Ehemaliger Kalksteinbruch La Roque-Genêts im Dorf La Meauffe in der Normandie. Foto: Xfigpower / <a href="https://commons.wikimedia.org/"target="_blank">Wikimedia Commons</a>

Das Image der Steinbrüche in der Öffentlichkeit befindet sich im Wandel: Galten sie ehemals als tote Zonen in der Natur hat die nähere Betrachtung durch Biologen inzwischen dazu geführt, dass sie in der ansonsten ausgeräumten Landschaft wichtige Lebensräume vor allem für Pionierarten für Pflanzen und Tiere darstellen. Als sogenannte Trittsteinbiotope sind sie auch wichtig dafür, dass die Arten sich ausbreiten können. Nun gerät eine weitere Funktion in den Blick, nämlich ihr Potenzial als Trinkwasserreservoir.

Fachleute wissen schon lange darum und nutzen sie dafür. Nun hat das französische Bureau de recherches géologiques et minières (BRGM, Forschungsinstitut für Geologie und Rohstoffe), salopp: Frankreichs Geologischer Dienst, eine Studie dazu speziell für das Départment Finistère erstellt. Das ist der äußerste Zipfel der Bretagne, der in den Atlantik hinausragt.

Hintergrund der Studie ist der Klimawandel; bisher stand beim Thema Trinkwasser eher die Qualität des kostbaren Nahrungsmittels im Vordergrund. Nun kommt dazu, in Trockenphasen die Versorgung zu sichern.

Das BRGM hat auch Methoden der Planung und Umsetzung zusammengestellt.

Exakt 1109 Steinbrüche gibt es in dem Départment. Die große Zahl überrascht den Laien, ist aber darauf zurückzuführen, dass ehemals überall auf dem Land die Häuser aus lokalem Fels errichtet wurden.

Viele dieser Steinbrüche sind folglich klein – oft haben sie nicht mal die Fläche eines Fußballfeldes. Üblicherweise sind sie rundlich und inzwischen mit Wasser vollgelaufen.
Um dieses Wasser geht es: anders als man erwartet, ist es nicht Regenwasser, das von außen in das Erdloch hineingelaufen oder gleich hineingeregnet ist. Vielmehr entstammt es dem Grundwasser. Das steht im Départment an vielen Stellen hoch, und musste während der Steingewinnung abgepumpt werden.

Fünf Standorte von „direktem Interesse“ haben die BRGM-Experten identifiziert, dazu kommen noch zwei weitere mit „mittelfristiger“ Bedeutung und 16 mit einer Rolle auf lange Sicht.
Allein für sechs von ihnen wurde ein Volumen von nahezu fünf Millionen Kubikmetern ermittelt.
Wohlgemerkt: Man sollte nun nicht mit einem Becher zu diesen Gruben kommen und das Nass abschöpfen – das ist nirgendwo zu empfehlen. Das Wasser eignet sich aber für die Aufarbeitung zu Trinkwasser, damit es später über die Leitungen zum Bürger kommen kann.

Ein großes Problem ist die Versauerung des Wassers.

In der Bretagne hat man das bereits 1991 nachgewiesen, schreibt das BRGM im Abschlussbericht: Zur Versauerung kommt es, wenn das Felsmassiv geöffnet wird und die Sulfide oxidieren. Das betrifft alle Steine, sofern sie Schwefelverbindungen enthalten, hier Granit, Schiefer, Sandstein und weitere.

Das BRGM nennt Möglichkeiten, das Problem zu lösen, und erwähnt auch eine neue Methode.

Auch woanders kennt man das Thema und hat es im Griff: In der Studie werden vergleichbare Reservoirs in Belgien und woanders in Frankreich erwähnt. Auch in Finistère selbst gibt es bereits solche Nutzungen.

Die Studie behandelt auch vielfältige technische Details, etwa das Management des Wasserstandes, die Überwachung des Sauerstoffgehalts bis hin zur Sicherung des Terrains mit Umzäunungen.

Hingewiesen wird auch darauf, dass vor der Nutzung eines Standortes eine Bestandsaufnahme der Fauna und Flora am Ort erfolgen muss.

Und: Die Bevölkerung muss in die Planungen einbezogen werden. Zu den fünf ausgewählten Standorten schreibt das BRGM ausdrücklich, dass es dort „eine lokale Wertschätzung für die Wasserversorgung gibt“.

BRGM (französisch)

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