Verwendet wurden nur Stein und Holz im Stil eines heimischen Schafstalls, aber mit sorgfältigen und modernen Gestaltungsdetails
Das Einfamilienhaus sehe aus wie „ein Schafstall“, schreibt der Architekt selbst, und das ist so gewollt. Denn Gilles Perraudin, bekannt für Gebäude, die sich in die Umgebung einfügen und für die nur lokale Materialien verwendet werden, hat den Neubau im Vercors-Gebirge als Rückzugsort für eine Familie aus der Stadt gebaut: Das Haus macht kein Aufheben von sich und verrät nur wenig von seinen Bewohnern, denn das Dach ist flach und ragt über die Hauswände hinaus; das Gebäude selbst ist niedrig, langgezogen und steht auf einer Terrasse am Hang im 300-Einwohner-Dorf Rencurel unweit der Großstadt Grenoble.
So sehen dort die Ställe aus, in denen die Schafe für den Winter untergebracht werden.
Bei näherer Betrachtung erkennt man aber Perraudins Leidenschaft für sorgfältig gestaltete Details.
Die Steinpfeiler sind wie Pyramiden ausgeführt: Für jeden von ihnen sind drei Steinquader übereinandergestapelt, die sich nach oben verjüngen. Jeder Pfeiler wiegt insgesamt fünf Tonnen. Das Material ist Kalkstein vom nahen Pont du Var.
Im Licht der Sonne strahlt der Stein sommers wie winters, dass es eine Freude ist.
Bei den Außenwänden zwischen den Säulen erweckt der Architekt den Eindruck, als wären es nur ungesäumte Holzlatten, wie man es von den Tierställen oder Heulagern im Gebirge kennt. In Wirklichkeit sind es Holzwände mit einer Wärmedämmung und Gipsplatten innen.
Ein weiteres zentrales Element der Konstruktion ist die Galerie von Baumstämmen, auf denen der Dachfirst ruht. Die Fichten sind in den Wäldern der Gegend gewachsen und wurden in einem Sägewerk in circa 10 km Entfernung nur geschält. Eine chemische Behandlung haben sie nicht erfahren, schreibt der Architekt.
Das Dachgebälk besteht ebenfalls aus Fichtenholz, hier zu rechteckigen Balken gesägt.
Mitsamt den Fassadenlatten aus Lärche wurden insgesamt 20 m³ Holz verbaut.
Zur Talseite hin sind die Fenster als Türen bis auf den Boden gezogen. Das gibt den Blick frei auf das fantastische Panorama der Bergkette gegenüber und ihren hellen Riffkalken, die vor vielen Millionen Jahren Meeresboden waren.
Außerdem gibt es zwei Terrassen auf der Südseite: die eine ist ein großer verglaster Raum; davor liegt ein Freisitz, ebenfalls noch unter dem Schutz des Daches.
Der Architekt schwärmt in einer Beschreibung von der Gegend und nennt die Atmosphäre „pastoral“: „Das Grundstück schaut Richtung Osten und genießt mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne ein Schauspiel, das sich je nach Jahreszeit von grün zu weiß wandelt.“
Ein paar Schritte hangabwärts liegt der Swimmingpool.
Atelier Architecture Perraudin (französisch)
Fotos: 11h45: photographie d’architecture
(11.09.2024)








