Noch bis zum 30. April 2025 findet im Emirat Abu Dhabi die Public Art Biennale statt. Schauplätze sind die Stadtzentren in der Hauptstadt Abu Dhabi und in der Großstadt Al-Ain etwa 160 km entfernt an der Grenze zu Oman. Im Rahmen der Schau präsentieren 70 einheimische und internationale Künstler Skulpturen, Installationen oder Vorführungen, die sich um das Thema „Public“ (Öffentlich) drehen.
Hintergrund ist eine Standortbestimmung: Traditionell sei die Kultur in dem Emirat mit 1,5 Millionen Einwohnern und 972 km² Fläche, von Werten wie Gastfreundschaft und Großzügigkeit geprägt – Verhaltensweisen, die man traditionell mit den Nomadenvölkern der Wüste in Verbindung bringt. Inzwischen aber ist das Land von Zuwanderung geprägt – 82 % seiner Einwohner kommen von woanders, darunter auch ein hoher Anteil an Hochqualifizierten, die sich für die gut bezahlten Jobs vor Ort interessieren.
Abu Dhabi habe eine „vielfältige Population“, heißt es in einem Konzeptpapier des Department of Cultur and Tourism als Veranstalter der Biennale. Indem Kunstwerke im öffentlichen Raum aufgestellt oder aufgeführt werden, will man ein Bewusstsein der Bürger für den Ort und die Gemeinschaft schaffen: „Die Biennale ist eine Hommage an die Kunst im öffentlichen Raum, eine wertvolle Ressource, die für alle zugänglich sein sollte.“
Neben der Public Art Biennale gibt es im jährlichen Wechsel noch die Manar Abu Dhabi. „Manar“ heißt auf Arabisch Leuchtturm, folglich liegt der Fokus hier auf der Kunst mit Licht. Sie fand 2023 zum ersten Mal statt.
„Interspecies Assembly“ der Künstlergruppe „Superflex“
Von der Public Art Biennale zeigen wir die Arbeit „Interspecies Assembly“ (Artenübergreifende Versammlung) der dänischen Künstlergruppe „Superflex“. Es handelt sich um einen Kreis von Steinen aus portugiesischem Pink Marble im Capital Parc der Hauptstadt. Es soll ein Treffpunkt sein, wo Menschen und andere Lebewesen zusammenkommen und für eine Weile das Bewusstsein um die Welt miteinander teilen – die Anwesenden sollen explizit auf die Töne und Geräusche hören, die die anderen Lebewesen in dem öffentlichen Park machen.
Darin steckt generell eine Kritik an den Menschen, die sich als Krone der Schöpfung verstehen: „Wenn sie ihren menschlichen Exzeptionalismus aufgeben und zuhören lernen, könnten sie die Stimmen anderer Lebensformen erkennen“, schreiben die Künstler. „In die Skulpturen ist ein ,Interspecies Contract‘ in arabischer und englischer Sprache eingemeißelt, der die Besucher auffordert, ihr Verhalten zu ändern.“
„Interspecies Assembly“ wurde entwickelt und produziert von KWY.studio.
Fotos: ©️ Lance Gerber / Public Art Abu Dhabi Biennial 2024 – 2025



