Auf der Suche nach dem verlorenen Stein: Orianne Pieragnolo und Louis Dutrieux setzen ihre Expedition durch Eurasien fort

Schon auf der 1. Etappe 2022 war die Strecke nicht immer ein Plaisir. Foto: Louis Dutrieux

Die Steinmetzin und der Steinmetz aus Frankreich erkunden per Fahrrad die Kultur ihres Handwerks in der Ferne

Seit dem Wochenende vom 20. Mai 2024 sind sie wieder unterwegs. Die Rede ist von Orianne Pieragnolo et Louis Dutrieux, Steinmetzin und Steinmetz, die sich im Juli 2022 zu einer Reise per Fahrrad von Frankreich nach China und zurück aufgemacht hatten, um unterwegs zu erkunden, wie woanders die Steine bearbeitet werden und was dort vorherige Generationen aus dem Material geschaffen hatten. Zwischendurch waren sie vom Endpunkt der 1. Etappe nach Frankreich zurückgekehrt.

Offenbar gibt es in Frankreich ein Bedürfnis danach, das Steinmetzhandwerk neu und modern zu definieren und dafür in die Vergangenheit zu schauen – unsere Überschrift lehnt sich an Marcel Prousts berühmten Roman „Auf der Suche nach der Verlorenen Zeit“ (um 1920) an.

Die 2. Etappe führt sie nun seit Mai durch Zentralasien, namentlich Länder mit den geheimnisvollen „tan“-Namen wie Usbekistan, Kasachstan oder Aserbeidschan. Start ist in Georgien.

Die Strecke der Route de la Pierre 2024.

Mit viel Humor haben die beiden bisher die genauso anstrengende wie anregende Expedition gemeistert. Auf Facebook schrieben sie selbstironisch zu der Tatsache, dass man zuletzt nur wenig von ihnen gehört hatte: „Das war die nur Ruhe vor dem Sturm.“ Der neue Aufbruch stand unter der Parole „Auf die Pedale – Fertig – Los“, die die Zeitschrift Pierre Actual als Unterstützer erfunden hatte.

Zur Abfahrt war Großer Bahnhof angesagt: in der Stadt Meloisey, wo der Sponsor Savoirs-Pierres seinen Sitz hat, fand ein Treffen der Fangemeinde statt, und das Programm war dem Projekt angemessen: Man begann den Samstag mit einem gemeinsamen Frühstück und ging um 11 Uhr zu einer Verköstigung der Weinmarke Éveil des Sens über, auch ein Sponsor der Expedition.

Für den Nachmittag war eine touristische Erkundung in der Umgebung geplant, für den Abend wieder eine gemeinsame Speisung. Parallel dazu zeigten im Ort Steinmetze ihre Arbeit.

Am Sonntag eskortierte die Fangemeinde (auf Fahrrädern) die beiden Fernradler zu einem Campingplatz – „nur circa 30 Minuten Fahrzeit entfernt“, wie Pierre Actual wohl in Kenntnis der Beteiligten herausstellt. Danach blieb die Horde für die Übernachtung gleich an Ort und Stelle.

Am nächsten Tag haben die beiden sich dann auf den Weg gemacht und Georgien als Startpunkt angesteuert.

Auf der Strecke liegt auch eine Überquerung des Kaspischen Meeres.

Im Sommer 2022 hatten sie gut 4100 km von Frankreich nach Bulgarien zurückgelegt. Ein Großteil des Weges führte entlang der Donau.

Orianne Pieragnolo und Louis Dutrieux. Screenshot aus dem Video von der Messe Rocalia 2023.

Nach detaillierter Vorbereitung und häufigem Vertrauen in das Glück des Projektes besuchten sie dabei rund 100 Steinmetzwerkstätten am Weg. Dabei ging es nicht nur um Arbeitstechniken woanders. Besonders tief tauchten sie in die Frage ein, wie ehemals der Know-how-Austausch zwischen den Ländern vor sich ging und was eigentlich die Identität des Steinmetzberufs ist.

Mit hörbarer Faszination berichteten sie auf der Messe Rocalia 2023 von der Traditionspflege bei den Steinmetzverbänden in Deutschland, Österreich, Ungarn und Bulgarien.

Monatlich veröffentlichen die beiden (auf Französisch) Berichte ihrer Abenteuer. Das Abonnement ist kostenlos.

La Route de la Pierre

Abriss des Projektes, 2. Teil (französisch)

Video von der Messe Rocalia (französisch):

See also:

(03.06.2024)