Kurioses aus der Welt der Steine: das bekannteste Beispiel für Stein auf der Bühne ist Mozarts Oper Don Giovanni mit der Statue eines Ermordeten aus weißem Marmor

Don Giovanni und der ermordete Komtur in einer Aufführung der Florida Grand Opera aus dem Jahr 2011. Foto: Knight Foundation / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a>

Wenn Stein in der Literatur, im Film oder auf dem Theater auftaucht, ist sein Image nicht positiv: er steht für Kälte, Bedrohung, oftmals auch für Tod und Unterwelt. Interessanterweise gilt das nicht für die Kunst generell – bei Skulpturen etwa hat vor allem der weiße Marmor den Status von Wertigkeit und Stil und Eleganz.

Das bekannteste Beispiel für Stein auf der Bühne ist wohl Mozarts Oper Don Giovanni nach dem uralten Don-Juan-Thema: die Hauptfigur verführt mit Besessenheit Frauen und tötet auf der Flucht sogar den Vater eines seiner Opfer. Auf dem Friedhof verspottet Don Giovanni den Ermordeten und lädt ihn ein, mit ihm zu speisen – und tatsächlich entsteigt das Opfer später als Marmorstatue dem Grab und besucht Don Giovanni. Er ermahnt ihn, von seinem Treiben abzulassen – der Übeltäter jedoch verweigert sich und wird darauf von der Erde verschlungen.

Leider haben wir nirgendwo eine Statue des Don Giovanni gefunden, auch wenn das Thema in der Literatur und im Theater so häufig behandelt wird. Aber den Komtur, das ist der Ermordete, gibt es als Bronzefigur in der Altstadt von Prag vor dem Ständetheater (Stavovské divadlo), wo 1787 die Uraufführung der Oper stattfand.

Anna Chromys Statue des Komturs in Bronze (links) und in Marmor (rechts). Fotos: Eloquenc / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a> Das Werk hat die Bildhauerin und Malerin Anna Chromy (1940-2021) geschaffen, und dazu bedarf es einer Klarstellung: denn die berühmte Figur des leeren Mantels, ihr bekanntestes Werk, wurde woanders auch unter dem Titel „Pietà“ oder „Cloak of Conscience“ aufgestellt. Eine dieser Varianten ist 4,7 m hoch und aus Carrara-Marmor gefertigt; man kann ihr Inneres betreten.
 

Natürlich kommt uns die Figur bekannt vor: Haltung und Umhang erinnern an den Oberschurken aus dem Krieg der Sterne. Für jenes Film-Epos hatte Regisseur George Lucas sich in den Märchen und Mythen der Menschheit umgesehen und als Schauplatz ein eigenes Universum rund um die Jedis als zentrale Figuren erfunden.
Eine Figur aus Stein gibt es nach unserem Wissen in dem Film-Epos nicht. Aber als Dekor kommt Stein natürlich vor: zum Beispiel als Baumaterial für den Palast von Königin Amidala oder beim Wettflug durch eine Felslandschaft, die ein wenig dem jordanischen Petra nachempfunden ist und in einer Arena nach römischer Art endet.
https://starwars.fandom.com/wiki/Theed_Royal_Palace/Legends
 

Skulptur von Jimmie Durham in Walsh Bay, Sydney. Foto: Witeghost.ink / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a> Eine gewissermaßen aktive Rolle spielte Stein 2007 in der Kunstaktion „Still Life with Spirit and Xitle“ von Jimmie Durham, in ihrem Ergebnis zu sehen unter anderem im Hirschhorn Museum in Washington DC: der Konzeptkünstler ließ von einem Kran aus einen Block aus rotem Basalt mit 9 t Gewicht auf ein Auto fallen und sprühte als Abschluss der Aktion einen Smiley auf den dicken Brocken. Den Stein hatte er aus Mexiko bezogen, wo ungefähr 2000 Jahre vorher der Ausbruch des Vulkans Xitle chaotische Lebensumstände für die Menschen geschaffen hatte. Das wollte er mit seinen Mitteln nachstellen und mithilfe des Lachgesichts das Zusammentreffen von damals und heute kommentieren. Unser Foto zeigt dieselbe Arbeit in Sydney.
https://hirshhorn.si.edu/explore/jimmie-durham-still-life-spirit-xitle/
 

Im Film „Der Mann aus Marmor“ (1977) setzt sich der polnische Regisseur Andrzej Wajda mit dem doktrinären und verlogenen sozialistischen System auseinander: Eine Filmstudentin möchte eine Dokumentation über die Helden der Arbeit in Polen erstellen, und stößt im Museum auf die Marmorstatue eines solchen, nämlich des Maurers Mateusz Birkut. Anhand von Dokumenten aus den Archiven rekonstruiert sie die wahre Geschichte. Wajdas Werk wurde zwar in Polen gezeigt, jedoch für den Export verboten. Illegal gab es eine Vorführung und Prämierung bei den Filmfestspielen in Cannes 1978.
 

Ungewöhnlich ist die Perspektive, die Regisseur Yuri Ancarani in dem Dokumentarfilmfilm „Il Capo“ über die Carrara-Steinbrüche einnimmt: zwar sieht man in dem Trailer von knapp 3 Minuten die gewaltigen Bagger, die den Fels bewegen, gesteuert aber werden sie durch bloßes Fingerschnippen eines Vorarbeiters. Der von der Marmorfirma Gemeg produzierte Film wurde vielfach ausgezeichnet.
 

Edgar Allen Poe hat in seinem wenig bekannten Roman „Umständlicher Bericht des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ schwarzen Stein als Dekor gewählt: ein junger Matrose fährt an Bord eines Walfängers in Richtung Südpol, es gibt Unglücke, Meutereien und sogar Kannibalismus an Bord und zuletzt die Ankunft auf der Insel Tsalal. Das Eiland besteht komplett aus schwarzem Granit, schwarz ist die Farbe der Pflanzen und Tiere dort und die Bewohner haben eine schwarze Haut. Weiß ist ihnen unbekannt. Die Geschichte endet abrupt, so als hätte der Erzähler abbrechen müssen, aber als würden weitere Episoden folgen.
 

Kyffhäuser-Denkmal in Thüringen. Foto: Joerg.gehlmann / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>, <a href=" https://en.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons_license"target="_blank">Creative Commons License</a> Nicht derart gruselig, aber auch nicht gerade anheimelnd sind die Sagen vieler Völker über Herrscher, die verzaubert wurden und auf ihre Wiedererweckung warten. Ein Beispiel ist die Kyffhäuser-Sage in Thüringen: dort schläft seit Jahrhunderten Kaiser Barbarossa in einer Höhle, und unaufhörlich wächst sein Bart. Regelmäßig wird der alte Herrscher wach und schaut an der Oberfläche nach, ob die Zeit reif sei für ein neues Reich – solange aber Raben um den Gipfel kreisen, schläft er wieder für ein Jahrhundert.

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(21.12.2023)