Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.

Urwüchsige Kristalle sind in Alltagsgegenstände aus geometrischem Onyx oder Travertin integriert

Noch nie war Geologie so sehr das Thema bei den Kollektionen, die die Firma Budri und die Designerin Patricia Urquiola auf den Markt gebracht haben. „Geodies” (Geoden) ist der aktuelle Tiel und verwendet wird dafür das weite Feld von Rohstücken bis hin zu besonderen Kristallen, und diese jeweils in den außergewöhnlichsten Farben, die die Natur bietet. Wir vermuten: Firma und Designerin greifen mal wieder eine aktuelle Stimmung in der Gesellschaft auf, diesmal die Urkraft der Natur, die sich aktuell überall auf der Welt in Wetterextremen zeigt, und die in der Kollektion künstlerisch dargestellt wird.

Budri ist ein Traditionsunternehmen mit Sitz im italienischen Mirondola in der Emilia Romagna. Das Unternehmen zählt zur Spitzenklasse in Sachen Gestaltung mit Naturstein. Patricia Urquila wurde in Spanien geboren und lebt in Mailand. Bei ihrer Zusammenarbeit mit Budri hat sie immer wieder über den jeweiligen Mainstream hinaus Ideen für die Verwendung von Stein entwickelt. Zum Beispiel gab sie in ihren Installationen schon früh den Reststücken aus der Verarbeitung ein 2. Leben; Budri förderte die Ideen und setzte sie handwerklich um.

Nun also die Kräfte der Natur, vielleicht. Um sie darzustellen, gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann das große Getöse aufziehen lassen, oder feinfühlig daran arbeiten. Firma und Designerin gehen den 2. Weg, natürlich. Denn ihre Objekte sind für den Verkauf gedacht und in einigen Fällen sogar für die Benutzung als Alltagsgegenstände.

Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.

Zum Beispiel der große „Mass Quarz” Esstisch. Sein Unterbau ist dem Bergkristall nachempfunden – hier riesenhaft vergrößert, sodass man sich beinahe erschreckt über die überdimensionierte Schönheit. Natürlich trägt der Unterbau, von Menschenhand aus Einzelstücken geschaffen, im Inneren ein Gerüst, das das Ganze trägt.

Beinahe minimal ist hingegen die Tischplatte obendrauf, die aufgrund der abgeschrägten Ecken noch dünner erscheint, als sie ohnehin ist.

Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.

Beim „Corteza” Esstisch wird das Arrangement variiert: Die Platte ist aus einem weißen Onyx gefertigt, der mit Harz zu einer Rundung ergänzt wurde. Die Ränder sind nicht perfekt rund. Beim Unterbau wurden Abfallstücke verwendet, ebenfalls mit Harz ergänzt.

Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.

Richtig kleinteilig sind gegenüber diesen massiven Möbelstücken die sechs Tischspiegel. Einem geometrischen Block ist hier ein Kristall mitgegeben. Als Materialien stehen dem einfarbigen Onyx in Rosa, Weiß und Grün beziehungsweise dem cremefarbenen Travertin die ungezügelten Kristalle gegenüber. Besonderheit im Arrangement ist, dass die Benutzer des Spiegels sich selbst von vorne und den Kristall von hinten sehen.

Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.

Dieser Kontrast zwischen Rohstück und bearbeitetem Stein wird bei den Kaffee- und Bestelltischen auf die Spitze getrieben. Hier drängt sich die künstlerische Gestaltung ganz in den Vordergrund – diese Objekte sind eher „funktionale Skulpturen” als Produktdesign.

Budri, Patricia Urquiola: Kollektion „Geodies”.

Schließlich das „Geodie Artwork”. Es ist eine Installation für die Wand, bei der aus sandfarbenen Kalksteinbändern verschiedene Marmorsorten hervortreten. In ihnen spiegelt sich die Erosion als weitere Kraft der Natur, die kaum erkennbar ist, weil sie über lange Zeiten wirkt. Damit schließt sich der Kreislauf der Natur: war bei den Objekten das Wachstum eines der Themen, ist es hier die Auflösung.

Im Gespräch bei der Präsentation im Rahmen der Milan Design Week sagte uns Alessandra Malagoli Budri, Art Direktorin bei Budri, dass sie als Kind sich immer Steine gekauft und daraus mit Begeisterung Ketten und mehr gefertigt habe. Besonders fasziniert hätten sie dabei die Kristallformen.

Patricia Urquiola sei mit Begeisterung auf die Idee eingestiegen.

Budri

Patricia Urquiola

Fotos/Renderings: Budri

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(12.07.2024)