7. Ausgabe des französischen Preises für Architektur mit Naturstein 2023: vom Bauen mit kleinen Blöcken bis hin zu Trockenmauern wurde die ganze Bandbreite des Massivbauens ausgelotet

Großer Preis der Jury: überdachter Markt in Saint-Dizier. Architekten: Christophe Aubertin und Aurélie Husson vom Collectif Studiolada.

Frankreichs Natursteinpreis mit dem programmatischen Titel „Construire en Pierre Naturelle au XXIe Siècle“ (Bauen mit Naturstein im 21. Jahrhundert) wird alle 2 Jahre auf der Messe Rocalia in Lyon vergeben. Bei der 6. Ausgabe im Jahr 2023 widmeten sich alle Gewinner dem Massivbau mit Stein.

Dieses Art von Bauen hat sich in einer Marktnische nach dem 2. Weltkrieg in Frankreich erhalten. Zentrale Namen der Architekten in diesen Jahrzehnten waren Fernand Pouillon und Gilles Perraudin. Neuerdings, in Zeiten des ökologischen Fußabdrucks auch im Baugeschehen, erlebt der Werkstoff eine Renaissance. Wir zählen einige seiner Besonderheiten auf:

* Massivbauten mit Stein haben eine außerordentlich gute Bilanz an grauer Energie, da Stein von Natur aus einfach da ist. Die Gewinnung im Steinbruch und die Verarbeitung in der Fabrik mit modernen Technologien verlangt nur wenig Energie;
* Mauern aus massiven Steinquadern wirken aufgrund ihrer Trägheit als thermische Speicher, das heißt sie speichern die Kühle der Nacht und schützen vor der Hitze des Tages;
* eine Fassade aus Natursteinquadern ist auch ohne Verputz dekorativ und kann über eine angenommene Lebenszeit von 50 Jahren leicht gereinigt werden;
* wird ein Gebäude aus Massivstein abgerissen, können die Steinquader wiederverwendet werden.

Zu beachten ist: Naturstein als Baumaterial kann nur dann wirklich seine positive CO2-Bilanz zeigen, wenn er aus Brüchen von nicht mehr als 100 km Entfernung bezogen wird. Dann fügt sich ein solches Gebäude aber auch harmonisch in das Bild einer Stadt oder eines Dorfes ein.

Im Folgenden die Gewinner des 7. Wettbewerbs. Prämiert werden jüngere Bauprojekte aus Frankreich, bei denen Naturstein auf markante oder auf wegweisende Art und Weise verwendet wurde. Der Wettbewerb wird vom Verband SNROC und der Fachzeitschrift Pierre Actual ausgerichtet und von Michel Goutal betreut. Er ist leitender Architekt bei der Denkmalbehörde des Landes.

Großer Preis der Jury: überdachter Markt in Saint-Dizier. Architekten: Christophe Aubertin und Aurélie Husson vom Collectif Studiolada.Großer Preis der Jury: überdachter Markt in Saint-Dizier. Architekten: Christophe Aubertin und Aurélie Husson vom Collectif Studiolada.Großer Preis der Jury: überdachter Markt in Saint-Dizier: wie alle Städte führt auch Saint Dizier den Kampf gegen die Einkaufszentren auf der grünen Wiese und den Internet-Handel. Es geht darum, das Zentrum für die Bürger wieder attraktiv zu machen. Der überdachte Markt, geplant vom Architekten-Kollektiv Studiolada, versucht das auf mehreren Wegen: das Bauwerk passt sich nahtlos in den historischen Kern des Städtchens ein, und erreicht das, indem es traditionelle Bauformen verwendet und den aus der Gegend stammenden Baustein verwendet. Wir werden das Projekt demnächst ausführlich vorstellen.
Auftraggeber: Gemeinde Saint Dizier
Architekten: Christophe Aubertin und Aurélie Husson vom Collectif Studiolada
Steinarbeiten: SNBR, Rocamat, Polycor France
Stein: Kalkstein Pierre d’Euville
 

Kategorie Bauen in der Landschaft: „Observatoire de la Résilience“. Architekten: Replica Architecture.Kategorie Bauen in der Landschaft: „Observatoire de la Résilience“. Architekten: Replica Architecture.Kategorie Bauen in der Landschaft: „Observatorium der Widerstandsfähigkeit“ (Observatoire de la Résilience) heißt jenes schmucklose Bauwerk auf einem Hügel im Biosphärenreservat Gorges du Gardon. Dort hat der Fluss Gardon malerische Schluchten in das Bergland geschnitten, und das Gebäude will ein Beispiel für die mögliche Ko-Existenz vom Mensch und Natur sein: Es ist ganz aus Trockenmauern errichtet, in denen Tiere und Pflanzen einen Lebensraum finden wie im Buschland drumherum. Vom Obergeschoss gibt es einen Panoramablick. Im Treppenhaus hängen an den Wänden Informationen zur Geschichte des Ortes.
Bauherr: Syndicat Mixte des Gorges du Gardon
Architekten: Replica Architecture
Steinfirma: Marcopiedra
Stein: Kalkstein aus dem Steinbruch Antiquailles
 

