Es ging darum, Bauleute mit dem neuesten Wissen über das alte Material und mit praktischen Erfahrungen zu versorgen
Die Unternehmensstiftung Hermès (Fondation d’entreprise Hermès) veranstaltet seit 2014 alle zwei Jahre über zwei Jahre eine Akademie des Know-hows (Académie des savoir-faire), die sich in ihrer 6. Ausgabe dem Naturstein widmete. Ein Semester lang gab es Vorträge zu verschiedenen Aspekten der Verarbeitung und Verwendung des Materials, später gefolgt von einem künstlerischen Projekt, das die Teilnehmer zusammen bearbeiteten.
Hermès ist eine der großen französischen Modemarken. Das Unternehmen wurde 1837 in Paris als Sattlerbetrieb gegründet. Zusammen mit Louis Vuitton zählt es heute zu den Luxusmarken mit dem höchsten Wert weltweit.
Am besten kann man sich die Akademie als eine Art Thinktank mit Praxisanteilen vorstellen: Diesmal sollten 21 Architekten, Designer, Bauingenieure und Künstler in Vorträgen das Basiswissen über die Verwendung von Stein ehemals und heute vermittelt bekommen, und als Abschluss in einem Workshop zusammen mit erfahrenen Steinmetzen dieses Know-how kreativ umsetzen.
Wie bei der Hermès-Akademie üblich, ging der Denkansatz über das reine Faktenlernen hinaus: Die Teilnehmer sollten begreifen, was mit Stein gemacht werden kann, und auch mit den Praktikern zu einem Austausch kommen – voneinander Lernen war das Schlagwort. In den Unterlagen zum Abschlussworkshop tauchen an einer Stelle die Begriffe „Schwarmintelligenz“ und „ein sektorübergreifender, vorausdenkender Ansatz“ auf.
Im 1. Halbjahr 2023 fanden öffentliche Vorträge statt. Man kann sie auf Youtube anschauen. Wir haben unten zu dem Mitschnitt der Veranstaltung im Arsenal in Paris verlinkt. Themen waren dort:
* Das Bauen der Nabatäer, Stichwort Petra in Jordanien, Referentin: Laïla Nehmé, Archäologin und Direktorin am Centre nationale de la recherche scientifique (CNRS);
* Mauern des Architekten Carl Fredrik Svenstedt, Paris, und die Verwendung der CNC-Technik (siehe See also unten);
* Varianten des modernen Massivbauens mit Stein, Pierre Bidaud (Steinmetz und Vordenker) und Amin Taha (Architekt), beide London;
* eine „meteorologische Architektur“, Philippe Rahm, Architekt, Paris.
Daran schlossen sich Besuche in Steinbrüchen und bei Firmen an.
Im 2. Halbjahr kamen die Teilnehmer für einen 14-tägigen Workshop in der Stadt Saumur zusammen, einer der Stationen auf der Route der Schlösser der Loire. Anwesend waren dort auch erfahrene Steinmetze der Compagnons du Devor. Das ist eine Berufsorganisation, die unter anderem sich für die Wanderschaft (Walz) der Steinmetze stark macht.
Die Künstlerin Lina Ghotmeh hatte die Federführung bei dem Treffen in Saumur. Es ging um praktisches Knowhow, etwa Einlegearbeiten oder Gravieren und genauso auch um Konstruktionsprinzipien mit Stein, etwa Stereotomie.
Die Teilnehmer hatten einen Steinblock mit 25 cm Kantenlänge zur Verfügung, um ihre Ideen zu realisieren.
Die Arbeiten sind noch bis zum 04. November 2024 in der Domaine du Chaumont-sur-Loire (flussaufwärts zwischen Tours und Blois) zu sehen. „Die Installation spiegelt die vielen miteinander verflochtenen Disziplinen der Akademie, darunter Poesie, Geologie, Geschichte, Dekoration und Architektur“, heißt es in den Unterlagen der Akademie.
Einige Fundstücke vom Flussufer der Loire wurden eingearbeitet, außen ist ein Gedicht eingraviert.
Bei der nächsten Akademie 2025 wird es um Papier gehen.
Video: Vorträge (französisch)
Video: Abschlussprojekt (französisch)
(06.09.2024)




