Die Fassadenmauern des Showrooms sind dick, aber gar nicht schwerfällig und auch nicht langweilig
Der französische Architekt Gilles Perraudin ist bekannt dafür, dass er die Dinge gerne anders denkt als üblich. Schließlich hat er in den vergangenen mehr als drei Jahrzehnten unbeirrt das Bauen mit Massivstein propagiert, als die Fachkollegen solche Konstruktionen nur mit Kopfschütteln betrachteten und das Material allgemein als altmodisch und hinterweltlerisch betrachteten. Nun hat ihn die Firma Carrières de Provence, eine große Steinbruchgruppe im Süden Frankreichs , damit beauftragt, einen Showroom im Steinbruch Fontvieille zu bauen, und das Ergebnis ist ein echter mit spielerischer Hand konzipierter „Perraudin“.
Zum Beispiel: Massivbauen mit Stein bedeutet naturgemäß kompakte Wände, hier zudem dicke Wände, wenn man den Isolationseffekt des Materials ausnutzen und Energie sparen will. Das macht auch Perraudin in Fontvieille so, schließlich liegt der Ort in der Provence nicht weit von Arles, und dort knallt die Sonne im Sommer richtig vom Himmel.
Aber Perraudin schaut sich ein bisschen in der Gegend um, philosophiert in einer Beschreibung ein bisschen über die Erde, die Gewinnung der Steine im Bruch und Architektur generell, und am Ende sind die Mauern des neuen Showrooms von offenen Linien wie Wasserflächen in einem Steinbruch durchzogen.
Die Steine für die Mauern sind Blöcke mit Trapezgestalt in 3D, also Quader mit einer schiefen Fläche, und die dreht der Architekt mal in die eine, mal in die andere Richtung, oder lässt sie sogar aus der Front herausragen.
Die offenen Gräben oder Flächen sind natürlich Fenster und folglich mit Glas verschlossen.
Die Tür ist eine eigene Besonderheit. Allein schon die Installation dürfte nicht billig gewesen sein. Die große Fläche ist mit Dünnstein verkleidet.
Im Inneren des Showrooms mit 70 m² Fläche ist die Landschaft von draußen nachempfunden: Ein paar Kakteen sind gepflanzt und die verschiedenen Oberflächen des Kalksteins Pierre de Fontvieille (auch bekannt als Pierre de Provence) werden gezeigt.
Natürlich produziert die Firma nicht nur kleine Blöcke fürs Massivbauen, sondern auch Platten in vielen Größen und mehr. Die großen Platten dienen hier als Dekoration für die Wasserflächen am Zugang.
Übrigens: Das Gebäude ist auch insofern ein „Perraudin“, als es demontierbar ist. Die Steinblöcke sind ganz ohne Mörtel aufeinandergeschichtet. Die Fugen sind mit Steinmehl verschlossen. Damit wird die Kreislaufwirtschaft am Bau möglich: am Ende der Lebenszeit eines Gebäudes kann man die Wände wieder auseinandernehmen und die Steine von neuem verwenden. Peraudin propagiert das seit langem.
Der Titel für den Showroom ist „Evas Garten“ (Jardin d’Eve).
Beidseitig des neuen Showrooms gibt es zwei schmucklose Gebäude aus den 1950ern. Sie haben ebenfalls massive Steinwände, allerdings ohne Spielerei. Sie sind im Stil von Vordenker Fernand Pouillon errichtet, der sich nach dem 2. Weltkrieg für die Wiederentdeckung von Stein als Baumaterial stark machte.
Carrières de Provence (französisch)
Atelier Architecture Perraudin (französisch)
Fotos: 11h45: photographie d’architecture
(05.08.2024, USA: 08.05.2024)








