Zentrale Themen waren wieder Verwendung natürlicher Materialien und auch Wiederverwendung
Nachhaltigkeit, hier im Sinn von Verwendung natürlicher und auch wiederverwendeter Materialien war eines der zentralen Themen bei der Chelsea Flower Show 2024 (21. – 24 Mai). Dieses Superevent der Royal Horticultural Society (RHS) bringt jedes Jahr um die 168.000 Besucher in dem Londoner Stadtteil zusammen und bietet ihnen nicht nur thematische Anregungen für Blumen und Pflanzungen, sondern auch Beratung, die in diesem Jahr rund 4150 der Besucher nutzen.
Zahlreiche Schaugärten behandeln einzelne Themen oder setzten die Inhalte ihrer Initiatoren mit „grünen“ Mitteln um. Wir haben uns umgeschaut, wo Naturstein eine Rolle spielte. Auffallend war, wie oft in den Beschreibungen der Verzicht auf Zement für die Installationen und die Wiederverwendung von Materialien erwähnt wurde.
Beim Schaugarten „Planet Good Earth“ (Foto oben) ging es um essbare Pflanzen, die man auf der Wiese finden oder rund ums Haus heranziehen kann. Das Design war überraschend: im Mittelpunkt der Anlage verlief eine Skaterbahn aus Granitplatten. Damit sollte eine gewöhnliche Umgebung nachgebildet und sollten junge Leute für das Thema interessiert werden. „Angelegt wurde der Garten von einer Gruppe von Skatern, Lebensmittelproduzenten und Eltern, die der Meinung sind, dass Grünflächen, Begeisterung und gutes Essen im Mittelpunkt unserer Gemeinden stehen sollten“, heißt es in einer Beschreibung. Nach dem Ende der Schau wird der Garten in der Gemeinde Hay-on-Wye in Wales wieder aufgebaut.
Design und Ausführung: Betongpark & Urban Organic
Den „Bridgerton Garden“ betritt man durch eine große „Mondpforte“ in einer Mauer. Dahinter öffnet sich eine verwunschene Anlage mit Gelegenheiten zum Hinsetzen. Erinnert wird an die Netflix-Serie um Penelope Featherington und ihre Familie.
Design: Holly Johnston; Ausführung: Stewart Landscape Construction

Ein anderer Rückzugsort wird im Garten „Killik & Co: ‘Money Doesn’t Grow On Trees‘“ inszeniert. Er ist gemeint für Familien zum Zusammensitzen. Ein Weg aus Kalksteinplatten führt zu einem Teich. Der wird gespeist von einer Wasserleitung, die oben auf den Steinpfosten verläuft.
Design: Baz Grainger; Ausführung: Landform Consultants
Bei einigen Schaugärten ging es um Gesundheit und Medizin
Der „Terrence Higgins Trust Garden“ erinnerte an die Zielsetzung, dass es bis zum Jahr 2030 keine neuen Fälle an HIV mehr geben soll. Gestaltet wurde ein Ensemble ähnlich einem aufgelassenen Steinbruch mit einer Wasserfläche mit steigendem und fallendem Niveau. Ein Findling erinnert an die Toten und zeigt gleichzeitig den Übergang zu besseren Zeiten.
Design: Matthew Childs; Ausführung: Yoreland Design Ltd
Der Garten „Burma Skincare Initiative Spirit of Partnership“ nahm Bezug auf die globale Initiative mit diesem Namen, die die Hautärzte in dem asiatischen Land unterstützt. Sie benutzen vor allem pflanzliche Wirkstoffe. Zum Ausruhen diente eine Bank als Trockenmauer, die die Form des 28. Buchstabens des Alphabets aus Myanmar aufgreift. Er benennt das Wort Lar, das „zusammenkommen“ bedeutet.
Design: Helen Olney; Ausführung: Conquest Creative Spaces
Der „The Freedom from Torture Garden: A Sanctuary for Survivors“ ist als Ort des Friedens und der Ruhe angelegt. Er soll Folteropfern helfen, Abstand zu den Erlebnissen zu finden und in die Normalität zurückzufinden.
Design: John Warland & Emma O’Connell; Ausführung: Living Landscapes
Der „Sanctum“-Garten hat eine Sitzgruppe aus dunklem Holz im Zentrum und dahinter eine schützende Steinwand. In der Beschreibung heißt es dazu: „Als ruhiger Zufluchtsort bietet er einen Raum, in dem man sich von der digitalen Überlastung und der Hektik des Geschäftslebens erholen kann.“
Design: Sonja Kalkschmidt; Ausführung: Rupert Crowton Rowarth
Wasser tauchte als Thema in mehreren Projekten auf
Beim „mgr Changing Tides Garden“ wurde eine Küstenlinie ohne Brandung nachgebildet. Sie zeigte kleine Kiesel und große Brocken, auf deren Oberfläche Pflanzen sich Lebensräume erobert haben.
Design: Lucy Mitchell, Ausführung: Big Fish Landscapes
Der „Flood Re: The Flood Resilient Garden“ widmete sich dem Thema von Starkregen. Es wurden Optionen durchgespielt, wie man in einem normalen Hausgarten Wasserlöcher oder Auffangbehälter installieren kann und der Garten dennoch begehbar bleibt.
Design: Naomi Slade & Dr Ed Barsley; Ausführung: Belderbos Landscapes, in association with Water Artisans
Im Garten „MOROTO no IE“ ging es vor allem um das Begrünen von Mauern, sofern reichlich Feuchtigkeit vorhanden ist. Dicke Moospolster lassen die scharfen Kanten der Steine verschwinden.
Design: Kazuyuki Ishihara; Ausführung: G-Lion Group
Royal Horticultural Society (RHS)
Fotos: RHS
(07.08.2024)

