Beim französischen Preis für Architektur mit Naturstein 2021 wurden Gebäude in Massivbauweise ausgezeichnet

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.

Die Bauweise mit kleinen Steinquadern ist in Frankreich bekannt und gewinnt in Zeiten von nachhaltiger Architektur immer größere Popularität

Frankreichs Natursteinpreis mit dem programmatischen Titel „Construire en Pierre Naturelle au XXIe Siècle“ (Bauen mit Naturstein im 21. Jahrhundert) wird alle 2 Jahre auf der Messe Rocalia in Lyon vergeben. Bei der 6. Ausgabe im Jahr 2021 widmeten sich alle Gewinner dem Massivbau mit Stein.

Solcherart Bauen ist eine Besonderheit aus Frankreich, und sie erlebt in Zeiten von Nachhaltigkeit eine große Nachfrage. Wir zählen einige der Aspekte auf, die in den Beschreibungen zu den Gewinnern genannt werden:
* Massivbauten mit Stein haben eine außerordentlich gute Bilanz an grauer Energie, da Stein von Natur aus einfach da ist. Die Gewinnung im Steinbruch und die Verarbeitung in der Fabrik mit modernen Technologien verlangt nur wenig Energie;
* Mauern aus massiven Steinquadern wirken aufgrund ihrer Trägheit als thermische Speicher, das heißt sie speichern die Kühle der Nacht und schützen vor der Hitze des Tages;
* eine Fassade aus Natursteinquadern ist auch ohne Verputz dekorativ und kann über eine angenommene Lebenszeit von 50 Jahren leicht gereinigt werden;
* wird ein Gebäude aus Massivstein abgerissen, können die Steinquader wiederverwendet werden.

Zu beachten ist: Naturstein als Baumaterial kann nur dann wirklich seine positive CO2-Bilanz zeigen, wenn er aus Brüchen von nicht mehr als 100 km Entfernung bezogen wird. Dann fügt sich ein solches Gebäude auch harmonisch in das Bild einer Stadt oder eines Dorfes ein.
 

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.2021 Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Diesem Aspekt zollte der Grand Prix der Jury besonders Rechnung. Er ging an das Architekturbüro Gayet/Roger Architects für das neue Tourismuszentrum in der Stadt Blaye im Départment Gironde unweit der Atlantikküste. Eigentlich haben die Architekten dort ein Wunderwerk vollbracht: inmitten der kleinteiligen Fassadenstruktur pflanzten sie an eine Straßenecke ein Gebäude mit einfacher Geometrie, das eigentlich die ganze Umgebung erschlagen müsste.

Das tut es aber nicht und die Gründe dafür hängen auch mit dem verwendeten Kalkstein zusammen: er kommt aus einem Bruch in etwa 90 km Umgebung, und man kennt ihn von den Nachbargebäuden. Die Außenwand besteht aus 3 Schichten: 10 cm Stein ganz außen, dahinter einer Isolation, dann 25 cm Stein als tragendes Mauerwerk. Die Luft kann hier zirkulieren und lässt den Stein atmen. Beton wird nur für die Übergänge verwendet.

Außerdem hat das Bauwerk mit seinem Anklang an eine Festung einen Bezug zur Ortsgeschichte: die Touristenattraktion dort ist nämlich eine der vielen Festungen von Napoleons Baumeister Vauban. Schließlich: große Fenster erlauben den Blick von der Straße ins Innere des Gebäudes und laden die Touristen zum Besuch. Auf 2 Obergeschossen gibt es Terrassen, die einen weiten Blick über die Stadt erlauben.

Les Pierres de Frontenac

Gayet/Roger Architects
 

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Ein Sonderpreis der Jury ging an das Projekt „Les Carres de Lenfant“ in der Gewerbezone von Aix-en-Provence. Hier haben die Außenwände eine tragende Funktion für die Gebäude. Die standardisierten Steinquader sind 60 cm dick und dienen im Sommer als Isolation beziehungsweise im Winter als Wärmespeicher.

