Johannes Kroeker (links) & Elias Nunner.

Okee, ein Eingeständnis vorab: Gelegentlich neigen wir zu spinnerten Beschreibungen.

So vielleicht auch diesmal, nachdem wir das etwa acht Minuten lange Video von der Klangskulptur gehört und gesehen haben. Sie wurde im Rahmen des Vinschgau Symposiums (13. Juli bis 04. August 2024) in den Bergen von Südtirol geschaffen. Nachher haben wir partout die Frage nicht aus dem Kopf herausbekommen, ob die Menschheit vielleicht doch schon Kontakt hatte und dass die Gestalten im Video Außerirdische waren. Denn sie hielten ihre Gesichter immer hinter fremden Masken verborgen, machten allerlei seltsame Bewegungen und es waren fremde Töne zu hören, die wir keinem Ort auf dem Planeten Erde zuordnen konnten.

Aber, wir geben Entwarnung: Diese Wesen waren mit guten Absichten in die Berge gekommen und sie schienen mit Wohlbehagen den weißen Lasa-Marmor zu bearbeiten.

Die Klangskulptur, von der wir das Video gesehen haben, wurde von Johannes Kroeker & Elias Nunner aus Regensburg geschaffen. Zusammen sind sie das Künstlerkollektiv Juhu Juhu, dessen Name schon die Richtung ahnen lässt, in die ihre Arbeiten gehen.

Sie waren eine der vielen Besonderheiten des Bildhauersymposiums, das im Sommer 2024 im oberen Tal der Etsch stattfand. Neben den sechs internationalen Künstlern, die ihre Formen wie üblich aus Rohblöcken des lokalen Marmors herausarbeiteten, waren zwei kreative Duos eingeladen, die sich künstlerisch Randaspekten des Steins annähern sollten. Zwei dieser „Skater“, wie die Organisatoren sie nannten, waren die beiden deutschen Soundkünstler.

Und, wir haben gelernt: Auch sie hatten eine Skulptur geschaffen, allerdings eine immaterielle.
 

Anders formuliert: So wie die (echten) Bildhauer den Stein umformten, der in rund 2000 m über dem Meeresspiegel im Berg abgebaut wird, so hatten die beiden Soundkünstler sich die Töne und Bilder vorgenommen, die dabei entstehen.

Und ausschließlich diese Töne und Bilder, wie sie in einer Mail betonen.

Das war ihr Material, und das hatten sie umgeformt. „Johannes formte aus den rohen Soundaufnahmen Beats und Melodien, indem er sie digital modellierte. Elias visualisierte den entstandenen Sound durch Bilder und machte ihn sichtbar“, schreiben sie in ihrer Antwortmail auf unsere Fragen.

Solche Arbeiten machen junge Leute Mitte 20 wie sie heute nicht mehr mit großer Studiotechnik. „Wir haben uns mit Laptops und Kaffee auf die Terrasse gesetzt“, beschreiben sie ihren bevorzugten Arbeitsplatz. Gewöhnlich ist es das Ribislhaus in Regensburg, ein Kulturhaus, das sie gemeinsam organisieren und wo sie ihre Arbeitsplätze haben.

Allerdings stehen sie größeren Werkzeugen nicht negativ gegenüber: „Für aufwendigere Projekte leihen wir uns die Technik.“

Johannes Kroeker ist zuständig für die tönenden Seiten der jeweiligen Klangskulptur. „Ich arbeite nicht mit Musikinstrumenten, sondern modelliere ausschließlich die Sounds, die wir an Ort und Stelle gesammelt haben. Ich bearbeite sie mit Effekten, dass sie teils ähnlich wie Instrumente klingen können.“

Elias Nunner ist der Mann für die Bilder und ihre Bearbeitung. Durch sie wird neben der Ebene des Hörens auch die des Sehens bespielt. „So entsteht eine zusätzliche Tiefe“, schreiben sie ganz entspannt von einer anderen Terrasse. „Im Zusammenspiel von Sound und Video wird ein Raumerlebnis erschaffen, welches zwar nicht physisch anzufassen, aber trotzdem räumlich erlebbar ist.“

Johannes Kroeker (links) & Elias Nunner.Elias hat Kunstgeschichte studiert, eine Ausbildung zum Mediengestalter Digital/Print absolviert, und arbeitet auch freiberuflich als Grafikdesigner. Zum Medium Film kam er über die Fotografie.

Johannes hat eine Ausbildung als Holzbildhauer absolviert und ist als Musiker und DJ aktiv. In den Klangskulpturen kann er die verschiedenen Welten gut miteinander verbinden.

Das Know-how dafür haben sich beide „viel durch Selbststudium angeeignet“, wie sie schreiben.

Als jüngste Initiative haben sie „zusammen mit anderen Kulturschaffenden den Verein ‚Mucks Maus Wild‘ gegründet und beschäftigen sich mit partizipativer Kunst und der Erschließung von Kulturräumen“.

Johannes Kroeker

Elias Nunner

Fotos: Tobel