Bei den Lieferungen nach Europa sind die Rückgänge katastrophal und künden vielleicht von einem neuen Desinteresse der dortigen Verbraucher an fremden Materialien
Nicht gut liefen die Exporte der türkischen Natursteinbranche 2023 im Vergleich zum Vorjahr: nach Wert gab es -7,63 % und nach Tonnage -12,12 %. Angesichts der weltweit schwierigen Rahmenbedingungen war das vielleicht nicht so schlecht im Vergleich zu den anderen Größen im weltweiten Steinhandel. Jedoch tat es den türkischen Firmen nicht nur im Geldbeutel weh, denn: Damit fielen die Exporte wieder unter die Gesamtsumme von 2 Milliarden US-$.
Erst 2021 hatte man diese magische Marke von Neuem überspringen können und 2022 war man sogar den 2,1 Milliarden US-$ richtig nah gekommen. Nun also ging es wieder runter auf 1,936 Milliarden US-$.
Zu Erinnerung: Der Höhepunkt bisher waren die 2,225 Milliarden US-$ im Jahr 2013.
Werfen wir zunächst einen Blick auf die großen Zielländer der türkischen Steinexporteure:
* Beim größten Abnehmer von verarbeiteten Produkten, den USA, gab es einen kräftigen Rückgang (nach Wert -15,37 %);
* das Geschäft mit China, wohin die Türkei wie alle anderen Lieferanten nur Blöcke verkauft, erholte sich nach mehreren Jahren deutlicher Einbrüche und kam wieder auf +3,21 % nach Wert. Das ist einerseits erfreulich, bedeutet aber auch, dass der Mehrwert aus den Ressourcen der Türkei woanders erwirtschaftet wird;
* auch die seit Jahren steigenden Exporte nach Indien (zuletzt: +17,23 %) zeigen in diese Richtung.
Wir können hier die Tabelle mit allen Zielländern nicht wiedergeben. Sie ist deshalb bemerkenswert, als die Länder mit einer negativen Prozentzahl von oft -20 % und mehr zu überwiegen scheinen.
Wie kann es dann sein, dass es bei den Gesamtexporten mit „nur“ -7,63 abwärts ging?
Die Antwort liegt zum einen darin, dass die Türkei bei zwei der Zielländer mit den großen Summen (China und Indien) wieder Zuwächse erzielte.
Zum anderen zeigt die komplette Tabelle aber auch, dass das Land eine beachtliche Diversifizierung erreicht hat: Türkische Firmen liefern ihre Natursteine in fast 200 Länder. Zwar handelt es sich mitunter nur um minimale Summen und in manchen Ländern konnte man im Jahr 2023 gar nichts verkaufen. Aber Kleinvieh macht auch Mist, wie ein Sprichwort sagt.
Die Entwicklung in den Golfstaaten war alles in allem nicht so schlecht. Die Lieferungen nach Saudi-Arabien stiegen wieder um +40,74 % und nähern sich allmählich den Summen vor der politischen Krise zwischen beiden Ländern wieder an.
Auch mit Kuwait gab es +7,55 %, dafür mit den UAE –23,12 % und Qatar -42,30 %.
In Lateinamerika scheint die Türkei einen interessanten Markt erschlossen zu haben. Bei den Lieferungen nach Brasilien, das selber ein Big Player bei den Natursteinexporten ist, gab es +27,83 % (auf 7,206 Millionen US-$). Mit Mexiko erzielte man +35,64 % (auf 5,877 Millionen US-$). Dafür gab es mit Argentinien -12,51 % (auf 7,976 Millionen US-$).
Was jedoch die Exporte nach Europa angeht, traditionell ein sicherer Markt für die Türkei, waren die Zahlen katastrophal:
* Frankreich: -12,45 % (von 99,447 Millionen US-$ auf 84,444 Millionen);
* Deutschland: -51,72 % (von 65,308 Millionen US-$ auf 31,533 Millionen);
* Italien: -28,84 % (von 27,684 Millionen US-$ auf 42,479 Millionen);
* Österreich: -49,73 % (von 16,304 Millionen US-$ auf 8,197 Millionen);
* ähnlich die Zahlen für Belgien, England oder die Schweiz;
* Spanien ist die Ausnahme (+9,92 %); es hat 2023 eine positive Entwicklung seiner Wirtschaft erreicht.
Vielleicht zeigt sich in diesen Zahlen ein kommendes Problem, mit dem sich alle Lieferanten in die Europäische Union künftig auseinandersetzen müssen: angesichts der Klimakrise wenden sich die Verbraucher verstärkt hin zu heimischen Materialien mit niedrigem CO2-Fußabdruck.
In den USA ist diese Tendenz bisher nicht so prominent. Bisher.
IMIB (Istanbul Mineral Exporters’ Association)
Messe Marble, Izmir, 17. – 20. April 2024
(18.03.2024)