Kategorie Stadtplanung: „Parking Paysage“. Architekt: Elisabeth Polzella.Kategorie Stadtplanung: „Parking Paysage“. Architekt: Elisabeth Polzella.Kategorie Stadtplanung: Die Gemeinde Saint-Didier-au-Mont-d’Or brauchte dringend Parkplätze im Zentrum und war bereit, dafür ein hinter einer Mauer verborgenes Gartengelände zu opfern. Die Architektin Elisabeth Polzella fand eine Lösung („Parking Paysage“ – Parkplatz-Landschaft) , die dem Ort sowohl eine Parkfläche mit 86 Stellplätzen als auch einen öffentlichen Park verschaffte. Ein Teil des Parkplatzes liegt unterirdisch und unter einem hängenden Garten. Die alte Mauer wurde aufgelöst und mit Kalksteinblöcken aus der Gegend als Wand der Parkfläche neu errichtet. Bänke aus dem alten Garten wurden aufgearbeitet und sind im neuen Park wieder aufgestellt. Die Anlage hat das Potenzial, dass sie sich in einer Zeit ohne Autos zu etwas ganz anderem weiterentwickeln kann.
Bauherr: Ville de Saint-Didier-au-Mont-d’Or
Architekt: Elisabeth Polzella architecte
Steinarbeiten: Carrières de Provence, Coquaz et Béal, Truffy Maçonnerie
Stein: Kalksteine Pierre de Vers-Pont-du-Gard und Pierre de Beaunotte
 

Kategorie Nutzgebäude: Schulzentrum La Romaine de Vers-Pont-Du-Gard. Architekten: Teissier portal Architectes.Kategorie Nutzgebäude: Schulzentrum La Romaine de Vers-Pont-Du-Gard. Architekten: Teissier portal Architectes.Kategorie Nutzgebäude: das neue Schulzentrum La Romaine de Vers-Pont-Du-Gard (30) liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Steinbruchs. Was lag näher, als das Gebäude aus diesem Material zu errichten. Eine staatliche Förderung machte das finanziell möglich. Beinahe der gesamte Gebäudekomplex wurde aus dem Kalkstein errichtet, aus dem auch Teile des berühmten Pont-du-Gard bestehen. Die Bauweise nach Art von Lego-Steinen ist für die Kinder sehr anschaulich: sie verstehen, wie ihr Schulhaus errichtet wurde und wissen auch, um was für ein Material es sich handelt. Die nebenan liegenden ehemaligen Werkshallen des Steinbruchs werden als Lager für die Gemeinde genutzt.
Bauherr: Stadt Vers-Pont-du-Gard
Architekten: Teissier portal Architectes
Steinfirmen: Carrières de Provence, Chazelle
Stein: Kalkstein Pierre de Vers-Pont-Du-Gard
Fotos: Teissier Portal
 

Kategorie Wohngebäude: Wohnhäuser Peiro. Architekten: Atelier Régis Roudil Architectes.Kategorie Wohngebäude: Wohnhäuser Peiro. Architekten: Atelier Régis Roudil Architectes.Kategorie Wohngebäude: die Wohnhäuser Peiro liegen am Zugang zur Stadt Gignac-la-Nerthe. Sie haben acht Einheiten des sozialen Wohnungsbaus und verbinden diese mit der Innenstadt, indem sie aus demselben Kalkstein errichtet sind. Andere Materialien sind Beton und Holz. Markant sind die Strukturen in den Fassaden, die aus Steinblöcken mit 32 cm Dicke per Kran zusammengesetzt wurden. Für Versorgungsleitungen wurden Kanäle aus den Steinblöcken herausgefräst. Die so entstandenen Säulen kamen wieder in der Fassade zum Einsatz, wo mit ihnen Fenster zur Zirkulation der Luft (Mashrabiyas) gestaltet wurden.
Auftraggeber: 3F Sud
Architekten: Atelier Régis Roudil Architectes
Steinfirmen: Provençale PMG, Proroch
Stein: Kalkstein Pierre de Vers-Pont-du-Gard
 

Sonderpreis der Jury: Sportkomplex Alain Mimoun d'Issy-les-Moulineaux. Architekten: Artibal Agence d’Architecture.Sonderpreis der Jury: Sportkomplex Alain Mimoun d'Issy-les-Moulineaux. Architekten: Artibal Agence d’Architecture.Sonderpreis der Jury: Sportkomplex Alain Mimoun d’Issy-les-Moulineaux. Das Projekt liegt an der Schnittstelle zweier städtischer Einheiten angesiedelt: die Festung, die durch ihre erhöhte Lage mit ihren hohen Gebäuden das Gelände dominiert, und einer dichten Vorstadt. Der Stein erinnert an die unterirdischen Steinbrüche, die im 19. Jahrhundert hier betrieben wurden.
Auftraggeber: Ville d’Issy-les-Moulineaux
Architekten: Artibal Agence d‘Architecture
Steinfirmen: Rocamat, Polycor France, Stone
Stein: Kalkstein Pierre de Massangis, Pierre de Tervoux

Pierre Actual

Fotos: Firmen

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(26.02.2024)