Schwedischer Natursteinpreis 2023: eine Kücheninsel mit dem Haus drumherum, eine Villa mit Fassadenstein aus dem Bruch nebenan, ein Platz mit Platten und Kopfsteinpflaster drumherum, und das Modell eines Naturparks aus Diabas

Eine Kücheninsel mit dem Haus drumherum.Eine Kücheninsel mit dem Haus drumherum.

Beim schwedischen Natursteinpreis werden einmal pro Jahr Projekte ausgezeichnet, die die besonderen Eigenschaften des Natursteins und seiner heimischen Sorten herausstellen: besondere Architektur, Nachhaltigkeit in der Bauweise und Innovation in der Verwendung des Materials. Geldpreise gibt es nicht, jedoch dürfen die Architekten und Bauherren die Auszeichnung während eines Jahres für ihr Marketing verwenden. Außerdem bringt der sehr aktive, wenn auch kleine Verband, die Prämierungen unter die Leute.
 

Eine Kücheninsel mit dem Haus drumherum.Der 1. Preis ging an ein von seinen Dimensionen her ganz und gar außergewöhnliches Projekt: Es handelt sich um eine Villa an einem See in Westschweden, wobei wir hier zum Ort nicht mehr sagen wollen, da der Bauherr Anonymität wollte. Schließlich ist die Steinvilla so konzipiert, dass sie sicher Besucher und ungebetene Gäste anziehen würde und vielleicht in ein paar 10.000 Jahren Archäologen sich fragen werden, was sich da vor langer Zeit abgespielt hat: denn der Kern des Hauses ist die Küche, und ihr Zentrum ist der massive Block der Kücheninsel mit ursprünglich 34 t Gewicht, poliert nur an der Oberfläche und roh an den Seiten. Die dazugehörige Sitzbank bringt 9 t auf die Waage und misst 475x120x92 cm.

Eine Kücheninsel mit dem Haus drumherum.Eine Kücheninsel mit dem Haus drumherum.Der Bauherr hatte etwas Ähnliches in einem Gourmet- und Wellnesshotel in Südtirol gesehen, und fand in Schweden die Architekten Andersson & Keller und die Steinfirma Hallindens Granit. Der Stein für das Ungetüm in Schweden ist der Granit Tossen Grå Bohu. Allein das 34-t-Stück über Waldwege zu transportieren, war ein Vorhaben im Stil einer exotischen Expedition. Im nächsten Schritt mussten dann die Maschinen auf das Grundstück am See geschafft werden, und ganz zum Schluss wurde das Haus tatsächlich um den Block in der Küche herum errichtet.

Das zweite bestimmende Material in der Küche ist Messing – das Metall und der Stein sollen in Würde altern und Patina ansetzen, und den Bewohnern der Sommerresidenz und ihren Gästen eine Atmosphäre von Gelassenheit und Langlebigkeit geben, heißt es in einer Beschreibung.

Drei weitere Projekte hatte die Jury in die Endrunde eingeladen, aus denen der Gewinner ermittelt wurde.
 

Eine Villa mit Fassadenstein aus dem Bruch nebenan.Eine Villa mit Fassadenstein aus dem Bruch nebenan.Eines ist die Villa Omberg, bei deren Entstehung es auch nicht an Ungewöhnlichem mangelte. Der Bauherr und seine Ehefrau hatten ebenfalls den Traum von einem abgelegenen Wohnhaus aus Stein, und dann stießen sie auf ein Grundstück, bei dem alles zusammenpasste: es lag am Rand eines aktiven Steinbruchs des Kalksteins Borghamn, und der Bauherr, muss man wissen, war seinerseits in verschiedenen Funktionen in der schwedischen Steinbranche aktiv.

Das Weitere kurz zusammengefasst: Er erstellte mit Mustern aus Kalkstein ein Modell des Neubaus, die Ehefrau war ebenfalls Feuer und Flamme, und so entstand alsbald der Rohbau mit Leichtbetonwänden, an die die Steinplatten als Verkleidung angehängt waren.

In der Folge verbrachte der Bauherr jede Minute auf der Baustelle: so bearbeitete er einen ganzen Winter lang die Kanten der Platten mit Hammer und Meißel und sorgte mit dem Winkelschleifer für weitere Details. Die Fossilien im Stein schätzt er besonders: „Ich werde nie müde, die Fassade zu betrachten. Ständig entdeckt man ein neues Fossil, das man noch nie gesehen hat“, zitiert ihn der Verband im Magazin „Sten“ (Stein).

Im Inneren des Hauses sind Wände und Böden mit anderen heimischen Steinsorten verkleidet. „Ich habe einen Großteil meines Urlaubs und meiner Freizeit für die Arbeit am Haus genutzt“, sagt er. Und: „Jetzt werden wir im Garten ein Gewächshaus mit einem Steinsockel bauen.“ Die Ehefrau ist mit derselben Begeisterung dabei.
 

Ein Platz mit Platten und Kopfsteinpflaster drumherum.Ein Platz mit Platten und Kopfsteinpflaster drumherum.Ein anderes Projekt aus der Endrunde war die Neugestaltung des Hertig-Johans-Platzes in der Stadt Skövde.Dort ist ein Steinboden aus ca 1.000 m²Granitplatten, 80 m Blockstufen und ca. 600 m²Kopfsteinpflaster verlegt. Der Platz und die Straße sind ein schönes Beispiel dafür, wie eine kleinere Gemeinde mit begrenztem Budget aber hohen Ambitionen weit kommen kann. Die Architekten von Land Arkitekter entwickelten die Planung.

Ein breiter Teppich aus recycelten kleinen und großen Straßensteinen umrahmt den Boden mit den Platten und verstärkt das Bild des Platzes als eine Art allgemeiner Handelsplatz.

„Wir hätten während des gesamten Projekts lieber mit schwedischem Stein gearbeitet, aber der finanzielle Rahmen ließ dies nicht zu. Stattdessen gelangten wir schon früh zu einer Kombination aus fünf verschiedenen Graniten, drei schwedischen vom Typ Bohus und zwei portugiesischen. „In der Praxis haben wir auch alle kleinen und großen Straßensteine auf dem Gelände wiederverwendet“, sagt Anders Kling, verantwortlicher Architekt bei Land Arkitektur.

Der Hertig Johans Torg war früher mit Kopfsteinpflaster bedeckt, das die Gemeinde jetzt in einem Lagerhaus zur späteren Wiederverwendung lagert.

Nebenan liegt die Kirche Sankta Helena, deren Pflaster stilisierte Kraniche trägt:
https://www.stone-ideas.com/104257/pflasterbelag-vor-der-kirche-in-skovde/
 

Das Modell eines Naturparks aus Diabas.Beim vierten Projekt in der Endausscheidung handelt es sich um das 3D-Modell des Nationalparks in Tyresta südlich von Stockholm. Es gilt mittlerweile als wegweisend für solche Informationspunkte. Wir hatten das Vorhaben beschrieben:
https://www.stone-ideas.com/97272/tyresta-nationalpark-landschaftsrelief-aus-stein/

Sveriges Stenindustriförbund (schwedish)

See also:

(05.02.2024)