Massives Bauen mit Naturstein: im „Stone Flow“-Projekt haben Studenten aus Frankreich und Ägypten ein Eingangsportal geplant und gebaut

Projekt Stone Flow.

Die Arbeit ist zu sehen an der French University of Egypt (UFE) in Kairo

Massives Bauen mit Naturstein ist aktuell ein großes Thema weltweit. Nun wurde im Rahmen des französisch-ägyptischen Forschungsprojekts „Stone Flow“ ein dekoratives Eingangsportal für die French University of Egypt (UFE) in Kairo geplant und gebaut.

Denkbar ist die Verwendung der Konstruktion auch für Villen oder offizielle Gebäude. Denn der massive Zugang strahlt Selbstbewusstsein und Haltbarkeit aus, und verwendet ein nachhaltiges Material.

Zugeschnitten und montiert wurden die Bausteine im Verlauf von sieben Tagen vor Ort. Beteiligt waren 22 Studenten der Architektur, des Designs und des Bauingenieurwesens.

Projekt Stone Flow.

Eines der Ziele bei dem Projekt war, die Ingenieursarbeit am Computer durch traditionelles Handwerk zu bereichern und umgekehrt.

Beteiligt waren zwei renommierte Institutionen in Frankreich und Ägypten: in Paris, das GSA Research Laboratory der Paris-Malaquais Architecture school, Paris Sciences et Lettres University (PSL), in Kairo die private private French University of Egypt (UFE). Zwei der Studenten hatten zuvor als Steinmetze gearbeitet.

Die architektonische Besonderheit des Portals ist sein Dach. Es ist als flache Sphäre ausgeführt und doppelt gekrümmt – nämlich von links nach rechts und ansteigend von hinten nach vorne.

Projekt Stone Flow.

Es besteht aus Bausteinen, deren Form so aufeinander zugeschnitten ist, dass sie sich gegenseitig halten. Es gibt weder Mörtel noch Verschraubungen. Vorbild war das Bauprinzip, das sich in Schriften von Joseph Abeille (1673-1756) findet. Abeille wirkte als Architekt und spielte beim Bau des Kanalsystems durch Frankreich eine wichtige Rolle.

Für die Installation wird ein Gerüst gebraucht, das aber nach dem Einsetzen des letzten Steins überflüssig ist.

Bedingung für die Stabilität der Konstruktion ist, dass die Steine mit großer Präzision zugeschnitten sind. Da man hier auf Handarbeit und nicht auf CNC-Maschinen setzte, waren einige konstruktive Vereinfachungen notwendig.

Die Bausteine sind Tetraeder.

Projekt Stone Flow.

Die Fläche des Portaldachs beträgt 1,80 x 1,80 cm. Zum Einsatz kamen 63 Einzelsteine mit 12 cm Dicke. Sie sind aus dem Tura-Kalkstein gefertigt, der auch unter dem Namen Torrah bekannt ist.

Wichtig bei der Auswahl des Materials war unter anderem, dass der Stein die aus dem Gewicht resultierenden Kräfte aushält und nicht reißt.

Die tragenden Außenmauern des Portals orientieren sich an Beispielen der islamischen Architektur in Kairo. Einzelne Bausteine blieben unbehauen, sodass sich ein lebhaftes Spiel von Licht und Schatten ergibt.

Projekt Stone Flow.

Im Mai 2024 wird es in Paris ein Seminar geben, wo massives Bauen mit Stein auf universitärer Ebene behandelt wird.

Der Tura-Kalkstein wurde schon in den Zeiten der Pharaonen südlich von Kairo abgebaut. Er war und ist wegen seines weißen Farbtons und der feinen Struktur beliebt. Schon im Alten Reich vor rund 4000 Jahren wurde er unterirdisch gewonnen.

Dieser Text basiert auf Informationen, die uns das GSA research Team mit Aly Abdelmagid, Ahmed Abouelkheir, Anahita Mirani, Paul Vergonjeanne und Roberta Zarcone sowie Philippe Bastide vom Stone and Earth Lab freundlicherweise zusandten.

École nationale supérieure d’architecture (ENSA) Paris-Malaquais

Université Paris Sciences et Lettres (PSL)

Université Française d’Égypte

Fotos: Projekt Stone Flow

Das Projektteam: (v.l.n.r.) Marceau Lheureux, Roberta Zarcone, Aly Abdelmagid, Ahmed Abouelkheir, Philiippe Bastide. Es fehlen Anahita Mirani und Paul Vergonjeanne.

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(20.05.2024)