Antonio Vigo: „Unlimited Dreams“, Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.Antonio Vigo: „Unlimited Dreams“, Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.

Ohne Angst vor Grenzüberschreitungen entwickelte er dafür sein eigenes Werkzeug

Antonio Vigo als Steinbildhauer zu beschreiben greift zu kurz, auch wenn die meisten seiner Arbeiten monumentale Skulpturen in Marmor oder Granit sind. Im Mittelpunkt des Interesses des spanischen Künstlers steht der dreidimensionale Raum.

Und, nicht zuletzt: Vigo ist auch eine Art künstlerischer Ingenieur, denn er hat für seine jüngste Arbeit „Unlimited Dreams“ auf dem Tuwaiq Sculpture Symposium 2024 in der saudischen Hauptstadt Riad sogar ein eigenes Werkzeug entwickelt.

Antonio Vigo: „Unlimited Dreams“, Tuwaiq Sculpture Symposium 2024.

Zur Beschreibung seines Lebenswegs geben wir einfach einen Abschnitt von seiner Webpage wieder: „Antonio Vigo (geb. 1972) ist Bildhauer und Professor für Bildende Kunst an der Universität Rey Juan Carlos in Spanien. Er besuchte 1992 die Kunstgewerbeschule und erwarb 1999 einen Abschluss in Bildender Kunst an der Universität Complutense in Madrid, wo er 2010 auch mit einer besonderen Auszeichnung promovierte. Vigo ist auch ein Forscher mit einem starken Fokus auf visueller Kunst und dreidimensionalen Projekten.“

Zu seinen Arbeiten nicht in Stein zählt zum Beispiel die Installation „Mareas y Destierroz“ (Gezeiten und Vertreibung, 2019): Es handelt sich um Kolonnen von Buchstaben, die an Hauswände geworfen werden und aus denen sich spanische Wörter herausschälen. Mit ihnen hat Vigo die Migration von Afrika übers Mittelmeer und deren Darstellung in den Medien thematisiert.

Ein ähnliches Beispiel einer visuellen Arbeit, die im offenen Raum stattfindet, war 2018 „La piel de la piedra“ (Die Haut des Steins): Dafür ließ er Projektoren geometrische Umrisse an die Wände in einem Steinbruch in Seravezza unweit von Carrara werfen, sodass immer wieder Teile des Steins aus der Fläche hervortraten beziehungsweise in ihr verschwanden.

Antonio Vigo: „Change“, China, 2018.

Wichtig für ihn ist, dass seine Arbeiten jeweils einen konkreten Bezug zum Standort und zur Zeit der Entstehung haben.

Bei „Limitless Dreams“ für das Tuwaiq Symposium ging es um die Zyklen, die sowohl die Natur als auch das Denken vieler Kulturen bestimmen: Die Arbeit „symbolisiert das Unendliche und die immerwährende Bewegung, inspiriert durch das Konzept des ewigen Kreises, der wiederum für eine Gesellschaft steht, die aufgrund ihrer Traditionen und Bräuche eine reiche Kultur mit dynamischem Fortschritt in Einklang bringt,“ wird er auf einer Webpage seiner Universität zitiert.

Man könnte es auch einfacher formulieren: Für das tief religiöse Gastgeberland hat er die Religion und ihre wiederkehrenden Rituale in dem Millionen Jahre alten Granit aus Saudi-Arabien umgesetzt.

Antonio Vigo: „Cities of the Reason“, 2016.

Alle Arbeiten Vigos in Stein sind von der Präzision der geometrischen Form geprägt. In diesem Fall ging es um die Bahnen der Himmelskörper, eingebunden in zwei Platten, die leicht gegeneinander verschoben sind.

Das in der begrenzten Zeit des Symposium von 4 Wochen vor Ort hinzubekommen, war die spezielle Herausforderung bei dieser Arbeit. Normalerweise würde man das nämlich von einer CNC-Maschine mit Roboterarm und Schleifwerkzeug machen lassen. Das ging auf dem Symposium aber nicht.

Vigo, trotz aller immateriellen Arbeiten im Herzen doch immer auch ein Bildhauer, der gerne das Werkzeug in die Hand nimmt, entwickelte also selbst eine spezielle Führung für das Werkzeug.

Antonio Vigo.

Und während er im Vorfeld des Symposiums mit den technischen Fragen beschäftigt war, geriet er in den Bereich der Philosophie: „Die fundamentale Herausforderung für dieses Projekt war, die Umsetzung einer Idee in Materie zu realisieren, und am Ende ist das ganze Kunstwerk nichts anderes.“

Seine Antwortmail auf unsere Fragen lässt er mit folgender Bemerkung zu Ende gehen: „Ich finde diesen Teil meiner Arbeit faszinierend und betrachte ihn als ein Element meines kreativen Prozesses, und ich bin sehr dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, ihn in Riad in die Praxis umzusetzen.“

Antonio Vigo

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(22.07.2024)