Wohnhaus „Caprea“. Architekt Mattias Litström.

Bauen mit Naturstein muss nicht heißen, alles mit Marmor oder Granit zuzukleistern. Zumindest ist das in Schweden so. Denn dort stellt beim Natursteinpreis 2024 der verwendete Stein nur einen Akzent für die Architektur dar, wenn auch einen kräftigen: Es handelt sich um einen Neubau auf einem ehemals unschönen Eckgrundstück mit heute saftigen Quadratmeterpreisen. Die Adresse in Stockholm ist Birger Jarlsgatan und Kungstensgatan.

Dem Architekten Mattias Litström, vom inzwischen aufgelösten Büro Utopia, ging es darum, das Wohnhaus „Caprea“ in die Umgebung zu integrieren und ihm dennoch eine eigene Marke mitzugeben. Seine Jugendzeit hatte er in einer Gegend mit Steinbrüchen verbracht und war fasziniert zu sehen, wie aus den rohen Felsen ein dekoratives Baumaterial wurde.

Wohnhaus „Caprea“. Architekt Mattias Litström.

Was also lag näher, als dem Neubau im Erdgeschoss Krustenplatten mitzugeben, die in Bohrungen die Spuren aus dem Steinbruch zeigen?

Wohnhaus „Caprea“. Architekt Mattias Litström.Wohnhaus „Caprea“. Architekt Mattias Litström.

Ihre Struktur und ihr Grau gibt dem ganzen Haus, mit seiner verputzten Fassade in Rot obendrüber, den Anstrich von Kraft und Beständigkeit, vielleicht sogar Wildheit. Das ganze Gebäude „scheint direkt aus dem Erdboden heraufzusteigen“, schreibt der Natursteinverband (Sveriges Stenindustriförbund), der den Architekturpreis vergibt.

Im Eingangsbereich und in den Aufzugskabinen aber hat man es dann doch mit der noblen Seite der Steine zu tun, nämlich mit den geschliffenen Graniten Tossene Grey Bohus und Skarstad Red Bohus. Das Haus hat einen gemeinsamen Weinkeller für die Bewohner, den der Conoisseur und TV-Star Carl Jan Granqvist mit einem Kalksteinboden aus Alböke von Öland gestaltet hat.

Im Folgenden stellen wir kurz die Nominierungen für den Preis vor.
 

Platz Stora Torget, Uppsala. Architekturbüro Karavan.Platz Stora Torget, Uppsala. Architekturbüro Karavan.Platz Stora Torget, Uppsala. Architekturbüro Karavan.Mit der Neugestaltung des Platzes Stora Torget hat die Stadt Uppsala die Umgestaltung ihres Zentrums abgeschlossen: Die Landschaftsarchitekten des Architekturbüros Karavan prägten der Pflasterung eine unauffällige Wege-Orientierung für die Passanten auf. So läuft ein Band mit bunten Steinen um den quadratischen Platz herum, trennt innen und außen und lädt die Bürger zum Verweilen ein. Ein Wasserspiel kann auch als Sitzgelegenheit oder Bühne dienen. Neue Beleuchtung schafft eine neue Einteilung des Platzes in Zonen. Alte Steinplatten wurden aufgearbeitet und wiederverwendet – das reduzierte die Kosten um die Hälfte.
 

Platz Hagaplan, Stockholm. Architekten Rem Koolhaas und Reinier de Graaf.Platz Hagaplan, Stockholm. Architekten Rem Koolhaas und Reinier de Graaf.Platz Hagaplan, Stockholm. Architekten Rem Koolhaas und Reinier de Graaf.Hagaplan ist ein Platz in Stockholm, der den Bürgern zurückgegeben wurde. Er wurde von Rem Koolhaas und Reinier de Graaf neugestaltet und trägt nun einen stark vergrößertem Fingerabdruck als Pflaster. Das Muster besteht aus dunklem Moheda Diabas und hellem Granit Skarstad Red Bohus. Beide Steinsorten sind geflammt. Der Platz ist Zugang zum Karolinska Universitätskrankenhaus, zum Elite Hotel Carolina Tower und zum Forskaren-Viertel.
 

Wiederaufbau Vildmannen 7.Wiederaufbau Vildmannen 7.Über den Wiederaufbau des Anwesens Vildmannen 7 in Stockholm nach einem verheerenden Brand hatten wir berichtet. Unser Schwerpunkt lag auf der Sicherung der Fassade mit Roslagssandsten, die praktisch das einzige war, was von dem ehemals repräsentativen Bau überlebte. Inzwischen wurde das Innere des Gebäudes komplett neu gestaltet. Zum Einsatz kam der Ekeberg-Marmor aus Schweden. Er hat eine weiße Farbe und trägt Adern in Gold und Grün.

Sveriges Stenindustriförbund (schwedisch)

Fotos: Sveriges Stenindustriförbund

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