haben dort ihre Produkte unter Natursteinnamen auf den Markt gebracht / Auch „Jura“ taucht als Fake-Name auf

Schwedens Natursteinverband (Sveriges Stenindustriförbund) zeigt gegenüber Markenfälschern aus der Keramikbranche die Zähne.

Dort gibt es nämlich eine besonders perfide Art des missbräuchlichen Gebrauchs des Namens der heimischen Natursteine, initiiert von der Firma Bricmate: die brachte im September 2020 ein als „Granit-Keramik“ betiteltes Produkt auf den Markt, für das sie sich den Namen Norrvange schützen ließ.

Norrvange aber ist ein Ort in Schweden, wo seit Generationen ein Familienunternehmen den berühmten Kalkstein mit demselben Namen aus dem Berg holt.

So eine Art von Verbrauchertäuschung hat es bisher nirgendwo auf der Welt gegeben. Man stelle sich vor: Ein Hersteller von Keramik aus Italien würde sich den Namen „Carrara-Fliesen“ für seine Produkte schützen lassen.

Kurios, dass die Behörden in Schweden dem Ansinnen von Bricmate überhaupt zugestimmt hatten.

Nun sind die Dinge in Schweden in zweierlei Hinsicht in Fahrt gekommen.

Zum einen gibt es weitere Keramikhersteller, die den Weg wie Bricmate gehen, zum Beispiel die Firma Stenbolaget. Sie hat ihre Keramiken nach einer ganzen Reihe von Ortsnamen benannt, etwa Borghamn, Alböke, Kolmården und Offerdal. Alle stehen im Schwedischen für heimische Natursteine und haben einen hohen Bekanntheitsgrad.

Der in Kolmården abgebaute Kalkstein ist sogar in die Liste der Geoheritage Stones aufgenommen. Das sind Natursteine aus aller Herren Länder, die im Heimatland und darüber hinaus große Verwendung gefunden haben und finden.

„Jura“ ist ein anderer Name, den Stenbolaget seinen Keramikfliesen gegeben hat.

Screenshot der „Jura“-Webpage der Keramikfirma Stenbolaget.

Wie schon bei Bricmate wurde der schwedische Natursteinverband nun auch bei dem Übeltäter Stenbolaget vorstellig. Dessen Gründer und CEO, Johan Gustafsson, äußerte sich mit windigen Argumenten: mit der Namensgebung habe Stenbolaget ausschließen wollen, „dass andere Keramikanbieter ihre schlechteren Produkte unter diesem Namen verkaufen. Wir sind nicht die Ersten und auch nicht die Letzten, die Granitkeramik mit Markenschutz arbeiten. Deshalb erscheint Schutz notwendig.“

Außerdem habe man ja auch den echten Naturstein in der Produktpalette, so der Firmenchef: Für den Kunden sei es bereichernd, wenn er die unterschiedlichen Waren mit ihren Namen direkt nebeneinander finde.

Kai Marklin, Chef des Natursteinverbands, widerspricht vehement: ein und derselbe Name für zwei völlig unterschiedliche Produkte sei eine gezielte Irreführung des Kunden.

Er berichtet von Fällen, wo Keramiken mit schwedischen Namen schon in Schweden auf den Markt gebracht wurden, obwohl sie in Wirklichkeit aus Südeuropa kamen.

In Fahrt kommen die Dinge auch insofern, als solcher Namensschwindel in der Europäischen Union bald generell ein Ende haben wird. Denn die Geschützten Ursprungsbezeichnungen (Geographical Indications Protection) GI sind seit November 2023 in Kraft (Übergangszeit bis voraussichtlich Dezember 2025), und damit werden missbräuchliche Benutzungen geographischer Namen verboten.

Die Natursteinfirmen oder Verbände müssen aber das Schutzverfahren durchlaufen. Wir hatten darüber berichtet.

Beispiele aus Frankreich zeigen, dass es für die Natursteinseite machbar ist.

Sie zeigen auch, dass solcher Schutz auf der Gegenseite schnelle Wirkung zeigt: im Fall des französischen Kalksteins Pierre de Bourgogne hatte der Verband die Namensfälscher allein mit der Warnung vor juristischen Maßnahmen zum Einlenken gebracht.

Sveriges Stenindustriförbund (schwedisch)

See also:

(06.12.2023)