Es handelt sich um 6 einzelne Bürogebäude. Ihr Mauerwerk besteht aus standardisierten Elementen, was wiederum die Materialkosten als auch die Bauzeit senkt. Verwendet wurde der Pierre de Castillon du Gard aus der Umgebung.

Carrières de Provence

Battesti Associés
 

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Ein weiterer Preis ging an ein Projekt in der Schweiz in der Ortschaft Plan-les-Quates im Kanton Genf. Auch hier sind die 65 Sozialwohnungen ganz aus massiven Steinblöcken ohne Verstärkung mit Beton oder Stahl errichtet.

Dafür wurden je nach Funktion unterschiedliche Steinsorten verwendet:
* im Erdgeschoss gibt es ein gegen die Witterung sehr widerstandsfähiges Material,
* für die stark dem Regen ausgesetzten Bauteile obendrüber (Gesimse, Fensterbänke), wurde ein anderer Stein gewählt,
* im Inneren kamen atmungsaktive Sorten zum Einsatz, die zu einem angenehmen Raumklima beitragen.

Die Region ist erdbebengefährdet. So wählten die Architekten von Perraudin Archiplein Consortium eine Konstruktion, wo die Steinquader nur miteinander „verwoben“ sind.

Carrières de Provence

Archiplein

Perraudin Architecture
 

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Bei der Schule in Opio im Département Alpes-Maritimes ging es auch darum, den Kindern die Heimat nahezubringen. Dazu wurde der Kindergarten im Untergeschoss und die Grundschule obendrüber mit massivem Naturstein aus der Umgebung errichtet.

Besondere Aspekte sind der Eingang zum Kindergarten, der eine 100-jährige Eiche umgibt, und der Innenhof als Spielplatz für die Kinder. Hier sind sie geschützt vor der Sommerhitze und dem Winterwind. Die Außenanlagen bieten einen weiten Blick über die Umgebung.

Die Architekten vom Büro Teissier Portal schreiben: „Wir vermeiden unnötige und auffällige architektonische Gesten und respektieren einfach den Ort. So wird dieses Schulprojekt zeitlos, nicht von gestern, nicht von heute, sondern für immer.“

Carrières de Provence

Teissier Portal
 

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.„Stein ist ein Material, das sich selbst genügt“, schreiben die Architekten vom Büro Raphael Gabrion zu ihren 9 Sozialwohnungen mit Gewerbe im Erdgeschoss im Pariser XV. Arrondissement. Sie entschieden sich gegen die so genannten Hochleistungsmaterialien und vertrauten auf die Stärken von Massivstein, unter anderem auf dessen 100ige Wiederverwendbarkeit und eine kurze Bauzeit.

Außerdem nahmen sie Bezug auf die Pariser Geschichte und erinnerten an die Stadtgestaltung vor und nach Baron Haussmann, als Kalkstein zu einem bevorzugten Fassadenmaterial wurde. Verwendet wurde hier Stein aus den Brüchen von Saint-Maximin in 70 km Entfernung (Steinfirma Rocamat).

Rocamat

Raphaël Gabrion
 

Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Französischer Preis für Architektur mit Naturstein 2021.Das prämierte Projekt mit 8 Wohnungen für Familien im V. Arrondissement zeigte, dass mit Naturstein nicht nur rechte Winkel, sondern auch runde Formen möglich sind. Damit wollten die Architekten des Büros J-C. Quinton den oberen Geschossen ihre Handschrift aufprägen, während darunter sich die Fassade der Umgebung unterordnete.

Die Steinfassade ist selbsttragend. Das Material wurde den Brüchen von Vassens in etwa 80 km Entfernung gewonnen.

Carrières de Vassens

Jean-Christophe Quinton

Fotos: Firmen

(25.04.2022)